Zum Jahreswechsel tauchen sie verlässlich auf: die Neujahrsvorsätze. Man nimmt sich zum Beispiel vor, mehr Sport zu machen, sich gesünder zu ernähren oder produktiver zu sein – doch was bedeuten Neujahrsvorsätze für die Menschen, die sich diese vornehmen? In der neuen Podcast-Folge sprechen Renate und Hannah offen darüber, warum Neujahrsvorsätze für viele mit Motivation einhergehen, für andere jedoch vor allem auch Druck bedeuten.
Hannah: Skepsis statt Vorsätze
Hannah steht Neujahrsvorsätzen eher neutral bis kritisch gegenüber. Für sie sind sie negativ konnotiert. So erinnert sie sich von früher vor Allem an Erwachsene, die sich jedes Jahr etwas vornahmen, was sie nicht einhalten konnten, und am Ende dadurch frustriert waren. Der Gedanke, dass „2026 wie ein unbeschriebenes Blatt Papier“ sei, während man 2025 schon gelebt habe, erscheint ihr zwar symbolisch, letztlich bleibe es aber „auch nur ein neues Jahr“.
Besonders problematisch findet Hannah den Leistungs- und Optimierungsdruck, der oft mitschwingt. Gerade mit Mitte Zwanzig, einer Lebensphase, in der sich ohnehin ständig alles verändert, hält sie feste Neujahrsvorsätze für überflüssig. Einmal nutzte sie die Neujahrsvorsätze allerdings bewusst performativ: Um sich als bisexuell zu outen, schrieb sie ihren Vorsatz auf einen Zettel und postete ihn mit dem Kommentar: „Ist ja jetzt abgehakt.“
Renate: Zwischen Zuversicht und Darstellungsdruck
Auch Renate steht Neujahrsvorsätzen ambivalent gegenüber. Einerseits könne der Blick in die Zukunft – den man zwar eigentlich jederzeit hat, aber an Neujahr besonders zelebriert wird – motivierend sein und einem Zuversicht schenken. Andererseits stört sie die permanente Selbstoptimierung, die häufig mit den Vorsätzen einhergeht, sowie der soziale Darstellungsdruck, der dadurch entsteht.

Stimmen aus dem Team
Die Diskussion wird durch verschiedene Perspektiven aus dem Team ergänzt. Isabella kritisiert den kapitalistischen Aspekt von Neujahrsvorsätzen und verweist auf Fitnessstudios, die den Jahreswechsel gezielt vermarkten. Für sie sollte der Fokus weniger auf Druck, sondern mehr auf Dankbarkeit liegen – auf das, was man bereits geschafft hat.
Jette und Jana verzichten bewusst auf Vorsätze. Während Jette anstelle von Neujahrsvorsätzen die Reflexion des vergangenen Jahres schätzt, möchte Jana sich nicht mehr enttäuschen lassen, wenn gesetzte Ziele unerfüllt bleiben. Lisann empfindet Vorsätze ebenfalls als stressig. Sie habe im letzten Jahr allerdings ein Ritual ausprobiert: zwölf Trauben zu Mitternacht für Glück im neuen Jahr, das bei ihr offenbar gewirkt hat.
Selina hingegen erlebt Neujahrsvorsätze als echten Neustart:
„Ich schreibe meine Ziele in mein Notizbuch, als wären sie schon war und das motiviert mich total. Ich glaube fest, dass wenn man genug an einen Traum glaubt, dieser irgendwann real wird.“
Kathrin bringt es schließlich auf den Punkt: „Man braucht keine Neujahrsvorsätze.“ Aber wir Menschen mögen Abschlüsse. Der Wunsch, Altes hinter sich zu lassen und Hoffnung in ein neues Jahr zu legen, spiele dabei eine zentrale Rolle.
Fazit
Die Podcast-Folge zeigt: Neujahrsvorsätze sind kein Muss für jede*n. Sie können Hoffnung schenken, Motivation auslösen oder schlicht dabei helfen, innerlich einen Haken hinter das alte Jahr zu setzen. Gleichzeitig dürfen sie hinterfragt werden – vor allem dort, wo sie in Druck und Selbstoptimierung umschlagen. Vielleicht liegt der eigentliche Wert des Neujahrs weniger im Vorsatz selbst als in der ehrlichen Reflexion: Was war in 2025?, was darf 2026 bleiben und was darf Neues kommen?
Linea Strugies



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