Von „Barbiecore“ über „Mob Wife aesthetic“ bis hin zum „Bratgirl summer“ – Microtrends sind längst nicht mehr aus der Social Media Landschaft wegzudenken. Und auch wenn oft nur existierende Styles unter einem neuen Namen vermarktet werden, geben sie gerade vielen jungen Menschen die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu erfinden und zu definieren. Doch wie positiv sind diese ständig wechselnden Trends wirklich und wo sollte im Umgang mit ihnen vielleicht etwas Vorsicht geboten sein? Diese und noch viele weitere Fragen diskutieren Moderatorin Renate und die Praktikantinnen Huila, Sara und Jasmin in der neusten Folge „Von Boom bis Z“.

Was sind Microtrends?
Microtrends sind Style-Trends, die sich hauptsächlich über soziale Medien verbreiten. Im Gegensatz zu saisonalen Mode-Trends halten sich Microtrends jedoch nicht über eine oder mehrere Jahreszeiten, sondern oft nur wenige Wochen oder Monate. Die Namen der zahlreichen Trends werden meist mit den Suffixen „-girl“ oder „-core“ gebildet. So entstehen dann auf TikTok, Pinterest und Co Ästhetiken wie „Clean Girl“, „Babygirl“ oder „Cottagecore“. Oft werden Microtrends auch von Influencer*innen beworben, nicht selten mit durch Sponsorings entstandenen Produktplatzierungen. Gerade bei jungen Menschen gewinnen sie daher rasant an Popularität, verschwinden aber häufig, so schnell wie sie entstanden sind, wieder aus dem Mainstream.
Im Laufe des Gesprächs stellen vor allem Huila, Sara und Jasmin fest, dass sie sich ab und zu unabsichtlich in bestimmten Microtrends wiederfinden. Denn einige Charakteristika, wie die der „Pilates Girls“, sind so generalisiert, dass jede Person, die schon mal in Leggings und mit einem übergroßen Wasserbehälter aus dem Haus gegangen ist, in diese Kategorie passen würde. Außerdem wird bemerkt, dass es bei vielen Ästhetiken nicht wirklich um die tatsächliche Identität einer einzelnen Person geht, sondern vielmehr darum, wie eine Person gesehen werden will. Möglicherweise findet dabei auch eine Manifestierung bestimmter Eigenschaften statt, die erstrebenswert sind und beispielsweise oft mit dem Lifestyle der „Clean Girls“ assoziiert werden.
Häufige Kritiken
Der meiste Content zu Microtrends auf den sozialen Medien scheint an junge Menschen und vor allem FLINTA* Personen gerichtet zu sein, und wird fast ausschließlich von diesen Gruppen konsumiert. Huila fällt auf, wie dabei oft stereotype Geschlechterrollen und schädliche Körperideale reproduziert werden, und sie fragt sich, warum es keine vergleichbaren Microtrends gibt, die an Männer gerichtet sind. Häufig kritisiert wird außerdem, dass sich einige Microtrends gewisse Styles aneignen, ohne den kulturellen oder politischen Hintergrund zu beachten. Dies kann sich für Personen, die diese Styles bewusst tragen und die eventuell marginalisierten Gruppen angehören, respektlos anfühlen und ihren Safe Space gefährden.
Immer öfter springen große Modekonzerne auf Microtrends auf, manchmal in Kooperation mit Influencer*innen, was nicht nur dazu führt, dass viele junge Menschen sehr viel Geld ausgeben, um mit den schnelllebigen Trends mitzuhalten, sondern auch die Fast Fashion Industrie weiter antreibt. Vielleicht als Gegenbewegung dazu, oder weil einige Microtrends ältere Styles wieder aufleben lassen, kehrte Second-Hand-Shoppen in den letzten Jahren wieder zurück in den Mainstream.
Fazit
Zum Ende hin stellt Sara fest, dass gerade junge Menschen oft belächelt oder verurteilt werden, weil sie Microtrends folgen. Dabei ist es generell nichts schlechtes, wenn sie durch Microtrends den Mut haben, verschiedene Styles auszuprobieren, sich zugehörig fühlen und vielleicht nach und nach ihren ganz eigenen Style finden. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass viele Influencer*innen und Modekonzerne durch Microtrends sehr viel Profit machen und Fast Fasion unterstützen. Außerdem sollte immer hinterfragt werden, woher diese Trends kommen, ob sie verletzende Stereotype reproduzieren und ob eine Aneignung möglicherweise problematisch sein könnte.
Wenn ihr mehr über das Thema erfahren wollt, solltet ihr unbedingt in die neue Podcastfolge reinhören – überall da, wo es Podcasts gibt.
Jasmin Hebner



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