Von Schwarzen Menschen und weißen Gutmenschen: Such a Fun Age von Kiley Reid

Zum Black OurStory Month im Februar 2020 hat die Stadtbibliothek Bremen neue Literatur von Schwarzen Schriftstellerinnen angeschafft, unter anderem den international gefeierten Debüt-Roman von Kiley Reid:

Kiley Reid Photo: © David Goddard

Such a fun age

Präzise und unterhaltsam wird das Leben der 25-jährigen Schwarzen Emira Tucker von der kaum älteren Autorin beschrieben; festgefahren – wie sie ist – zwischen ihrer Chefin und ihrem Freund: Beide Weiß. Beide Gutmenschen. Aber bis auf den Tod miteinander verfeindet.
Als Emira beschuldigt wird, das ihr anvertraute kleine Mädchen Briar „entführt“ zu haben (weil Schwarz, spät Abends, mit weißem Kind) entbrennt zwischen ihren beiden weißen Fürsprecher*innen ein erbitterter Kampf darum, wer weiß, was am besten für sie ist.

Aber welches Alter macht denn so viel Spaß?

Cover des Buches mit rosa Schrift auf blau/schwarzem Hintergrund

Cover von Penguin LCC US

Emiras geliebte Zögling Briar Chamberlain ist zweieinhalb. Emira ist 25 und wird bald 26.
Beide Alter haben es in sich – aber wird es „Fun“ oder Fallstrick?

Mit zweieinhalb ist Briar mehr als frühreif. Den ganzen Roman hindurch wird sie konsequent als autistisch – oder auf dem Autismus-Spektrum dargestellt, ohne dass dies jemals benannt wird (auch dies eine Meisterleistung der präzisen Darstellungsweise). Emira liebt sie sehr, doch Briar´s Mutter Alix hat nicht so viel Verständnis. „Sie müssen ihr ab und zu zeigen, dass Sie sie mögen“ sagt Emira zu Alix, „Sie können nicht darauf warten, dass sie sich verändert. Es ist was es ist.“

Aber auch Emiras Alter bringt sie in eine prekäre Situation: An ihrem 26. Geburtstag wird sie ohne Krankenversicherung da stehen, die Mitversicherung bei ihren Eltern fällt weg. Kann sie sich überhaupt leisten, noch als Babysitterin zu arbeiten? Ohne festen Vertrag? Muss sie sich nicht in den Dschungel der Verhandlungen über Wochenstunden, Versicherungen und Zusatzleistungen werfen? Emiras Schwarze Freundinnen sind sich da ziemlich einig: Nichts wie weg aus der Rolle der Schwarzen Nanny.

Ist das „Fun Age“ unser eigenes Zeitalter?

Denn die „Schwarze Nanny“ ist ein fester – historischer – Topos der US-Literatur. Obwohl Emira und Alix beide „moderne“ gebildete junge Frauen sind, finden sie sich in den uralten Rollen der Bittstellerin und Gönnerin wieder, in einer genial ausgearbeiteten Darstellung von modernem systemischem Rassismus. Derweil will Emiras Freund den Weg des politischen und gerichtlichen Protestes einschlagen. Aber was will Emira?

Mehr wird hier nicht verraten! Lest selber.

Glenys Gill

Kiley Reid, Such a fun Age, NY 2019, ISBN 978-0-525-54190-5
Zentralbibliothek Bremen Signatur:  Englisch S Reid

Auch in der Zentralbibliothek zu Haben sind zum Beispiel:

Oyinkan Braithwaite, My sister, the serial killer, NY 2018, ISBN: 978-0-385-54423-8
Signatur: Englisch S Brai
Auf Deutsch online als eBook

Nicole Dennis-Benn, Patsy, NY 2019,  ISBN: 978-1-63149-563-2:
Signatur: Englisch S Denn

Brit Bennett, The Mothers, NY 2017,  ISBN: 0-399-18452-X , 978-0-399-18452-9
Signatur: Englisch S Benn
Auch auf Deutsch als Buch

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