Warum Germany’s next Topmodel nicht sehenswert ist

Germany’s next Topmodel wird schon seit Jahren kritisiert, weil es ein zu einseitiges Frauenbild und unerreichbare Schönheitsideale vermittelt.Den Beginn der 13. Staffel am 08.02. habe ich zum Anlass genommen, um nochmals darauf aufmerksam zu machen, wie stark die Sendung junge Mädchen und auch erwachsene Frauen verunsichern und fertig machen kann.

Schockierende Zahlen

Werbeplakat mit halboffenen Brüsten zu der Sendung Germanys next Topmodel

Quelle: frauenseiten
Fotograf: Antje Robers

Erschreckend ist allein schon die Altersfreigabe dieses Formats. Ab 12 Jahren darf die Sendung geschaut werden und auch die Statistik zeigt, dass die Zuschauer*innen größtenteils zwischen 12 und 16 Jahren alt sind. Das ist ein Alter, in dem sich Mädchen und Jungs in der Pubertät befinden und sich die Frage stellen, wer sie sind und was ihre Persönlichkeit ausmacht. Dadurch sind sie sehr leicht zu beeinflussen. Wenn einem schlanken Mädchen in der Sendung dann gesagt wird, dass sie zu dick sei, ist es kein Wunder, dass das Komplexe in den Zuschauer*innen auslöst.

Das internationale Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen hat 2014 im Rahmen einer Studie den Einfluss von Fernsehsendungen auf Essstörungen untersucht. Dafür wurden zwischen November 2014 und Februar 2015 241 Menschen befragt, die sich zu diesem Zeitpunkt aufgrund einer Essstörung in Behandlung befanden. Überwiegend handelte es sich dabei um Mädchen und Frauen mit Magersucht und Ess-Brech-Sucht. Fast ein Drittel der Befragten gaben an, dass Germany’s next Topmodel einen „sehr starken Einfluss“ auf ihre Essstörung hatte. Gründe dafür sahen sie in den unerreichbaren Normen, die die Sendung vermittelt. Die Befragten verglichen sich mit den Germany’s next Topmodel-Kandidat*innen und fühlten sich schlechter als sie, weil sie bestimmte Gesichtszüge oder Körperstaturen nicht hatten. Bei den Gesichtszügen und Körperstaturen der Kandidat*innen handelt es sich um Ausnahmeerscheinungen – trotzdem wird es so dargestellt, als seien sie die Norm. Und so führte die unerreichbare Norm und der Vergleichsprozess bei mindestens 70 % der befragten Mädchen und jungen Frauen zu einer Essstörung.

Das sind schockierende Zahlen und Fakten, die eigentlich schon Grund genug dafür sind, die Sendung zu missachten. Aber es gibt noch mehr.

Peinliche Juroren, verunsicherte Kandidat*innen und ein falsches Schönheitsideal

Die ganze Aufmachung der Sendung und die ständige Selbstinszenierung von „Model-Mama“ Heidi Klum sind einfach nur peinlich. Die Juroren Thomas Hayo und Michael Michalsky zicken sich durchgehend an. Das beginnt schon beim Casting, wenn die auserwählten Mädchen selbst entscheiden dürfen, ob sie zum Team Schwarz von Thomas oder zum Team Weiß von Michael gehören wollen. Die gesamte Jury wirkt arrogant und macht sich häufig über die Mädchen lustig, wenn sie „falsch“ laufen oder sich „komisch“ bewegen. Die Kandidat*innen müssen immer funktionieren, dürfen keine Emotionen an sich heran lassen und müssen sich wie Objekte zur Schau stellen.

Man sieht einen weißen Zettel, auf dem in blauer Schrift "Not Heidis Girl...weil ich keine Lust habe, in Schubladen gesteckt zu werden" steht. Dieser Zettel nimmt Bezug auf die Sendung Germanys next Topmodel

(c) Alina Zimmermann

Und dann noch dieses Schönheitsideal, das die Sendung vermittelt: lange Haare, lange Beine, ein besonderes, aber trotzdem gewöhnliches Gesicht. Ein flacher Bauch und die richtige Körpergröße sind sowieso ein Muss und bloß nicht zu viel Oberweite oder Hintern, denn das könnte in Heidis Augen schnell „zu sexy“ sein. Doch nicht nur Mädchen wird ein falsches Schönheitsideal vermittelt. Auch Jungs, die die Sendung schauen, bekommen mit, wie die Kandidat*innen auf ihr Äußeres reduziert werden und welche Kriterien ein Mädchen erfüllen sollte, um als schön zu gelten.

Keine Lust mehr auf Vergleiche und Schubladendenken

Dieses ganze Gelaber über Oberflächlichkeiten und das Bewerten einzelner Körperteile nervt nur noch. Nicht nur bei Germany’s Next Topmodel, sondern eigentlich überall: in der Werbung, in Zeitschriften und in sozialen Medien – ganz besonders auf Instagram. Es führt dazu, dass man sich vergleicht und sich dabei immer schlechter als die anderen fühlt.

Ich bin inzwischen aus dem Alter raus, in dem man alles glaubt, was die Medien einem sagen und vermitteln wollen. Fast alle Konversationen, die man im Fernsehen sieht, sind gefaked und die meisten Bilder von „Instagram-Schönheiten“ retuschiert. Und auch wenn man solche Dinge inzwischen so viel differenzierter und bewusster betrachtet, ertappt man sich hin und wieder halt doch dabei, wie man sich vergleicht und sich fragt, ob man etwas an sich ändern müsse um schön zu sein und ob allgemein irgendetwas an der eigenen Persönlichkeit falsch ist. Solche zweifelnden Momente gibt es mal mehr und mal weniger, aber es gibt sie. Und das liegt nicht unbedingt an einem mangelnden Selbstbewusstsein, sondern an Frauenbildern, die in den Medien vermittelt werden.

Während bei Germany’s next Topmodel ein sehr einseitiges Frauenbild von dünnen Mädchen mit langen Beinen vermittelt wird, zeigen beispielsweise Werbungen sexy Frauen mit großer Oberweite, viel Make-Up und vollem Haar. Und ich fühle mich dann irgendwo dazwischen, möchte mich von diesen Frauenbildern frei machen und einfach nur ich selbst sein, ohne in irgendeine Schublade gesteckt zu werden. Sendungen wie Germany’s Next Topmodel bewirken aber das Gegenteil und führen dazu, dass Mädchen und Frauen in verschiedene Schubladen gesteckt werden und das ist wohl der Hauptgrund, warum diese Sendung nicht sehenswert ist.

Protestsong: Not Heidis Girl

Um Sendungen wie Germanys Next Topmodel entgegen zu wirken, hat die Genderforscherin Stevie Meriel Schmiedel 2012 die Organisation PinkStinks, was auf deutsch Pink stinkt bedeutet, gegründet. Die Organisation protestiert gegen das einseitige Rollenbild von Mädchen in der Werbung und im Fernsehen. Zum Start der 13. Germany’s Next Topmodel Staffel erschien auf YouTube der Song „Not Heidis Girl“, welcher von PinkStinks produziert wurde und von der 15-jährigen Aliya gemeinsam mit ihren Freundinnen gesungen wird. Die 11 bis 15-jährigen machen deutlich, dass sie keine Lust auf Schönheitswahn haben und nicht „Heidis girls“ sind. Die Message des Videos zeigt, dass die Sendung nichts als Zeitverschwendung ist und es deutlich coolere Alternativen gibt, die klar machen, dass es im Leben nicht darum geht, nach Schönheitsidealen zu streben.

Alina Zimmermann

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