Was und wer sind eigentlich Performative Males und woher kommt dieses Phänomen? Sowohl im realen Leben als auch online taucht der Begriff immer häufiger auf, besonders seit er verstärkt Teil von Social-Media-Diskursen geworden ist. Vor allem in Großstädten, in linken Kreisen, aber auch in der Musik- und Influencer-Szene begegnet man diesem Typus immer wieder. Dabei ist das Bild des Performative Male längst nicht nur ein zufälliges Auftreten einzelner Personen, sondern wird teilweise sogar gezielt als eine Art subtile Marketingstrategie eingesetzt. Ziel ist es oft, weibliche Fans anzusprechen und besonders auf ein linkes, feministisches Publikum sympathisch zu wirken.

Was sind Performative Males und wie sehen sie aus?
Doch was genau versteht man unter einem Performative Male, und woran erkennt man ihn? In der Regel handelt es sich um Männer, die sich selbst als politisch links, progressiv und feministisch inszenieren. Dabei passen sie sich stark dem sogenannten „weiblichen Blick“ an und präsentieren sich bewusst so, wie sie glauben, dass es bei Frauen gut ankommt. Diese Inszenierung zeigt sich nicht nur in ihren Aussagen, sondern auch in ihrem äußeren Erscheinungsbild und ihrem Lifestyle.
Typische Merkmale sind beispielsweise das demonstrative Lesen feministischer Literatur, sowohl in der Öffentlichkeit als auch privat. Außerdem ein bestimmter Kleidungsstil. Dazu gehören Jutebeutel, Nagellack, Crop-Tops, Cardigans oder generell ein eher weicher “Soft Boy” Look. Hier dazu ein passendes Video zur Veranschaulichung. Auch musikalisch bewegen sie sich oft im Indie-Bereich oder hören Künstlerinnen wie Lana Del Rey oder Taylor Swift. Getränke wie Matcha oder Chai Latte mit Hafermilch gehören ebenso zum Image wie ein bewusster Konsum von Bio-Produkten.
Darüber hinaus beschreiben sich Performative Males häufig als besonders sensibel und emotional zugänglich. Sie betonen, dass sie ihre Gefühle zeigen können und grenzen sich damit bewusst von traditionellen Männlichkeitsbildern ab. Sie wirken oft wie Männer, „die von einer Frau geschrieben wurden“, also fast zu perfekt auf weibliche Erwartungen zugeschnitten. Gleichzeitig zeigen sie eine starke Bewunderung für Frauen, insbesondere für solche aus linken oder feministischen Kontexten, und positionieren sich grundsätzlich positiv gegenüber allem, was mit weiblichen Interessen verbunden ist.
Performative Males und Feminismus als Dating-Strategie
Problematisch wird es jedoch, wenn sich hinter dieser Fassade eine klare Strategie verbirgt. Häufig nutzen Performative Males ihr politisches und feministisches Auftreten gezielt als Dating-Strategie. Sie inszenieren sich als „bessere Alternative“ zum klassischen Männerbild, um Vertrauen aufzubauen und Zugang zu Frauen zu bekommen. Nicht selten mit dem Ziel, sexuelle oder romantische Beziehungen einzugehen. Dabei fällt oft auf, dass sie trotz ihrer betonten Progressivität Verhaltensweisen zeigen, die sie eigentlich kritisieren.
Ein typisches Muster zeigt sich im direkten Umgang: Einerseits prahlen sie mit ihrem Musikgeschmack, ihrer Offenheit und ihrer angeblichen Wertschätzung für Frauen. Andererseits erklären sie im nächsten Moment ungefragt, was moderner Feminismus „wirklich“ bedeutet, ein klassisches Beispiel für Mansplaining. Sie betonen immer wieder, dass sie „nicht wie andere Männer“ seien, und grenzen sich aktiv von Stereotypen wie “Alpha Males” oder “Finance Bros” ab.
Die Annäherung erfolgt meist zunächst auf freundschaftlicher Ebene. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen und eine emotionale Verbindung herzustellen. Dabei sprechen sie viel über ihren Respekt für Frauen und ihre Kritik an gesellschaftlichen Strukturen. Im nächsten Schritt folgt dann eine subtilere Annäherung. Oft verpackt in scheinbar harmlose Gesten: das Angebot, eine Playlist mit Lieblingssongs zu erstellen, Empfehlungen für feministische Bücher zu geben oder gemeinsame Interessen zu vertiefen.
Auch hier wird das Image weiter ausgebaut: sie ernähren sich vegetarisch oder vegan, verfolgen aktuelle Trends und trinken Matcha Latte in einem ästhetischen Café. All das gehört zum Gesamtbild. Ergänzt wird dieser Look durch Accessoires wie Kabelkopfhörer, Perlenketten, Beanies oder Baggy Jeans. In besonders ausgeprägten Fällen zeigen sich Performative Males sogar demonstrativ solidarisch, etwa durch das Mitführen von Tampons oder das Tragen von T-Shirts mit feministischen Statements.
Performative Male Contests
Die zugrunde liegende Strategie lässt sich oft in mehrere Phasen unterteilen: Annäherung, Überzeugung, Schmeicheln, gefolgt von einem Wendepunkt, an dem sich zeigt, dass die inszenierte Persönlichkeit nicht mit der Realität übereinstimmt. Am Ende steht nicht selten eine Enttäuschung oder ein abruptes Ende der Beziehung.
Dass das Phänomen inzwischen auch ironisch reflektiert wird, zeigen sogenannte „Performative Male Contests“, die vor allem im Sommer 2025 in Städten wie Berlin, aber auch international in Europa und Amerika stattfanden. Dort präsentierten Männer bewusst überspitzt die typischen Merkmale dieses Typus: Crop-Tops, tote bags, feministisches Buch in der Hand, Matcha Latte mit Hafermilch, Perlenketten und Ohrringe. Quasi eine Art performative Selbstparodie.
Performative Males der Öffentlichkeit
Auch in der Influencer- und Musikszene gibt es zahlreiche Beispiele für Performative Males oder zumindest für Figuren, denen dieses Image zugeschrieben wird. Künstler und Persönlichkeiten wie El Hotzo (Internet-Persönlichkeit), Jeremias (Band), Ritter Lean (Sänger) und andere verschiedene deutsche Personen der Öffentlichkeit, wurden in den letzten Jahren immer wieder in diesem Kontext diskutiert. Sie haben als besonders progressiv gegolten und vor allem weibliche Fans feierten ihr lockeres Image. Doch immer wieder kam es zu Situationen, in denen dieses Image Risse bekam. Ein prägnantes Beispiel ist die Band Jeremias, die zunächst als modern, sensibel und politisch bewusst wahrgenommen wurde. Später geriet sie jedoch in die Kritik, unter anderem im Zusammenhang mit problematischen Strukturen und Personen aus ihrem Umfeld.
Besonders in den Fokus kam dies 2024. Nach der Veröffentlichung ihres neuen Songs Sag mir was ich nicht weiß, tauchte eine Person in den Credits auf, die zuvor wegen Machtmissbrauchs an einer Frau kritisiert worden war. Die Reaktionen der Band auf die Situation kamen deutlich zu spät und viele Fans, aber auch Außenstehende, empfanden diese als unzureichend, was das zuvor aufgebaute Image weiter infrage stellte.
Warum man sich lieber fern hält
Solche Fälle haben dazu geführt, dass in sozialen Medien zunehmend davor gewarnt wird, auf diese Form der Inszenierung hereinzufallen. Denn für viele Frauen endet die Erfahrung mit Performative Males enttäuschend und oft verletzend. Immer wieder zeigt sich, dass hinter der vermeintlich reflektierten und feministischen Fassade Verhaltensmuster stehen, die sich kaum von denen unterscheiden, die sie eigentlich kritisieren. Und dazu noch gezielt und manipulativ gegen Frauen benutzt werden.
Das führt zu einer zentralen Frage: Warum sind Performative Males problematisch oder sogar gefährlich? Der entscheidende Punkt ist die Diskrepanz zwischen Selbstinszenierung und tatsächlichem Verhalten. Sie präsentieren sich als besonders vertrauenswürdig, reflektiert und „anders“ als klassische Männerbilder. Doch in intimen oder langfristigen Beziehungen berichten viele Frauen, dass sich diese Unterschiede oft als oberflächlich herausstellen.
Fazit
Letztlich inszenieren sich Performative Males in einem hohen Maß, um Anerkennung zu bekommen und attraktiv zu wirken. Dabei wird Feminismus nicht als Überzeugung gelebt, sondern als Mittel zum Zweck eingesetzt. Genau darin liegt das Problem: Wenn politische und soziale Werte instrumentalisiert werden, verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit und die Menschen, die darauf vertrauen, bleiben oft enttäuscht zurück.
Huila de Ceitas



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