Was ist eigentlich… Misogynie?

Lila Lupe wird von einer Hand gehalten, darunter liegt ein Heft mit Schrift. In der Lupe steht ein großes, weißes Fragezeichen

(c) Jennifer Höltken

Misogynie bedeutet übersetzt Frauenfeindlichkeit bis hin zu Hass gegenüber Frauen. Das weibliche Geschlecht wird dem männlichen Geschlecht untergeordnet. Demnach haben Frauen eine geringere Wertigkeit und Männer eine höhere.
Diese Feindseligkeit ist auf allen Ebenen sozialer Beziehungen zu finden. Von der gesamtgesellschaftlichen Ebene bis zur persönlichen. Dabei tritt sie in vielfältiger Weise und unterschiedlicher Intensität auf. Auch schwächere Formen – eine gewöhnliche Schlechterstellung wie beispielsweise „Frauen können nicht so gut grillen“ oder „Frauen sollen nicht schwer tragen“ und „Frauen sind zu sensibel“ – fallen schon in den Bereich der Misogynie. Diese werden jedoch oft nicht als solche erkannt – vielleicht auch gerade deshalb, weil manches uns immer wieder im Alltag begegnet.

Herkunft

Die Bezeichnung kommt aus dem Altgriechischen. In der griechischen Antike, war Misogynie die Bezeichnung einer philosophischen Richtung, der zufolge Frauen minderwertig waren. Die Minderwertigkeit wurde durch direkte negative Zuschreibungen für Frauen zum Ausdruck gebracht, beispielsweise: Frauen seien weniger leistungsfähig und oder schwächer. Oder indirekt, indem die Unterordnung der Frau als etwas Positives dargestellt wurde. Da im Umkehrschluss Männer übergeordnet sind, hat es natürlich eigentlich nur für sie Vorteile.

Auch in der Medizin und Psychologie ist Misogynie oft auf einen „krankhaften Hass von Männern gegenüber Frauen“ begrenzt.
Doch in der englischen Soziologie und Sozialpsychologie gilt Misogynie als in der Gesellschaft verankert. Durch das soziale Umfeld wird die Unterordnung des weiblichen Geschlechts erlernt. Genaueres dazu liefert die Bourdieus Habitus Theorie.

Schaufenster mit Aufschrift "Frauenfiendlich"

(c) priv. Barckhausen

Entwicklung

Das Begriffsverständnis entwickelt sich immer weiter weg von alleinig der extremen Sichtweise als Hass und starker Abneigung. Die gesamtgesellschaftliche Sicht rückt immer weiter in den Mittelpunkt. Dazu gehört jede Darstellung von Frauen als den Männern unterlegen.

„Misogynie […] ist ein zentraler Teil sexistischer Vorurteile sowie Ideologien und ist daher eine wichtige Grundlage für die Unterdrückung von Frauen in männlich dominierten Gesellschaften. Misogynie manifestiert sich auf vielfältige Weise, von Witzen über Pornografie bis hin zur Beförderung eines Empfindens von Selbstverachtung von Frauen und ihren eigenen Körper.“
– The Blackwell Dictionary of Sociology: 2000

Alle Personen haben durch die Sozialisation Misogynie verinnerlicht, nicht nur Cis Männer. Die Feindlichkeit richtet sich dabei nicht nur gegen andere Frauen, sondern auch von Frauen gegen sich selbst.

Erforschung

Die Begriffe Misogynie, Frauenfeindlichkeit, Sexismus und Antifeminismus sind kaum voneinander abzugrenzen und werden häufig synonym verwendet.
Die wissenschaftliche Erforschung von Misogynie begann in den 1950er Jahren. Durch die Frauenbewegung im 20. Jahrhundert wurde Misogynie gesellschaftlich thematisiert. Im 21. Jahrhundert tauchte zusätzlich der Begriff Misandrie auf.

Misandrie

Misandrie ist der Hass oder die Abneigung gegen das männliche Geschlecht. Der Begriff kommt ebenfalls aus dem Altgriechischen. Misandrie ist in gewisser Hinsicht der Gegenpart von Misogynie. So auch in seiner medizinischen Bezeichnung: „krankhafte Abneigung bei Frauen gegenüber Männern“.
Es bezeichnet eine soziokulturelle geringe Wertigkeit von Männern.
Der Begriff Misandrie kam erst später auf als Misogynie, somit begann auch dessen Erforschung später – Ende des 20. Jahrhunderts.
Doch einige Soziologen, wie auch Michael Flood, sind der Meinung, Misandrie sei nicht mit der systemischen, institutionalisierten und gesetzlich verankerten Frauenfeindlichkeit zu vergleichen.

Despite contrary claims, misandry lacks the systemic, transhistoric, institutionalised and legislated antipathy of misogyny. Nevertheless, the notion is gaining in currency among ‘masculists’ and ‘men’s rights’ groups seeking to redress supposedly discriminatory divorce, domestic violence and rape shield laws.
– Michael Flood International Encyclopedia of Men and Masculinities.

Die Besser- beziehungsweise Schlechterstellung eines Geschlechts gegenüber einem anderen ist nicht sinnvoll. Ein bestimmtes Bild wird in der Gesellschaft sozialisiert und als richtig und wahr angenommen. Dabei ist es völlig egal, ob es dafür irgendwelche Grundlagen gibt. Doch ab und zu gibt es eine „Sich selbst erfüllende Prophezeiung“, wodurch der Eindruck entsteht, es könnte richtig sein. Kein Geschlecht ist besser oder schlechter als ein anderes, doch für Einige entsteht der Eindruck. Das Bild setzt sich fest und trägt sich immer weiter, obwohl es völliger Quatsch ist. Was wir können ist individuell und hat nichts mit Geschlechtermerkmalen zu tun.

Alina Diefenbach

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