Was macht eigentlich Luisa?

Wenn die Worte fehlen oder wenn die Schamgrenze zu hoch ist: Mit dem einfachen Code „Ist Luisa da?“ können Gäste dem Club- und Barpersonal signalisieren, dass sie belästigt werden. Momentan machen 30 Bars, Kneipen und Cafés in Bremen bei diesem Projekt mit.

Was macht Luisa?

Luisa startete als Angela in England. Dort rief Hayley Child das Projekt „Ask for Angela“ ins Leben. In Deutschland war Münster die erste Stadt, die das Projekt adaptierte.

Das Plakat von Ist Luisa hier auf pinkem Hintergrund. Eine Strichmännchen im Kleid fragt ein anderes Strichmännchen hinter der Bar "Ist Luisa hier?". Das Barstrichmännchen denkt: Wir helfen dir"

(c) Notruf Bremen

Auf gleiche Weise bietet seit rund zwei Jahren auch der Notruf Bremen diese Schutzmaßnahme an. Um als Lokal daran teilzunehmen, werden Plakate, wie rechts im Bild zu sehen, in die Toiletten gehängt. Außerdem bietet der Notruf Bremen Schulungen zu der Kampagne für das Barpersonal an. Diese sind allerdings keine Voraussetzung und inwieweit das Personal geschult wird, liegt letzten Endes an dem Interesse des*r Betreibers*in.
Wäre es nicht großartig, wenn euer Stammlokal auch bei Luisa mitmacht? Unter dieser Seite können sich Kneipen, Clubs und Cafés über das Projekt informieren und teilnehmen.

Wenn nun also eine Frau die Servicekraft fragt, ob Luisa da ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Je nach Situation, kann die Betroffene zuerst in einen sicheren Raum, wie zum Beispiel ein Personalbüro, gebracht werden. Außerdem können die Mitarbeiter*innen der Gaststätte, die nach Luisa gefragt wurden, ein Taxi oder gleich die Polizei rufen. Das nimmt der betroffenen Person diese zusätzliche Aufgabe in der sowieso schon beklemmenden Situation ab. Betroffene müssen nicht zwingend weiblich sein. Auch Männer oder Menschen anderen Geschlechts, die sich in einem Lokal belästigt fühlen, können das Angebot von Luisa wahrnehmen.

Was macht der notruf Bremen?

Doch Luisa ist nur eines von vielen Projekten des Notrufes in Bremen. Die Beratungsstelle für Menschen, die von sexueller Gewalt betroffen sind, bietet vielschichtig Unterstützung. Das reicht von der kostenlosen Beratung bis hin zu anonymer Spurensicherung. Dabei heben Kliniken Beweismittel bei einer Vergewaltigung chiffriert bis zu zehn Jahre auf. Das nimmt Betroffenen den Druck, sich direkt für oder gegen eine Anzeige zu entscheiden.

vier Frauen, drei davon arbeiten beim notruf Bremen, eine ist Praktikantin von Frauenseiten

Luise Kilian (Praktikantin Frauenseiten), Helena Erdmann, Natalie Haas, Carlotta Klaßen (Praktikantin Notruf Bremen) v.l.n.r. (c) Kira 

Bei einem persönlichen Gespräch mit den beiden Mitarbeiterinnen des Notrufes Helena Erdmann, Natalie Haas und der Praktikantin Carlotta Klaßen beschrieben sie außerdem den Begriff der Vergewaltigungsmythen. Damit sind stereotype Aussagen gemeint, die ein falsches Bild von Vergewaltigungen sowie deren Opfern und Täter*in zeichnen. Das geht von der Annahme, das Opfer immer weiblich und Täter immer männlich sind, bis zu der Überzeugung, dass Frauen durch ihre Kleidungswahl eine Mitschuld tragen. Vergewaltigungsmythen verharmlosen die Schwere solcher Taten, weil sie besagen, dass Vergewaltigungen vorhersehbar wären. Außerdem geschehen dadurch falsche Schuldzuweisungen. Die betroffene Person hätte sich eben anders anziehen müssen, hätte nicht den unbeleuchteten Weg entlang gehen sollen. Unter anderem über diese Mythen aufzuklären, betrachtet das Team des Notruf Bremen als Ziel.

Gegründet hat sich der notruf vor rund 40 Jahren durch einen speziellen Anlass. Dieser war ein Plakat der Polizei auf dem „FRAUEN BEI NACHT – GEBT ACHT“ stand. Das löste Empörung aus, da dies suggeriert, dass Frauen in einem Missbrauchs- oder Vergewaltigungsfall ebenfalls Verantwortung tragen.

Bist du auch betroffen?
Du erreichst den Notruf unter (0421) 151 81. Einen Termin bekommst du meist innerhalb von einer Woche.

Luise Kilian

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