Zum Geburtstag von Jane Austen

Wir gratulieren heute einem längst verstorbenen, aber immer noch sehr bewunderten Geburtstagskind: Vor 240 Jahren wurde Jane Austen geboren, eine der bekanntesten und noch heute erfolgreichsten Autorinnen aus dem England des 18. Jahrhunderts. Als eine der wenigen Frauen erscheint sie im literarischen Kanon zusammen mit großen Namen wie William Shakespeare, Charles Dickens oder gar den Brontë-Schwestern. Anlässlich ihres 240. Geburtstages wollen wir euch in diesem Beitrag einen kurzen Einblick in ihr Leben und ihr Werk geben.

Wasserfarben-Gemälde mit Rückenansicht von jane Austen

Jane Austen, gemalt von Cassandra Austen (via Wikimedia Commons)

Jane Austens Leben

Wenn auch wenig über Jane Austens Leben bekannt ist, aufgrund des Mangels an Originalquellen aus ihren Lebzeiten, so lässt sich doch einiges rekonstruieren. Geboren im Jahre 1775, als siebtes von acht Kindern einer Pfarrerfamilie, war Jane ihrer Schwester Cassandra am nächsten und die enge Bindung der beiden Schwestern sollte noch bis zu deren Tod anhalten. Nach einer schweren Typhuserkrankung der beiden Mädchen wurden sie fortan zu Hause unterrichtet. Dank des gebildeten und privilegierten Hintergrunds ihrer Familie wuchs Jane mit einer sehr guten Ausbildung und direktem Zugang zur Literatur auf. Schon mit zwölf Jahren wagte sie erste literarische Versuche, um dann im Alter von 20 Jahren mit ihren ersten Romanen zu beginnen. Geheiratet hat Jane Austen, wie ihre Schwester Cassandra, nie und schien dem Konzept auch skeptisch gegenüber zu stehen. In einem Brief an ihre Nichte, die ihre Tante um Rat in Liebesdingen bat, schrieb sie, dass jedes Schicksal besser wäre, als in einer lieblosen Ehe zu enden. Den einzigen Heiratsantrag, den sie je erhielt und im Eifer des Gefechts angenommen hatte, widerrief sie schon am nächsten Morgen, vielleicht aufgrund von eben jenen mangelnden Gefühlen. Im Laufe ihrer schriftstellerischen Karriere schrieb Austen sechs Romane, einen Briefroman und mehrere Kurzgeschichten, von denen jedoch aus Geldmangel nicht alle veröffentlicht werden konnten. Die Rechte an manchen ihrer Werke mussten zum Teil sogar verkauft werden. Jane Austens Produktivität wurde zu früh ein Ende gesetzt: Im Jahr 1817, während sie an ihrem siebten Roman Sandition schrieb, starb sie mit 41 Jahren an einen langjährigen Nierenleiden im Kreise ihrer Familie.

Jane Austen als Meisterin der Dialoge und Gesellschaftskritik

Titelseite der ersten Ausgabe von Pride and Prejudice

Titelseite der ersten Ausgabe von Stolz und Vorurteil (via Wikimedia Commons)

Am bekanntesten ist wohl Austens großes Werk Stolz und Vorurteil, das von den meisten entweder als Buch gelesen oder als Filmadaption gesehen wurde. Im Mittelpunkt steht die Familie Bennett mit fünf Töchtern, unter ihnen die Protagonistin Elizabeth, deren Mutter verzweifelt versucht, alle ihre Töchter gut versorgt und vorteilhaft verheiratet zu sehen. Zwischen dem Liebeskummer ihrer älteren Schwester Jane, den Albernheiten ihrer jüngeren Schwestern Kitty und Lydia und ihrer anstrengenden Mutter findet sich Elizabeth schnell selbst fasziniert von dem stoischen Mr. Darcy, der sie gleichermaßen fesselt und irritiert. Stolz und Vorurteil wird als Austens bester Roman gehandelt aufgrund der subtilen Gesellschaftskritik am Heiratswahn des 18. Jahrhunderts und den intelligenten Dialogen. Der Titel findet sich in den Protagonisten wieder: Elizabeth, die den Stolz darstellt, und Darcy, der die Vorurteile verkörpert. Ähnlich spiegeln die beiden Protagonistinnen aus Gefühl und Verstand, oft fälschlicherweise bekannt als Sinn und Sinnlichkeit, die beiden Seiten des Titels wieder. Elinor Dashwood ist die rationale, vernünftige Schwester, während ihre jüngere Schwester Marianne ihre Emotionen auslebt und damit schnell an einen falschen Mann gerät. Wieder kritisiert Austen indirekt den Heiratszwang für junge Mädchen, die damit oft an unpassende und falsche Männer verheiratet werden.

„Beliebte“ Jane – Adaptionen in allen Formen

Vielen ist nicht bewusst, in wie vielen Filmen sich Jane Austen wiederfindet. Mehr als nur die direkten Adaptionen ihrer Bücher, auch in indirekten Adaptionen finden sich Spuren ihres Werks. Ihr Roman Emma, über eine junge Frau, die es erfolgreich schafft, ihre Freunde unter die Haube und in gute Beziehungen zu bringen, während sie selbst einfach kein Glück in der Liebe hat, diente als Vorlage für den Überraschungshit Clueless aus dem Jahr 1995. Die Teeniekomödie scheint auf den ersten Blick wenig mit der klassischen Literatur Austens zu tun zu haben, ist aber in den meisten Charakteren direkt auf dem Roman aufgebaut. Austens eigenes Leben wurde in dem Film Geliebte Jane mit Anne Hathaway, James McAvoy und Maggie Smith verfilmt. Der Film behandelt ihre kurze Romanze mit Tom Lefroy, einem irischen Anwaltslehrling, den Austen auch in ihrem wahren Leben kennenlernte.

Auch wenn Jane Austen ihre Werke auf ihre eigene Gesellschaft bezog, so lassen sich doch viele zeitlose Motive in ihnen finden: Die Ablehnung einer Beziehung ohne Liebe, die Kritik an der Benachteiligung von Frauen, den Wunsch nach Selbstbestimmung und vor allem die Solidarität unter Frauen, die das gleiche Schicksal teilen und sich damit nicht abfinden möchten. So wenig selbstbestimmt die Charaktere in Jane Austens Romanen auch waren, sie legen dennoch einen Grundstein für das Andersdenken in ihrer Zeit. Aus diesem Grund sind ihre Werke auch heute noch aktuell und, wie wir finden, immer wieder einen Blick wert.

Kim-Nicola Hofschröer

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