Das Mädchen und der Tod – in Nazideutschland

Bücherstapel

(c) Schütte

Markus Zusak, Die Bücherdiebin.
Was für ein Buch! Der Ich-Erzähler ist der Tod und erzählt die Geschichte von einem Mädchen in Nazideutschland, das in Bücher vernarrt ist. Die kleine Liesel wird von der Mutter zu Pflegeeltern gebracht, erlebt auf dem Weg dorthin den Tod des kleinen Bruders und stiehlt dort ihr erstes Buch: das „Handbuch für Totengräber“. In ihrer neuen Familie herrschen bescheidene Verhältnisse und ein rauer Ton der Mutter, aber Liesel wird dort doch mit viel Menschlichkeit ausgestattet. Vor allem der Pflegevater Hans ist es, der Liesel das Lesen nahebringt. So lernt sie Bücher lieben. Bei einer Bücherverbrennung der Nazis wandert wieder ein Buch heimlich unter ihren Mantel. Als Liesel beim Wäscheaustragen die Frau des Bürgermeisters kennenlernt, eröffnet sich ihr dort mit deren großer Bibliothek ein ungeahnter Schatz. Später stiehlt sie dort mit heimlicher Unterstützung der Bürgermeisterin regelmäßig Bücher.

Eine dramatische Wendung nimmt die Geschichte, als die Pflegefamilie einen jungen Juden im Haus versteckt. Liesel befreundet sich mit dem jungen Mann, liest ihm vor und hütet ihn im Keller, stets bedroht von der Entdeckung…

Immer wieder tritt der Tod als Erzähler aus der Geschichte heraus und wendet sich direkt an die LeserInnen, bei denen er sich über seinen anstrengenden Beruf beklagt. Er hat in den Zeiten von Krieg und Faschismus reichlich zu tun. Genial, wie Zusak dieses schwerste aller Themen – Nationalsozialismus und Holocaust – anfasst: zutiefst menschlich, aber nicht bleischwer sondern mit leichter Hand und tröstlich. Zusak ist Australier mit deutschen Wurzeln. Gut dass er dieses Buch geschrieben hat! Kein deutscher Autor wäre zu solch einer Darstellung in der Lage.
Und noch etwas: Alle die dieses Buch lieben, sollten einen großen Bogen um den gleichnamigen Film machen – der ist ein gruselig verkitschter Hollywoodstreifen!

Markus Zusak,  geboren 1975 in Sydney,  ist ein deutsch-australischer Schriftsteller. Bekannt wurde er vor allem durch seine Werke „Der Joker“ und „Die Bücherdiebin“. Für beide Titel wurden er und die Übersetzerin Alexandra Ernst mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury ausgezeichnet.

Die Bücherdiebin
Aus dem Englischen von Alexandra Ernst.
cbj Verlag und Blanvalet 2008, 592 S, 19,95 Euro.

 

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