Warschau / Holland

Cover in rot und orange

(c) Wallstein Verlag

Lot Vekemans, Ein Brautkleid aus Warschau

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt: der von Marlena, der von Andries, der von Szymon. Das sind auch die wichtigsten Personen des Romans.

Marlena ist 25, sie lebt bei ihren Eltern, denen ein kleiner Hof eine Stunde von Warschau gehört. Sie verträgt sich nicht mit ihrer Mutter. Auf der Rückfahrt vom Besuch des Papstes trifft sie zufällig in einem Restaurant Natan, einen Amerikaner, der in Polen die Geschichte seiner im Holocaust ermordeten Familie rekonstruiert. Marlena verliebt sich unsterblich in Natan und er wohl auch in sie. Drei Monate sind sie zusammen, dann muss er zurück in die USA.

Sie würde ihn gern begleiten, doch er nimmt sie nicht mit, verspricht aber zu schreiben und sie nachzuholen. Einen Monat nach Natans Abreise stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Ihre Mutter will sie verheiraten oder eine Abtreibung. Sie erkundigt sich nach Möglichkeiten, in die USA zu reisen und lernt so den Besitzer einer Agentur zur Vermittlung polnischer Frauen an holländische Männer kennen. Und so schleicht sie sich eines Tages aus dem Haus und fährt mit dem Bus nach Holland, wo Andries, ein holländischer Bauer, auf sie wartet. Sie kommen gut miteinander aus, schlafen aber nicht miteinander. Als sie im 6.Monat ist, erkundigt er sich nach dem Vater des Kindes und Marlena erzählt es ihm unter Tränen. Andries erklärt das Kind als sein eigenes. Als Stanislaw, Stan, geboren ist, verliebt er sich sofort in ihn. Neun Jahre leben sie friedlich zusammen, bis Marlena von ihrer todkranken Mutter hört und zusammen mit Stan nach Polen fährt. Dort will sie bleiben, Polen fühlt sich nach Heimat an. Nur: Stan will wieder zurück zu seinem Vater, er hört auf zu sprechen. Andries fährt schließlich nach Polen. Szymon ist der Großonkel Natans, Marlena und Stan wohnen bei ihm. Von ihm erfahren wir die Geschichte Natans, und er begleitet Andries zu Marlena und Stan.

Die Geschichte ist wirklich zu Herzen gehend. Die Figuren sind alle nicht frei in ihren Handlungen, ihre Entscheidungen wirken gezwungen, getrieben von den Umständen. Nur der kleine Stan entscheidet über sein Leben, indem er es einfach nicht mehr kommuniziert.

Der Kunstgriff, drei Erzähler sprechen zu lassen, ist einleuchtend; man erfährt so mehr Details, als wenn nur eine Person redete. Allerdings: Ihr Tonfall ist immer der gleiche.

Lot Vekemans, Ein Brautkleid aus Warschau, aus dem Niederländischen von Eva M. Pieper und Alexandra Schmiedebach, 253 Seiten, Wallstein Verlag

Lot Vekemans ist 1965 geboren, sie schreibt Theaterstücke. „Ein Brautkleid aus Warschau“ ist ihr erster Roman.

 

 

 

 

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