Warum kein Freihandelsabkommen mit Russland?

gezeichnete Kröte auf grüüner Wiese

©wuffel

Nur ein Gedankenspiel…???

1. Freihandel und mathematische Beweise 

TTIP wird von vielen abgelehnt, und ich glaube zu Recht. Doch WirtschaftsWissenschaftler behaupten, dass freier Handel für alle von Vorteil ist. Dies sei mathematisch bewiesen. Naturwissenschaftler wissen, dass die Mathematik nichts über die reale Welt aussagt. Sie besteht lediglich darin, aus Axiomen Folgerungen zu ziehen. Die Axiome definieren ein Modell, das der Wirklichkeit mehr oder weniger gut entsprechen kann. Dass ein Modell der Wirklichkeit entspricht, lässt sich jedoch nicht beweisen, sondern höchstens widerlegen. Treffen die Vorhersagen nicht zu, so ist das Modell falsch; treffen die Vorhersagen (im Rahmen der Messgenauigkeit) zu, so spricht dies für die Richtigkeit des Modells, beweist sie jedoch nicht. Im Falle der Wirtschaftswissenschaften gibt es so viele unkontrollierbare (und evtl. auch unmessbare) Parameter, dass sich die Modelle nicht experimentell überprüfen lassen. Daher sind sich die Wirtschaftswissenschaftler nicht einig, sondern es gibt verschiedene Lehrmeinungen. Die Theorie geht so: Stellen die Länder A und B die Produkte P und Q her zu den Preisen p(A,P) usw., so ist es für beide am besten, wenn…

2. Freier Handel und Wohlstand 

Wie sehen die praktischen Erfahrungen mit freiem Handel aus? Erhöht er den Wohlstand aller Beteiligten? Als die Spanier Kontakt mit den Inkas aufnahmen, gab es einen Austausch. Die Spanier gaben den Inkas Glasperlen und erhielten dafür Gold. Offensichtlich war das Ergebnis für die Spanier von Vorteil, für die Inkas jedoch von Nachteil. Dies deutet darauf hin, dass Freihandel für den stärkeren Partner vorteilhaft, für den schwächeren jedoch nachteilig ist, falls die Kräfte sehr ungleich verteilt sind. Anderes Beispiel: In der Entwicklung der Menschheit kam es früh zum Austausch von Waren und Wissen zwischen verschiedenen Volksgruppen. Der Wissensaustausch folgt anderen Gesetzen als der Warentausch, denn der Wissensgeber verliert das Wissen nicht. Zwischen ähnlich hoch entwickelten Populationen ist sowohl der Wissens- wie der Warentausch für beide Seiten vorteilhaft. Der Vorteil ist dabei umso größer, je verschiedener die Produktionskosten (und Wissensgebiete) der beiden Beteiligten sind. Z. B. sind Deutschland und die USA sich in ihrem Warenangebot sehr ähnlich; beide sind technisch hochentwickelte Nationen. Dabei sind die USA Deutschland militärisch haushoch überlegen, ebenso informationstechnisch (die USA überwacht die gesamte deutsche Kommunikation, aber nicht umgekehrt). Daher ist von einer weiteren Liberalisierung des Warenaustauschs zwischen der EU und den USA kein Vorteil für Deutschland zu erwarten. Deutschland und Russland jedoch sind grundverschieden. Russlands Wirtschaft beruht auf seinen Bodenschätzen wie Erdgas. Hier hat Deutschland großen Bedarf.

3. Verantwortung übernehmen? 

Der Bundespräsident möchte, dass Deutschland mehr Verantwortung übernimmt. Leider scheint er damit Waffenexporte oder gar Angriffskriege zur „Verteidigung“ unserer Interessen zu meinen. Die deutschen Interessen jedoch verteidigen wir am besten, indem wir die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland ausbauen. Dies würde auch dem Frieden sehr dienen. Die USA wird dagegen sein, aber wenn wir ein souveräner Staat sind, sollten wir unsere eigenen Interessen vertreten. Besser noch, wir denken als Weltbürger und fragen uns, was ist für die Menschheit besser? Warentransporte sind ökologisch und ökonomisch günstiger, wenn sie über kurze Distanzen erfolgen.

Distanz Berlin-Moskau (1608 km) zu Berlin-Washington (6711 km)

Welchen Schaden hat die USA, wenn wir ein Freihandelsabkommen mit Russland abschließen? Wenn sie sich dem anschließt, so dass zwischen EU, USA und Russland Freihandel besteht, so erhöht dies nach der Theorie für alle Beteiligten den Wohlstand noch weiter als lediglich freier Handel zwischen der EU und den USA. Dies sollten wir also anstreben. Die USA hat einen Keil zwischen die EU und Russland getrieben, indem sie Regime Change in der Ukraine betrieben hat. Dies ist für alle drei von Nachteil. Wenn die USA Raketen in der Ukraine stationiert, ist das so, als ob Russland Raketen auf Kuba stationiert. Als Russland dies tatsächlich tat, hat die USA einen Atomkrieg riskiert. Glücklicherweise agiert Russland gelassener. Ein Krieg zwischen 2 der 3 Länder kann höchstens für das 3. von Vorteil sein.

4. Sanktionen, Erdöl 

Welchen Sinn haben wirtschaftliche „Sanktionen“ gegen Russland? Diese sind ein künstliches Handelshemmnis und nach der Theorie für alle Seiten von Nachteil. Sie führen (wegen der geringeren Verfügbarkeit von Erdgas) zu einer weiteren Abhängigkeit vom Erdöl und erhöhen damit den Kampf um die Kontrolle der arabischen Staaten. Die USA hat in allen arabischen Ländern die Regierungen gestürzt, wenn sie nicht kooperierten. Wie jemand sagte: Erdöl ist zu wichtig, um es den Arabern zu überlassen. Dies wiederum bewirkt gewaltsamen Widerstand auf Seiten der Muslime, die die gewaltsame Einflussnahme als Angriff auf ihre Religion verstehen. So hat der 1. Irak-Krieg zum Großen Terroranschlag vom 11. September geführt, und dieser diente als Rechtfertigung für den 2. Irak-Krieg sowie zahlreiche Überwachungsmaßnahmen. Ein Schlamassel nach dem anderen, und alles aufgrund der Abhängigkeit vom Erdöl. Nun heißt es, dank Fracking hat die USA soviel Erdgas, dass sie es bald exportieren wird. Doch dies wird genauso wenig geschehen wie der einst angekündigte über-ausgeglichene Haushalt (d. h. Schuldenabbau) der USA; wenige Jahre nach der Ankündigung war die Neuverschuldung so groß wie nie zuvor. Hat Fracking sich bewährt? (Den Klima-Wandel brauchen wir nicht zu berücksichtigen, da seine Vermeidung für politische Entscheidungen keine Priorität hat.) Löst Fracking die Probleme? Falls ja, könnte Israel ein Problem bekommen, da seine Unterstützung für die USA nicht mehr von Bedeutung wäre. Doch dies erwarte ich nicht. Die Menge der durch Fracking erreichbaren Gase ist begrenzt, ebenso die Erdölvorräte.

5. Fracking 

Fracking macht große Areale kaputt und vergiftet das Grundwasser. Atomkraft kann fossile Brennstoffe derzeit nicht ersetzen, da Autos nicht mit Uran betrieben werden können. Der Umweg über Wasserstoff ist ineffizient und aufwendig, wegen der Speicherung. Außerdem hat auch die Atomkraft gravierende (externalisierte) Umweltkosten. Die Automobilität für Alle ist in Gefahr.

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