Gewählt und zugleich nicht gewählt – Die Politiker kümmert’s nicht

In Bremen waren die BürgerInnen wieder einmal aufgerufen, die Landesregierung zu wählen. Ihre Stimme gab nach vorläufiger Schätzung ca. die Hälfte aller Wahlberechtigten ab. Das heißt, jede/r Zweite hat sich nicht zu der Politik in Bremen geäußert. Die Prozentzahlen der einzelnen Parteien müssten also halbiert werden.

Ist es nicht seltsam, dass nun die Politiker auftreten, als seien sie von der Bevölkerung legitimiert, Entscheidungen in deren Interesse zu treffen, obwohl die Hälfte der Leute sich nicht geäußert hat?

Ich habe wenig kritische Äußerungen dazu gehört, dass eine Legitimation unter diesen Umständen mehr als fraglich ist. Vielmehr wird so getan, als sei es völlig egal, wie viele Menschen sich noch an der Wahl beteiligen. Was wird sein, wenn vielleicht bald nur noch jede/r Zehnte dem Wahlaufruf folgt?

Und zu leicht macht man es sich, wenn man die Nichtwähler durchweg als arm, chancen- und hoffnungslos analysiert, degradiert. Welche, die gemeinhin als „unpolitisch“ gelten. So sicher bin ich da nicht, denn ich kenne viele Menschen, die politisch stark interessiert sind und sich gerade deshalb von den Parteien abwenden. Diese Umfrage sollten sich die Gewählten (Gescheiterten) mal vor Augen führen. Ob es da vielleicht Zusammenhänge mit den hier zusammengefassten Aussagen von Bundespolitikern geben kann?

2 Responses to Gewählt und zugleich nicht gewählt – Die Politiker kümmert’s nicht

  1. W says:

    Ich finde es besser, die Sonstigen zu wählen (z. B. die PARTEI) als gar nicht zu wählen, wenn man die herrschenden Parteien ablehnt.
    Ungültig zu wählen schadet eher, denn damit erhöht man nur die Wahlbeteiligung, ohne sonst in der Statistik aufzutauchen. Ohne die ungültigen Stimmen lag die Wahlbeteiligung tatsächlich nur bei 48.6 % (236.899/487.720, s. http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerschaftswahl_in_Bremen_2015#cite_ref-6).

  2. Kopfsalat says:

    Zweimal Dank
    @ die giftige kleine kröte und W: ich wäre nicht auf die Idee gekommen wie es sein kann, dass letztlich die Minderheit (Hinweis von W 48,6 %) in einer Demokratie an die Macht kommen kann. Bremen schon wieder Geschichte und keine Sau kapiert es. Wenn ich das richtig sehe ist die Demokratie letzten Sonntag offiziell gestorben und „wir reiten ein totes Pferd“.

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