Datum & Uhrzeit
09.07.2026
0:00
Veranstaltungsort
City 46 Kino
Birkenstr. 1
28195 Bremen
Weitere Informationen
Veranstalterinnen: City 46
Barrierefrei: ja
Kosten: EUR 12,- / 7,- / 3,-
Kino: Mit leiser Stimme
Termine:
Die Tunesierin Lilia lebt als Ingenieurin in Paris und ist glücklich in einer lesbischen Beziehung mit Alice. In ihrem Heimatland, in das sie zur Beerdigung ihres Onkels zurückkehrt, ist Homosexualität verboten. Daher muss Freundin Alice, die sie nach Sousse begleitet, in einem Hotel untergebracht und als Mitbewohnerin deklariert werden. Nach und nach bekommen sie mit, dass Onkel Daly unter ungewöhnlichen Umständen gestorben ist – er wurde nackt auf der Straße gefunden. Die Mitglieder der Familie wollen der Polizei keine Einzelheiten preisgeben und betrachten es als einen ganz normalen Todesfall. Lilia will sich damit jedoch nicht zufrieden geben und stellt selbst Nachforschungen an. Dabei lernen sie und Alice das queere Nachtleben von Sousse kennen, in dem Daly offenbar auch unterwegs war. Je mehr sich Lilia mit der erdrückenden Selbstverleugnung ihres Onkels beschäftigt und Alice sich gegen ihre aufgezwungene Rolle wehrt, desto unhaltbarer wird ihr Konstrukt. Lilia beginnt, ihr eigenes Verhalten in Frage zu stellen und ihrer Familie gegenüber Risiken einzugehen.
Bouzid interessiert sich sichtbar für die Widersprüche des modernen Tunesiens. Homosexualität wird öffentlich verurteilt, privat jedoch geduldet. Diese Grauzone wird vor allem von Frauen getragen. Dalys Leben war ein offenes Geheimnis. Seine Mutter und Schwestern wussten Bescheid und hielten dennoch das fragile Gleichgewicht des Schweigens aufrecht. Hier formuliert der Film einen zentralen Gedanken: Homophobie speist sich nicht nur aus Gesetzen oder staatlicher Gewalt, sondern auch aus familiären Strukturen, die Reputation und Zusammenhalt schützen wollen. (Mia Pflüger, www.kino-zeit.de)
Eine westliche Wertevorstellung ist dabei nicht zu leugnen, wird durch Lilias Figur jedoch authentisch getragen. In A Whisper verzichtet dennoch auf eine konkrete moralische Wertung und auf eine missionarische Haltung gegenüber dem Publikum. Stattdessen plädiert Bouzid subtil für Verständnis und Rücksichtnahme, auch wenn dies zulasten des eigenen Wohlbefindens gehen kann. (Yannick Vollweiler, www.film-rezensionen.de)
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