Datum & Uhrzeit
15.08.2025
20:00
Veranstaltungsort
City 46 Kino
Birkenstr. 1
28195 Bremen
Weitere Informationen
Veranstalterinnen: www.sissymag.de
Barrierefrei: ja
Kosten: Eintritt
queerfilmnacht: Viet und Nam
Trailer
Vietnam im Jahr 2001. Die jungen Bergleute Viet und Nam lieben sich. Zusammen schuften sie tausend Meter unter der Erde in einem Kohlebergwerk, wo Dunkelheit herrscht und Gefahren lauern. Die Kohle umschließt sie, unbarmherzig, staubig, nass. Doch hier können sie ihre Liebe leben, während sie oben in der realen Welt vorgeben Brüder zu sein. Gemeinsam helfen sie Nams Mutter, ihren Ehemann zu suchen, der im Krieg wie so viele andere verschollen ist, und durchqueren dafür das Land von Norden nach Süden. Doch eigentlich will Nam die Heimat verlassen und im Ausland ein neues Leben beginnen. Als er beschließt, die Flucht im Inneren eines Schiffscontainers zu wagen, droht die Liebe der zwei daran zu zerbrechen.
Trương Minh Quý erzählt in „Viet und Nam“ die Geschichte einer Liebe, die nicht nur von schwierigen Lebensumständen geprägt ist, sondern auch von nationalen und familiären Traumata. Der Vietnamkrieg, der 20 Jahre lang ab 1955 das Land zerriss, forderte 1,3 bis über drei Millionen Kriegsopfer. Dazu kamen die langfristigen Folgen des Agent Organe-Einsatzes der US-Amerikaner gegen die Truppen Nordvietnams, die für ein kommunistisches System kämpften.
Biografie TRƯƠNG MINH QUÝ: wurde in Buon Ma Thuot, einer kleinen Stadt im zentralen Hochland Vietnams, geboren. 2008 brach er seine Ausbildung an der Filmhochschule ab, um im Independent-Bereich Filme zu machen. Seitdem lebt er an verschiedenen Orten, neben seinem Heimatland auch in Belgien und Frankreich. Er ist Alumnus der Asian Film Academy 2012 (Busan International Film Festival) und Berlinale Talents 2016. Seine Arbeiten, die sich zwischen Dokumentarfilm und Fiktion bewegen, wurden international auf Filmfestivals und in Ausstellungen vorgeführt, beispielsweise in Locarno, New York, Clermont-Ferrand, Oberhausen, Rotterdam, Busan, München und Cannes.
Sein dritter Spielfilm „Viet und Nam“ feierte 2024 in Cannes Weltpremiere und wurde im selben Jahr beim Filmfest München mit dem CineRebels Award ausgezeichnet. (Quelle: Verleih Salzgeber)
Interview
Regisseur Trương Minh Quý über seinen Film: Ich wollte keinen Film machen, in dem es speziell um homosexuelle Beziehungen geht, wie es in vielen eher stereotypen Geschichten der Fall ist. In diesem Film ist es etwas ganz Normales. Wir stellen ihre Liebe nicht in Frage. Aber sie ist unbestreitbar ein zentraler Punkt von „Viet und Nam“. In der Realität ist es immer noch schwierig, schwul zu sein, obwohl homosexuelle Beziehungen in Vietnam durchaus akzeptiert werden. Es ist möglich, in der Öffentlichkeit einander Zuneigung zu zeigen, ohne bedroht oder angegriffen zu werden. Das Problem liegt eher darin, dass man als schwuler Mann internalisiert hat, sich zu verbergen, zu verstecken.
Viet and Nam” ist ein allegorisch flirrendes Kinopoem über die Unmöglichkeit, sein eigenes Leben in Freiheit und Selbstbestimmung zu führen. Abstrakte Begriffe wie Verlust, Identität und Geschichte werden durch Trương Minh Quýs Regie in komplexe emotionale Kinobilder verwandelt und ergeben ein Panorama kollektiver und individueller Geschichte. Doch das war zu radikal für die vietnamesische Filmbehörde, die den Film vor seiner Premiere in Cannes aufgrund seines „düsteren und negativen“ Blicks auf das Land in Vietnam verboten hat. (www.14films.de)
Viet und Nam ist ein höchst cinephiles Werk, mit einer selbstzweckhaften, zelebrierenden Lust an der Materialität seiner Aufnahmen, am Festhalten, Vergrößern und Projizieren des Unscheinbaren – und sei es ein kleiner Frosch, der sich neben einer beregneten Pfütze durch den schlammigen Boden bewegt. Das heimgesuchte Vietnam, das der Film zeigt, erscheint hier als verwunschener Ort, in dessen Wäldern sich traumwandlerische Rituale, Bergungen und Suchbewegungen abspielen. Als ein Ort, an dem die unterirdischen Sprengungen in den Schächten die Erde symbolträchtig zum Rumoren bringen – ein Beben und Dröhnen unter der unscheinbaren Oberfläche. (Janick Nolting, www.kino-zeit.de)
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