Verloren in Paris

Portrait Patrick Modiano

Patrick Modiano (c) Frankie Fouganthin, Wikipedia

Patrick Modiano:
Im Café der verlorenen Jugend
Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, in unserem Blog nur Bücher vorzustellen, die mir selbst gefallen. Aber wo nach dem Literaturnobelpreis alle Welt von Modiano geredet hat, war ich natürlich neugierig  und habe daraufhin auch einen Roman von ihm gelesen. Und sage ich ein paar Takte darüber. Zunächst kurz was zum Inhalt: Drei Männer umkreisen als Ich-Erzähler in einzelnen Kapiteln eine junge Frau, die Louki genannt wird. Focus der lose und episodenhaft erzählten Handlung ist das Pariser Lokal „Condé“. Dort trifft sich regelmäßig eine Handvoll Menschen, ohne sich jedoch wirklich nahe zu kommen. Alle verheimlichen einen Teil ihrer Biografie, ihres Berufs oder ihres politischen Hintergrunds, und was sie sagen, bleibt bruchstückhaft. Auch von Louki weiß kaum jemand Genaueres, sie umgibt ein Flair des geheimnisvollen, was die Männer gern ergründen würden. Sie selbst kommt in einem Kapitel selbst zu Wort, in dem sie ihre Jugend und Beziehungen, zum Beispiel zu ihrer Mutter, beschreibt. Alle Teile sind Rückblenden in frühere, „verlorene“ Zeiten.

Was manche an Modiano als Hommage an Paris feiern, hat mich ermüdet: endlose Straßennamen, Lokale und Personen ohne Bedeutung in der Geschichte, alles in ein blasses melancholisches Licht getaucht. Das Ende – soll ich es verraten?? Nein, das geht natürlich nicht. Aber es ist traurig und banal zugleich. Damit bleibt sich die Geschichte treu.

Vielleicht bilden andere Bücher von Modiano eher das ab, was ihm den höchsten Literturpreis eingebracht hat – mir bleibt es ein Rätsel. Gut dass das Buch nicht sehr dick ist – sonst hätte ich nicht nur über die „verlorene Jugend“ sondern vor allem über meine verlorene Lese-Zeit zu lamentieren.

Das Buch ist in deutscher Sprache  2014 bei dtv in München erschienen und hat 158 Seiten.