Schlagwort-Archive: Jugend

Kein home sweet home

bjerk_auerhausBjerg, Bov: Auerhaus

Sechs junge Leute gründen eine Land-WG und ziehen zusammen in ein altes Haus in ihrem Dorf. Klingt unspektakulär, ist aber ein Gebilde voller Abgründe. Alle haben mehr oder weniger gruselige Familienverhältnisse, wollen raus aus dem Dorfmief oder sich zumindest abgrenzen: Frieder, der versucht hat, sich umzubringen, sein Freund Höppner, der den „fiesen Freund meiner Mutter“, kurz „2F2M“ , satt hat; seine Freundin Vera, die ihn gern hat, aber nicht mit ihm schlafen will; Cäcilia aus gutem ödem Hause; Harry, der seinen Eltern nicht sagen kann, dass er schwul ist; Brandstifterin Pauline, die Frieder in der Psychiatrie kennengelernt hat. Alle wissen nur, was sie nicht wollen, aber das reicht nur knapp, um das Hier und Jetzt hinzukriegen. Sie leben also gemeinsam drauflos mit dem rührenden Charme von Jugendlichen, die ihren Sack voller Ideen und Hoffnungen zusammenkippen, die klauen, kiffen, trampen, sich grundlos am Küchentisch kaputtlachen, die allen möglichen Scheiß machen, zusammenhalten und davon träumen, dass diese Schwebe nie enden soll. Weiterlesen

Kleinfamilie on the Road

Toews_Trautmans

Buchcover

Miriam Toews: Die fliegenden Trautmans.
Hattie ist mit Anfang 20 nach Paris geflohen, weg aus einer kanadischen Kleinstadt und weg von ihrer etwas verrückten Familie. Aber dann kommt ein Anruf ihrer kleinen Nichte Thebes, dass deren Mutter wieder einmal vom psychischen Absturz bedroht ist. Thebes´Bruder Logan ist aus der Schule geflogen – kurz: nur Hattie kann versuchen, die Lage in den Griff zu kriegen. Sie fliegt nach Hause, bringt die schwer depressive Min in eine Klinik und beschließt, mit den Kindern deren Vater Cherkis zu suchen, der schon vor Jahren abgehauen ist, weil Mins Krankheit die Beziehung ruiniert hat. Thebes ist 11 und blitzgescheit, redet ununterbrochen und hat eine blühende Fantasie. Logan ist 15 und einsilbig, zieht sich wann immer möglich in seinen Kapuzenpulli zurück oder trainiert Basketball. Diese ungleiche Dreier-Combo macht sich in einem klapprigen alten Van auf den weiten Weg nach South Dakota… Weiterlesen

Erwachsen werden in Nazi-Österreich

Robert Seethaler: Der Trafikant.

trafikant1937: Die Witwe Huchel schickt ihren 17jährigen Sohn Franz aus Oberösterreich  nach Wien zu ihrem alten Freund Otto Trsnjek, der dort einen Kiosk – eine „Trafik“ betreibt. Hier lernt Franz nicht nur Zeitung lesen, sondern trifft auf interessante Kunden, wie den „Deppendoktor“ Sigmund Freud, mit dem er über die Liebe und das  Leben ins Gespräch kommt. Der Junge hat nämlich Liebeskummer, denn seine erste Liebe Anezka arbeitet im Kabarett und lässt sich nur sporadisch auf ihn ein. Schließlich geht sie mit einem Nazi davon. Die allmähliche Nazifizierung Österreichs und die Judenverfolgung führen zur Verhaftung und Ermordung von Otto, so dass Franz die Trafik weiterführt, bis er selbst in die Hände der Gestapo gerät.

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