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Landleben als grüne Hölle

Alina Herbing: Niemand ist bei den Kälbern

grüne Gummistiefel

Umschlagmotiv © Simon Belcher/Getty Images Umschlaggestaltung Büro Jorge Schmidt, München

Christin ist Anfang zwanzig und wohnt irgendwo im Niemandsland in Meck-Pomm. Sie ist zu ihrem Freund Jan gezogen, und viele Alternativen hatte sie auch nicht: keine Ausbildung, Vater Alkoholiker, Mutter abgehauen. Eigentlich will sie ja auch mit Jan zusammen sein, aber nicht mit allem, was an ihm dranhängt: ein Milchviehbetrieb in ständiger Finanznot, Jans autoritärer Vater, der nichts von ihr hält und sie herumkommandiert, dessen blasse schwangere Lebensgefährtin; der Stallgeruch, der kaputte Trecker und das ewige Melken zu nachtschlafender Zeit. Kirschlikör, kleiner Feigling und anderer Schnaps dieser Sorte sind Christins verlässliche Begleiter. Sie mogelt sich mit kleinen oder auch dicken Lügen durch den Alltag. Die Dorffeste mit den herumhängenden Jugendlichen machen die Tristesse auch nicht besser, es wird gesoffen, gekokst und ´ne schnelle Nummer geschoben, so war es bisher auch bei Christin: Niemand kommt raus, nichts ändert sich für sie, weder mit noch ohne Jan. Weiterlesen

Gutsituiertes Elend

Cover mit rot-blau-gelben Mustern

(c) Droschl Verlag

Gertraud Klemm: Aberland

Zwei Frauen in gutbürgerlichen Verhältnissen beschreiben ihr Leben: Ich-Erzählerin Elisabeth und ihre Tochter Franziska. In abwechselnden Kapiteln kommen sie zu Wort und setzen das Bild ihres Alltagslebens zusammen.

Die Mutter…

Elisabeth ist Ende 50, verheiratet mit Kurt, zwei Kinder – es könnte auf einen geruhsamen Lebensabend hinauslaufen.  Stattdessen hadert Elisabeth mit dem Altern, mit ihrer erkalteten Ehe, ihrer angespannten Beziehung zu ihrer Tochter Franziska, mit der Pflege der ungeliebten dementen Schwiegermutter, und nicht zuletzt mit ihrem verhinderten Seitensprung mit dem Maler Jakob. Kurt hat ständig Affären, Jakob und seine brotlose Kunst verlieren allmählich an Attraktivität, die Tochter geizt mit Vertrauen und dem Enkelkind. Elisabeth schaut mit Missfallen auf ihre ereignisarme, um nicht zu sagen hohle Umgebung, vor allem aber auf sich selbst und ihren erschlaffenden Körper, mit dem Gefühl, das Leben endgültig verpasst zu haben. Einzig ihre verstorbene Freundin Edith war eine Art Verheißung auf eine Lebensalternative. Die beiden träumten von einem gemeinsamen Leben ohne die lästig gewordenen Männer. Stattdessen wird sich nichts mehr verändern in ihrem Leben.

… und die Tochter

Franziska hat noch viel Leben vor sich, aber auch schon einigen Frust  hinter sich. Ihr Ehe mit Tom, die eine Beziehung auf Augenhöhe sein sollte, ist seit Manuels Geburt  immer stärker in das klassische Modell der Hausfrauenehe abgeglitten. Manuel ist über drei, da möchte Tom nun das zweite Kind und damit das Ideal der gelungenen kompletten Familie durchsetzen – ohne allerdings Franziska nennenswert zu entlasten. Sie wiederum hat das Kindertümeln ihrer Umgebung und die halbherzige Hilfe des Ehemanns satt und möchte endlich ihre Dissertation beenden, da wäre ein zweites Kind das Aus. Schon Manuel hat sie an den Rand der Belastbarkeit gebracht, und vor allem an die ihrer Ehe

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(c) Dolores David

Ein Roman ohne viel Handlung, dafür mit vielen Beobachtungen, vielen Alltagsmomenten und Schlüsselsituationen, die Müttern und Töchtern ziemlich bekannt vorkommen, schonungslos bis zur Schmerzgrenze. Ein klarer Blick auf die Gegebenheiten ist nicht unbedingt aufbauend, aber  unerlässlich für jede Entwicklung. Eine lesenswerte Lektüre.

Das Buch ist erschienen im Literaturverlag Droschl, Wien 2015, hat 184 Seiten und kostet 19,- Euro. Es war auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2015.

Gertraud Klemm, geboren 1971 in Wien, „ist eine österreichische Schriftstellerin, deren Werk die feministische Analyse der zeitgenössischen bürgerlichen Frauenrolle ins Zentrum ihrer Erzählungen rückt.“ (Sagt Wikipedia)

Wo sind die Frauen??

Frau mit Buch vor dem Gesicht

Auf der Suche nach Frauenfiguren im Buch

Wie ist die Präsenz von Frauen in Film und Fernsehen? „Der Bechdel-Test“ prüft das mit drei einfachen Fragen:

  • gibt es mindestens zwei Rollen mit Frauen, die einen Namen haben?
  • Sprechen sie mehr al einen Satz zusammen?
  • Reden sie über etwas anderes als Männer?

Als ich Janinas Text über den „Bechdel-Test“ gelesen habe, dachte ich erst mal: na das ist heutzutage ja wohl überholt. Dauernd gibt es doch zentrale Frauenfiguren in Fim und Fernsehen, die sich nicht dauernd über Männer unterhalten! Oder…? Weiterlesen