Schlagwort-Archive: Liebe

Südstaaten Blues

Carson McCullers, Die Ballade vom traurigen Café

Cover mit einer Hausfassade

(c) Diogenes Verlag

„Die Stadt selbst ist trostlos…“ so beginnt die Autorin ihre Erzählung. Eine Kleinstadt im amerikanischen Nirgendwo der 20er oder 30er Jahre. An der verlassenen Hauptstraße steht ein altes windschiefes vernageltes Haus. Es war vor langer Zeit ein Laden und ein Café und gehörte der reichen Miss Amelia, einer eindrucksvollen Frau: unabhängig und stark wie ein Mann, die ausgezeichneten Whisky brannte, handwerklich ebenso geschickt war wie beim Heilen von Krankheiten, der alles gelang – außer gut mit anderen Menschen auszukommen. Sie zog alle übern Tisch und fing wegen Nichtigkeiten Streit an. Kurz, sie war in der ganzen Stadt respektiert und gefürchtet. Weiterlesen

Schwindel im Kreisverkehr

Cover mit Zwei Auto-Lenkrädern

(c) Nagel & Kimchi

Dominique Paravel: Die Schönheit des Kreisverkehrs

Ich gebe es zu: Auf der Suche nach einer schnellen Urlaubslektüre war ich nicht wirklich wählerisch – überschaubar sollte sie sein und irgendwas eher Leichtes. So griff ich in der Bibliothek ein bisschen wahllos in das Regal „Der literarische Tipp“ und dort zu einem Titel, der mich neugierig machte. Die Schönheit des Kreisverkehrs?? So gelangte ich unversehens in eine unterhaltsame und skurrile Erzählung, auf die sicher weder ich noch kaum jemand aus meinem Umkreis gestoßen wäre. Immerhin erinnerte ich mich gleich an die Begeisterung der Franzosen für diese eher nervigen Kreisel, die alle Nase lang den Verkehrsfluss unterbrechen. Dass sie im Mittelpunkt eines Romans stehen könnten, fand ich gewagt. Sie sind es aber tatsächlich. Weiterlesen

Wörter mit Eigenleben

Arabische Muster in Lila

(c) Random House btb

Nava Ebrahimi:  Sechzehn Wörter

Sechzehn Wörter erinnern Mona immer wieder daran, dass die deutsche Sprache, in der sie ihr Leben in Deutschland gestaltet, nicht ihre Muttersprache ist. Sie überfallen die junge Deutsch-Iranerin  hinterrücks, sie ist ihnen ausgeliefert – bis sie anfängt, eins nach dem anderen zu übersetzen und sich damit ihrer Geschichte zu stellen. Und so betrachten wir zu Beginn jedes Kapitels eines dieser eleganten, verschnörkelten und auf uns so geheimnisvoll wirkenden arabischen Zeichen. Darunter eine Darstellung der Wörter in lateinischer Schrift, die jedoch auch zunächst rätselhaft bleiben und die im Laufe des Kapitels und schließlich im Laufe der ganzen Geschichte ihren Zusammenhang enthüllen. Weiterlesen

Heiratsmarkt auf kaukasisch

Zwei Frauen mit Kopftuch schauen auf Frau im Bikini am StrandGanijewa, Alissa: Eine Liebe im Kaukasus

Patja lebt in Dagestan, ist „schon“ 25 und immer noch nicht verheiratet. In der Siedlung, in der ihre Eltern leben, drängen sie alle, sich endlich einen Mann zu suchen: Freundinnen, Nachbarinnen und natürlich ihre Mutter. Nicht anders ergeht es Marat, einem jungen Anwalt in Moskau und ebenfalls aus der Siedlung stammend: Seine Mutter hat eine Liste von Kandidatinnen erstellt, die abgearbeitet werden muss – denn die Eltern haben eigenmächtig schon einen Hochzeitssaal gemietet. Bis die beiden sich über den Weg laufen, wird noch einige Zeit in der Geschichte vergehen. Weiterlesen

Dem Leben ins Herz geguckt

Buchcover in Grautönen

(c) Luchterhand Verlag

Terézia Mora, Die Liebe unter Aliens
Als Terézia Mora in diesem Winter den Bremer Literaturpreis bekam und ich ihre Dankesrede hörte, war ich hingerissen. Statt dieser doch oft etwas abgenutzten artigen Worte las sie – eine Geschichte vor! In der ging es unter anderem um das nicht gerade einfache Leben einer Frau zwischen Schriftstellerin mit klammen Mitteln und gestresster Mutter einer Halbwüchsigen. Das Unverblümte, Ungeglättete und Ehrliche daran gefiel mir auf Anhieb. Wie sie zum Beispiel klarmachte, dass ein solcher Preis auch wegen des Preisgeldes etwas sehr Erstrebenswertes ist.

Also klar: von der wollte ich mehr lesen. Als erstes nahm ich mir „Das Ungeheuer“ vor, der Roman, mit dem Mora 2013 den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Zugegeben: mit diesem Roman kam ich erst mal überhaupt nicht zurecht und brachte ihn nach den ersten 50 Seiten Ratlosigkeit zurück in die Bibliothek. Dann also der von der Bremer Jury erwählte Band „Die Liebe unter Aliens“. Weiterlesen

Liebe auf brüchigem Eis

Buchcover mit Paar und Wellen

(c) Verlag Kiepenheuer & Witsch

Dorit Rabinyan: Wir sehen uns am Meer

Liat stammt aus Tel Aviv, Chilmi aus Ramallah – aber sie wären sich dort, obwohl so nahe beieinander, nicht begegnet. Sie mussten um die halbe Welt, um sich zu treffen. In New York lernen sie sich kennen und verlieben sich Hals über Kopf, fliegen sozusagen auf- und ineinander. Er ist Maler, sie Übersetzerin, beide Mitte/Ende zwanzig. Mitten im eiskalten New Yorker Winter tauchen sie in ihre Liebe ein und sind einander für Wochen genug. Eine intensive Liebesgeschichte, die aber entscheidende Fallstricke aufweist. Eine Israelin und ein Palästinenser, das ist nur möglich um den Preis, den festgefahrenen politischen Hintergrund zwischen Israel und Palästina auszuklammern. Weiterlesen