Bin ich hier noch sicher?

Angst. Laut Duden ist Angst ein „undeutliches Gefühl des Bedrohtseins“. Wann tritt dieses Gefühl bei Frauen auf?

Ich definiere mich als eine selbstbewusste und starke Frau, ich lasse es mir nicht gefallen, auf plumpste Art und Weise „angemacht“ zu werden oder herabwürdigend behandelt zu werden, nur weil ich eine Frau bin. Wenn ich diese Personen nicht zurechtweise, wer dann.

Und dennoch gibt es Situationen in denen ich zurückstecke und mir meinen Teil denke, weil ich Angst habe, mit weit mehr konfrontiert zu werden als nur verbalem Nonsens. Es sind Situationen, in denen ich die Absichten meines Gegenübers nicht einschätzen kann.

Seit meinem 18. Lebensjahr jobbe ich nachts, ob die erste Zeit an einer Tankstelle in einem Hamburger Vorort oder nun in einem Club. Am frühen Morgen alleine nach Hause zu fahren, gehört also zu meinem Alltag. Dass um diese Uhrzeit noch angetrunkene Personen unterwegs sind, ist mehr als wahrscheinlich. Und genau dann beschleicht mich oft dieses undeutliche Gefühl. Ob auf den Bus wartend oder alleine in diesem mit einem männlichen Fahrgast, der dann ausgerechnet an der gleichen Haltestelle raus muss. Auf einmal sind Männer nicht nur Passanten, sondern mögliche Aggressoren. Und zur selben Zeit spiele ich in meinem Kopf unterschiedlichste Szenarien ab. Irgendwie traurig, sich plötzlich auf das Schlimmste vorzubereiten.

Schon von klein auf wurde mir eingetrichtert, Fremden nicht zu vertrauen, nicht alleine unterwegs zu sein und bei Dunkelheit am besten zu Hause zu bleiben. Solange ich denken kann, weiß ich, dass Frauen und Mädchen zur Zielscheibe (sexueller) Gewalt werden können und dass wir es angeblich verhindern können, wenn wir uns richtig verhalten.

Stimmt nicht. Wenn es passiert, dann passiert es. Eine Frau kann noch so gut vorbereitet sein, im Moment des Überfalls ist die Frage, ob sie das Gelernte tatsächlich auch abrufen kann und ob es wirklich etwas bringt. Selbst, wenn ein Übergriff verhindert werden kann, so bleibt es in unserem Bewusstsein. Und im Endeffekt beherrscht dieses Erlebnis unser Verhalten im öffentlichen Raum.

Solange in unserer Gesellschaft frauenfeindliche Äußerungen toleriert werden und Kinder mit Floskeln wie „ach das machen Jungs halt“ oder „wenn eine Frau nein sagt, meint sie eigentlich ja“ aufwachsen, wird sich an den Übergriffen nichts ändern. Die Situation wird sich sogar verschlechtern, weil sich die sogenannte „rape culture“ (Vergewaltigungskultur) durch unterschiedlichste Medien verbreitet, ohne oder kaum hinterfragt zu werden.

Kinder und Erwachsene müssen über die Risiken unserer derzeitigen Popkultur aufgeklärt werden, damit sie den negativen Entwicklungen entgegenwirken können. Ohne eine direkte Thematisierung der ansteigenden Gewaltverbrechen an Frauen und der Gründe dafür befürchte ich, dass Frauen sich damit arrangieren müssen mit dieser Angst zu leben.

Ein Gedanke, der mir Bauchschmerzen bereitet.

 Anastasia Garies

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