Die Spielerin: Vera Büssing

Portrait einer lächelnden Frau

Vera Büssing (c)Felix Müller

Die meisten verbinden Tischfußball wohl mit Kneipenlicht und Bier. Wenn es überhaupt Regeln gibt, dann nur eine: Nicht kurbeln! Naja, das gilt eben nur für die meisten. Denn Vera Büssing spielt in der deutschen Tischfußball Bundesliga und das hat so gar nichts mit verrauchter Eckkneipe zu tun.

Nach 500 Schüssen

Angefangen hat es bei Vera Büssing allerdings auch in der Kneipe. Mit 15 oder 16 Jahren. Genau weiß sie es nicht mehr. Sie erinnert sich aber noch gut daran, warum sie mit dem Kickern angefangen hat. „Die Jungs standen den ganzen Abend am Kicker und wenn man damit nichts anfangen konnte, war’s eben langweilig.“ Also entscheidet Vera Büssing sich, einfach mal mitzuspielen. Als sie dann mit 20 Jahren aus ihrer Heimatstadt Vechta nach Bremen zieht, landet sie durch Zufall in einer WG, in der ein Kicker im Keller steht. Sie trifft auf andere Kicker-Begeisterte und spielt Kneipen-Turniere in der Wilden Liga Bremen. Irgendwann bietet der Barkeeper ihrer Lieblingskickerkneipe Bermuda an, ihr zu zeigen, wie man richtig gut wird. Er selbst kickert professionell. Ab diesem Moment wird die ganze Sache ernst, erzählt Vera Büssing. „Manche Schüsse musste ich ungefähr 500 Mal üben, immer wieder, bis sie gut waren.“, erzählt sie. Doch es zahlt sich aus, nach nur einem halben Jahr Training, fängt sie an, mit der Mannschaft Roter Stern Bremen in der Bundesliga bei den Damen zu spielen. Aktuell steht sie auf der deutschen Rangliste der Damen bei rund 200 Teilnehmerinnen auf Platz 30.

Kick it like Vera

Vera Büssing steht am Kicker-Tisch und ändert den Punktestand

(c) Felix Müller

Ihr Geld verdient Vera Büssing in der Gastronomie. Mittlerweile leitet sie unter anderem das Bermuda in Bremen. Sie nennt es ihr „echtes Leben“ und lacht. Doch wenn man ihr zuhört, wie sie vom kickern spricht kommt einem das noch viel echter vor. Sie will hoch hinaus. Nach vorne. Am Anfang werde Mädchen oft gesagt: „Geh erst mal nach hinten, das ist leichter. Aber ich war immer Stürmerin, ich wollte immer nach vorne.“, erzählt Vera Büssing. Es würde ihr auch nicht reichen, sagt sie, die Beste der Damen-Rangliste zu sein, denn da wären ja immer noch die Männer. Denn eins kommt immer wieder zur Sprache, dass die Männer zurzeit einfach die Besseren seien.

Doch wie das in Männerdomänen halt so ist: der Anteil von Frauen, die professionell kickern, ist ziemlich klein. Es fehlt schlicht an Mädchen und Frauen, die für einen ausgeglichenen Wettbewerb sorgen. Vera Büssing erzählt: „In Bremen spielen vielleicht gerade mal zehn Frauen im offiziellen Ligabetrieb.“ Deshalb freue sie sich auch immer, wenn sie Mädchen und Frauen am Tisch sieht, die Spaß an der Sache haben. Dann versucht sie, diese ins Boot zu holen. Anders habe es bei ihr ja auch nicht angefangen. Mit Spaß. Und ein bisschen Talent von Anfang an, fügt sie noch hinzu.

„Wie ein sehr, sehr schnelles Schachspiel“

Portrait von Vera Büssing, auf dem sie Tischfußball spielt

(c) Felix Müller

Seit einem halben Jahr trainiert Vera Büssing härter als je zuvor. Sie ist auch besser als je zu vor, sagt sie. Ihr Ziel: sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Dafür muss sie nicht nur körperlich trainieren, sondern vor allem mental fit sein. Vera Büssing selbst bezeichnet den Tischfußball als „Psycho-Sport“. Es wird provoziert, gelockt und getäuscht. Schwächen erkannt und genutzt. Schüsse und Tricks, die sich immer wieder auf verschiedene Situationen anwenden lassen, werden perfektioniert. „Kickern wird oft mit einem sehr, sehr schnellen Schachspiel verglichen“, sagt sie. Die Spieler*innen sind während der Turniere hochkonzentriert. Nicht grundlos, ist es ein Regelverstoß, bei professionellen Turnieren zu sprechen, während der Ball im Spiel ist.

Für Vera Büssing geht es beim Tischfußball auch viel um Kontrolle. Sie übe tagtäglich in ihrem Job Kontrolle aus, sagt sie, und auch beim Tischfußball, gehe es nicht ohne. Deswegen, erzählt sie weiter, mag sie wahrscheinlich auch Einzelkämpfe am Tisch. Doch was Vera Büssing noch viel schöner findet, ist die Kontrolle ein Stück weit abgeben zu können. Mit Spielpartner*innen, denen sie vertraut, kann sie das. Und das fühle sich dann wie Urlaub an.

Katja Hoffmann

 

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