Frauen im Film: Der Bechdel-Test

Frauen in Hollywood stehen selten im Vordergrund. Große Filmreihen werden von Männern getragen, die Frau ist dabei oft nur Nebenrolle. Gerade im Bezug auf Gender-Fragen und Gender-Darstellung gibt es ein besonderes Mittel zur Bewertung der Rolle der Frau im Film: Den Bechdel-Test.

Bechdel-Test, alter, roter fernseher

© privat, Bartmann

Was ist der Bechdel-Test?

Die Cartoon-Autorin Alison Bechdel wird als Gründerin des berühmten Testes gesehen, auch wenn sie ihn so nie formuliert hat. In ihrer Comic-Serie „Dykes to watch out for“ tauchten 1985 diese drei Fragen das erste Mal auf, als sich ein Charakter über die Behandlung von Frauen in Filmen aufregt. Frauen seien nur Objekte, unbenannt und immer nur im Bezug auf Männer wichtig. Und das war die Geburt des Bechdel-Testes. Alison Bechdel gibt als Inspirationen ihre Freundin Liz Wallace sowie Virginia Woolf an, das Konzept ist also nicht ganz neu. Anwendbar ist es aber bis heute.

Wie funktioniert es?

Jeder Film kann diesem Test unterzogen werden. Die Regeln für den Bechdel-Test sind einfach:

  1. Sind zwei oder mehr Frauen in diesem Film, die namentlich erwähnt werden?
  2. Sprechen diese zwei Frauen miteinander?
  3. Beinhalten diese Gespräche andere Themen als Männer?

So einfach, so gut. Diese Regeln scheinen sich weder besonders aus feministische Themen zu beziehen, noch eine spezifische Anforderung an Genre, Thema oder Machart des Film zu stellen. Sicherlich kann jeder beliebige Film diesen Test bestehen, oder? Nur ein kleines nicht männerbezogenenes Gespräch zwischen zwei benannten weiblichen Charakteren würde reichen. Das findet sich doch in jedem Film, oder? Leider nein! Von großen Hollywood-Produktionen bis hin zu kleinen nationalen Filmen, viele Filme scheitern an dem Test. Meistens scheitert es schon an der ersten oder zweiten Kategorie. Sprechende und benannte Rollen in Filmen sind in nur weniger als einem Drittel der Filme der letzten Jahrzehnte Frauen. Frauen sind in Hollywood oft nur in Nebenrollen gecastet und dann auch noch oft als rein sexuelles Gegenstück zum Mann. Und dieser Test fragt noch nicht einmal nach LGBTQI-Charakteren oder people of colour, diese sind nämlich noch deutlich weniger repräsentiert.

Bild, auf dem eine Frau zu sehen ist, die die Ärmel hochkrempelt und "We can do it!" sagt.

(c); Patricia Hanschke

Wer besteht den Test?

Traurigerweise gibt es wenige große Filmreihen, die den Test bestehen. Gezielt auf Männer zugeschnittene Formate wie die Bourne-Filme oder die James Bond-Serie sind keine große Überraschung bei den „Verlierern“. Aber sogar nicht gender-gezielte Filme wie die Herr Der Ringe-Trilogie erfüllen nicht alle Voraussetzungen. Und sogar Kinderfilme wie „Toy Story“ oder „Oben“ erfüllen nicht alle Kriterien. Unser Favorit unter den Siegern des Testes? „Alien“, mit der charismatischen Sigourney Weaver als intelligente, starke Protagonistin.

Ein bestandener Test heißt nicht, dass die weiblichen Charaktere ebenso wichtig sind wie die männlichen. Ihre Charaktere und Handlungsverläufe können dennoch immer noch unterentwickelt sein. Filme wie „American Pie 2“, „Transformers“ oder „Magic Mike“ bestehen den Test und sind definitiv keine Beispiele für gute Geschlechterbeispiele. Ebenso kann ein Film den Bechdel-Test auch nicht bestehen und dennoch ein Beispiel für Geschlechtergerechtigkeit sein. „Gravity“ beispielsweise besteht den Bechdel-Test nur deswegen nicht, weil es in dem Film nur drei Charaktere gibt und davon ist nur einer weiblich – es kann also kein Gespräch zwischen Frauen stattfinden. Und dennoch finden wir einen starken weiblichen Hauptcharakter. Man könnte die gleichen Fragen auf Männer anwenden und würde ähnliche limitierte Geschlechterrollen finden. Der Test ist keine einfache Lösung zur Darstellung von Geschlechtern in Filmen und Serien. Aber er dient als erster Indikator.

Kim Hofschröer

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