Provokant, geil, fotzig – das ist Ikkimel. Mit ihrem Hit Keta und Krawall geht die gebürtige Berlinerin 2023 durch die Decke und sorgt mit 3,6 Millionen Aufrufen auf YouTube für Aufsehen. Zwei Jahre nach ihrem ersten Hit ist sie aus der Musik- und Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken. Ihre TikTok-Videos gehen viral und erreichen dabei Tausende von Menschen.

„Keiner fragt mehr Who´s that. Berliner Schlampe ich bin too bad“ („WHO´S THAT“, Ikkimel)
Was macht Ikkimel und ihre Musik so besonders?
Ikkimel, geboren als Melina Gaby Strauß, ist für ihre provokante Art bekannt. In ihren Songs schreibt sie über Sex, Drogen, Feminismus und Männer. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund und spricht Themen an, über die meist geschwiegen wird. Genau dafür wird sie von ihren Fans gefeiert.
Hörer*innen zeigen sich auf Social Media gegenüber ihren Texten und ihrem freizügigen Auftreten schockiert. User*innen bezeichnen sie in den Kommentaren als „Schlampe“ und das obwohl sie sich in ihren Texten eigentlich so präsentiert, wie es männliche Rapper seit Jahren tun. Denn Sexismus im Rap ist keine Seltenheit.
Viele männliche Rapper beschreiben Frauen in ihren Texten als Schlampen, nutzen Vorurteile und objektifizieren sie. Auch Ikkimel singt über Sex und ergötzt sich an ihrem provozierenden Auftreten, indem sie Männer in ihren Songs dominiert. Sie spielt Männern mit ihrem Verhalten das vor, was sie in ihren Raptexten von Frauen verlangen. Trotzdem fühlen sich weiterhin viele, besonders Männer, von ihrem Verhalten angegriffen. Mit ihrem aktuellsten Album „FOTZE“ macht sie sich den Begriff zu eigen und dreht das Blatt um. Das Wort Fotze, welches meist negativ konnotiert ist, wird besonders gegenüber Frauen als Schimpfwort genutzt. Dadurch wird die Sexualität einer Frau als Abwertung gegen sie verwendet und bekommt eine neue Bedeutung. Bei Ikkimel hingegen steht Fotze für Stärke und Unabhängigkeit.
Von ihren Fans wird sie als „Mother Ikkimel“ bezeichnet und junge Leute sehen zu ihr auf. Viele verstehen Ikkimel jedoch nicht oder sind mit ihrer offenen und extravaganten Haltung nicht einverstanden. Doch Ikkimel macht weiter und kämpft für ihren jetzt schon bestehenden Platz in der Musikbranche. Auch wenn ihr Hasskommentare wie diese auf TikTok entgegengebracht werden:
„Wenigstens eine Sache, welche trotz der Inflation, billig bleibt.“
„sexy und Ikkimel in einem Video passt nicht“
„Du Hure“
„Möge Gott dir verzeihen“
Ikkimel hat´s geschafft
Ihre Shows sind ausverkauft, auf fast jedem Festival (Hurricane, Superbloom und Highfield Festival) ist sie dabei und jetzt ist sie das neue Gesicht von Mac Cosmetics. Wenn wir über Ikkimel sprechen, dann ist klar: Ikkimel hat es geschafft, sich in der deutschen Musikszene einen Platz zu sichern.
Bei Ikkimel geht es nicht nur um Musik. Ikkimel versteckt sich nicht, sie ist laut in allem, was sie tut und schreckt vor nichts zurück, egal wie viel Kritik sie dafür möglicherweise erntet.

Sexismus im Rap
Besonders in dem sonst sehr männlich geprägten Genre wird klar: was Mann darf, darf Frau noch lange nicht. Der Ursprung des Raps ist männlich dominiert, die Frau fungiert in den Texten in ihrer Rolle der Trophäe und des Sexobjekts. Erst in den letzten Jahren haben sich Frauen durch Rapperinnen wie Lady Bitch Ray, SXTN und Nicki Minaj ihren Platz in der Rap-Szene erkämpft.
Für viele weiblich gelesene Personen und queere Menschen ist Ikkimel ein Vorbild. Sie spielt mit Klischees, kritisiert toxische Männlichkeit und feiert das Frau-Sein. Sie veranschaulicht damit die Doppelmoral vieler Hörer*innen, die weiterhin andere Anforderungen an weibliche Rapperinnen haben als an männliche. Beispielsweise wurde die Rap-Gruppe SXTN mit Juju und Nura für ihren Song „Hass Frau“ gehated. Obwohl es sich bei der Zusammensetzung des Songs um eine Aneinanderreihung der in Rap-Texten von beispielsweise Bushido und Kollegah verwendeten Misogynie handelt. „Hass Frau“ ist dementsprechend eine feministische Gegenreaktion auf sexistische Strukturen.
Lady Bitch Ray
Lady Bitch Ray spricht in dem Podcast „Zwischen den Zeilen“ mit Bettina Böttinger über die Veränderung in der Rolle von Frauen im Rap. Sie zeigt sich erfreut, dass besonders auf medialer Ebene, Frauen wie Ikkimel, stärker unterstützt werden. Die Rapperin veröffentlichte 2007 ihr erstes Album „Vorhang auf!“ und war laut eigener Aussage Shitstorms und Morddrohungen ausgesetzt. Besonders ihre türkische Herkunft nutzten viele als Angriffsfläche. Denn für ihre Hater*innen war es unvorstellbar, wie sie als Türkin und Akademikerin „Sexrap“ produzieren könne. Ebenfalls macht Lady Bitch Ray in dem Podcast darauf aufmerksam, dass Rapperinnen in der Musikbranche weitestgehend von Männern gecastet und produziert werden. So sagt sie in dem Podcast: „Also Männer entscheiden, ob Frauen und wann Frauen rappen dürfen und berühmt werden. Das entscheiden immer noch Männer.“ Durch ihre Erfahrungen wird deutlich, dass es in den letzten Jahren einen zu verzeichnenden Wandel gab. Jedoch gibt es im Rap weiterhin keine Gleichberechtigung und Rapperinnen haben auch heutzutage mit vielen Vorurteilen und Kritiker*innen zu kämpfen.
Genau darum sind Musikerinnen wie Ikkimel und Lady Bitch Ray so wichtig. Sie machen auf sich und Missstände in der Musikbranche aufmerksam. Ihnen geht es dabei um Empowerment und das Beenden der andauernden Unterdrückung der Frau. Vielleicht ist nicht jede*r begeistert von ihrer Musik. Trotzdem wird deutlich, dass man Ikkimel nicht so schnell aus dem Kopf bekommt.
Was macht ein Mann im Käfig?
Mit Minirock, Bikinioberteil und Leopardenmuster steht die Rapperin selbstbewusst auf der Bühne. Vor ihr: ein Käfig. In dem Käfig sitzt ein Mann mit Hundemaske. Der Mann ist einer ihrer Zuschauer, der sich von Ikkimel an der Leine über die Bühne führen lässt. Die Menge jubelt und die Stimmung ist am Höhepunkt. Ihre Fans lieben Ikkimel für ihre Art und ihre Musik und das obwohl sie eigentlich etwas ganz anderes machen wollte.
Ikkimel hat deutsche Philologie sowie Sozial- und Kulturanthropologie mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaften an der Freien Universität Berlin studiert. Nach ihrem Studium hat sie im Labor gearbeitet und sich mit Sprachprozessen im Gehirn auseinander gesetzt, um Menschen, die beispielsweise einen Schlaganfall hatten, spezielle Sprachtherapien bieten zu können.
„Hätt’s mit Mucke nicht geklappt, dann wär´ ich heute dein Dozent.“ („AMENA“, Ikkimel und Barré)
Da können wir als Fans von Glück sprechen, dass es mit der Mucke geklappt hat. Denn eins ist klar: Von Ikkimel können wir nicht genug bekommen.
Lana Corzelius



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