Kennst du schon … den Verein Spitzenfrauen Gesundheit e.V.?

(c) Melissa Eiseler

Die Spitzenfrauen Gesundheit e.V. sind ein im Juni 2020 gegründeter Verein, der sich für Frauen im Gesundheitswesen einsetzt. Als politische und individuelle Plattform wollen sie mehr Frauen in die Chefetagen des Gesundheitswesens bringen. Ihr Wunsch ist es, dass Frauen stärker Einfluss auf Entscheidungen über Strukturen, Versorgung und Arbeitsbedingungen nehmen können – zu Gunsten der gesamten Gesellschaft.

Wie es zur Vereinsgründung kam

Der Verein besteht aus Frauen aus der Gesundheitspolitik und dem Gesundheitswesen. Die geschäftsführenden Co-Vorständinnen sind Antje Kapinsky und Cornelia Wanke. Sie entwickeln unter anderem zusammen mit den Mit-Initiatorinnen Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Ulrike Hauffe, Dr. Christiane Groß und Dr. Christina Tophoven die „Spitzenfrauen Gesundheit“ weiter, die 2018 aus einer spontanen Initiative hervorgegangen sind. Die Initiative entstand aus der erschreckenden Erkenntnis – nach einer Kleinen Anfrage im Bundestag, die die Zahlen lieferte: In den einschlägigen Vorstands-Gremien waren überhaupt keine Frauen vertreten, weshalb die rein männliche Perspektive herrschte und Wissen von Expertinnen aus dem Gesundheitsbereich zum Wohle der Patientinnen nicht vertreten wurde.

Zusammengebracht wurden die Vereinsmitglieder durch die gemeinsamen, erklärten Ziele: Mehr „Spitzenfrauen“ im Gesundheitswesen, sowie die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung aus einer geschlechtergerechten Perspektive. Dafür tragen die Initiatorinnen ihre Expertise über das Gesundheitswesen und langjährige Erfahrung in der Gesundheitspolitik zusammen. Die Forderung nach mehr Frauen an der Spitze wird vor allem deswegen laut, da der Gesundheitssektor ein von Frauen dominiertes Arbeitsgebiet darstellt. Häufig arbeiten mehr Frauen als Männer in der Patient*innenversorgung und Pflege, sowie Medizin, Wissenschaft und Gesundheitsadministration. In den Spitzenpositionen dieser Bereiche sind Frauen jedoch eben selten oder überhaupt nicht zu finden.

Als ein Beispiel in Zahlen schreiben die „Spitzenfrauen Gesundheit“ auf ihrer Website etwa:

Die 20 größten Krankenkassen in Deutschland versichern 62 Mio. Menschen. Mehr als die Hälfte davon sind Frauen. Die Beschäftigten der Krankenkassen sind zu rund zwei Dritteln Frauen. In den Vorständen dieser Krankenkassen sind jedoch insgesamt nur 4 Frauen.

Forderungen

Deswegen fordern die „Spitzenfrauen Gesundheit“ verbindliche Vorgaben für mehr Frauen in Führungspositionen – sei es in Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenhäusern oder Medizinischen Fakultäten. Ein geregelter Frauenanteil an Führungspositionen und mehr Transparenz bei Besetzungsverfahren sollen ebenso wie eine Equal-Pay-Verpflichtung und ein Mindestanteil an Teilzeit-Führungspositionen zu mehr Frauen an der Spitze verhelfen.

Zur Gründung des Vereins schrieb Dr. Kirsten Kappert-Gonther, die für Bremens Bündnis 90/ Die Grünen im Bundestag sitzt, auf facebook:

Die gläserne Decke im Gesundheitssystem ist so dick, wie in DAX Konzernen. Das schadet der Gesundheitsversorgung. Der Gender-Data-Gap ist riesig, das ist nicht nur ungerecht, sondern auch unklug.

Warum diese Forderungen nötig sind

So geht bei den Forderungen des Vereins das Ziel einer besseren gesundheitlichen Versorgung im Hinblick auf den sogenannten Gender-Data Gap mit einher. Laut eigener Information seien die Erkenntnis der Gendermedizin im (deutschen) Gesundheitswesen bislang wenig beachtet, was insbesondere für Frauen hohe gesundheitliche Risiken birgt. Der Gender-Data Gap bedeutet beispielsweise, dass Medikamente vor allem an Männern getestet werden oder die spezifischen Symptome des weiblichen Herzinfarkts kaum bekannt sind – was für Frauen oft tödlich ist. Dies lässt sich wiederum zu großen Teilen durch die mangelnde Partizipation von Frauen an Entscheidungsprozessen (in der Medizin) erklären.

Deswegen sollen effektivere Strukturen geschaffen werden, um Frauen mehr Möglichkeiten im Gesundheitssektor zu eröffnen. Aktuell würden die Rahmenbedingungen wie Versorgungsstrukturen und Arbeitsbedingungen vor allem von Männern definiert werden. Neben diesen strukturell für Frauen ungünstigen Bedingungen trage auch das Fehlen weiblicher Vorbilder zur demografischen Herausforderung bei, gegen das die „Spitzenfrauen Gesundheit“ angehen wollen. Denn dies alles habe mit zur Folge, dass viele gut ausgebildete Frauen ihr Potential nicht voll entfalten können oder sich abwenden würden.

Um das große strukturelle Problem der ungleichen Voraussetzungen für Frauen und Männer anzugehen, will der Verein auch diejenigen motivieren, die sich womöglich noch nicht trauen nach Spitzenpositionen zu streben. Neben dem Austausch mit Frauen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wollen sie daher ebenfalls Frauen in der Gesundheitsbranche bei der Persönlichkeitsentwicklung und durch Mentoring unterstützen.

Auf diese Weise bringen die Spitzenfrauen Gesundheit e.V. ein Stück mehr Hoffnung auf eine geschlechtergerechte gesundheitliche Versorgung und bessere Arbeitsbedingungen für Frauen im Gesundheitssektor.

 

Charlotte Heidebrecht

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