Im Vorlauf des Weltfrauentages am 8.3.2026 wird es spannend: Wir wünschen euch viel Spaß bei den verschiedensten Events – zum Informieren, Netzwerken, Genießen oder Engagieren. Aber erstmal die genderpolitischen Nachrichten!
Sieg für Frauen
Laut Ankündigung des Europarats vom 26.2.2026 erhalten EU-Staaten künftig Zugang zu Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds, um Bürgerinnen aus EU-Ländern mit Abtreibungsverbot medizinische Hilfe in anderen EU-Staaten zu ermöglichen, wo dies erlaubt ist. Aktivistinnen von My Voice, My Choice haben im Vorfeld eine lange Kampagne geführt mit der Forderung, dass alle Frauen der 27 EU-Mitgliedsstaaten gleichermaßen Zugang zu straffreien, sicheren Abtreibungen haben sollten. Mehr als 1,2 Millionen Unterschriften kamen zusammen und die Kampagne wurde von der Mehrheit der Europaabgeordneten unterstützt. FEDERA – Foundation for Women and Family Planning, Poland und My Voice, My Choice bitten derweil um Unterschriften für eine schwerkranke Schwangere aus Georgien, die in einem polnischen Krankhaus liegt.
Global Gag Rule verschärft
Am Donnerstag letzter Woche ist eine verschärfte Form der „Globalen Knebelregel“ inkraft getreten, die es verbietet, dass US-Finanzmittel an Organisationen im Ausland gehen, die über Abtreibung informieren oder sie vornehmen. Zusätzlich hat die Trump-Regierung verfügt, dass auch Organisationen, die „Gender-Ideologie“ und „diskriminierende Gleichstellungsideologie“ betreiben, sich für Rechte von queeren Menschen oder für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion in ihren Organisationen einsetzten, nicht mehr gefördert werden dürfen. Es betrifft Fördermittel in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar.
Equal Pay und Equal Care
Equal Pay Day war am 27.2.2026. Hier ein Interview mit Wirtschaftswissenschaftlerin Henrike von Platen. Als Gründerin und Geschäftsführerin des Fair Pay Innovation Lab berät sie Unternehmen, die beim Entgelt neue Wege gehen wollen. Am 1.3.2026 war Equal Care Day. Was die beiden Kampagnen miteinander zu tun haben liegt in der Gründungszeit, anfangs der 1970er Jahre, der Initiative Lohn für Hausarbeit: Klar war, dass das Kapitalistische System nach wie vor von der kostengünstigen „Reproduktion der Arbeitskraft“ profitierte und, dass dies hauptsächlich kostenlos von Frauen geleistet wurde. Doch wer sollte die Care- und Reproduktionsarbeit bezahlen? Und wie sollte sie aufgeteilt werden? Das ist immer noch nicht geklärt; aber Magdalena Sporkmann hat sich an die Arbeit gemacht, eine detaillierte und interessante Analyse des Sachverhalts darzulegen.
Liebe in Zeiten des Krieges
Wie Paare in der Ukraine, bei denen der Mann an der Front kämpft, ihre Beziehung aus der Ferne leben und welche Herausforderungen sie zu meistern haben, dazu Näheres hier und hier.
Neue Strafen für Frauen in Afghanistan
Ein neues Dekret der Taliban definiert die Strafen für Vergehen neu. UN Women zeigt sich zutiefst besorgt über die Auswirkungen des Dekrets auf Frauen. Laut dem Dekret müssen Frauen Misshandlungen voll verschleiert selbst beweisen – und das in Anwesenheit eines männlichen Begleiters, der möglicherweise auch der Täter ist. Zudem kritisiert die UN-Organisation, dass Frauen und deren Angehörige zu Gefängnisstrafen verurteilt werden können, wenn sie zu oft ohne Einverständnis ihrer Ehemänner Familienmitglieder besuchen. In Afghanistan gelten Familien von Frauen häufig als ein letzter Schutzraum vor häuslicher Gewalt.
Pride in Ungarn: Der Nachspiel
Im Juni 2025 demonstrierten in Budapest auf der von Orban verbotenen Pride-Parade 70 Europa-Abgeordnete und mehrere 10.000 weitere Unterstützer*innen. Aber auch in der Stadt Pécs fand eine Pride 2025 statt, trotz des von den Behörden im Rahmen des ungarischen Anti-Pride-Gesetzes erlassenen Verbots. Der Organisator, Géza Buzás-Hábel, steht jetzt deswegen vor Gericht. Seit vielen Jahren organisiert er die Pécs Pride – die einzige Pride-Veranstaltung des Landes außerhalb von Budapest. Jetzt bittet Amnesty International darum, sich mit Unterschriften, Briefen oder Emails bei den ungarischen Generalstaatsanwalt für ihn einzusetzen.
Die Dritte
Mit einem Trauerstaatsakt im Bundestag ist die verstorbene Politikerin Rita Süssmuth gewürdigt worden. Sie ist erst die dritte Frau, der diese Ehre seit Bestehen der Bundesrepublik zuteil wird. Näheres hier.
Gisèle Pelicot zu Gast in Hamburg
Nach Erscheinen der deutschen Ausgabe ihrer Memoiren, Eine Hymne an das Leben am 17.2.2026 geht Gisèle Pelicot nun auch in Deutschland auf Lesereise. In Hamburg trug Schauspielerin Maria Furtwängler Passagen auf Deutsch vor, Sandra Kegel, Feuilletonchefin der FAZ moderierte und Valérie Catil beschreibt den Abend.
Bremen News
In eigener Sache: frauenseiten.bremen beteiligt sich im Frauenmonat März mit eigenen Aktionen zum Weltfrauentag. Am 2.3.2026 um 19:30 sind wir im Schlachthof beim Speeddating – Aktiv gegen Rechts dabei: Passend zum feministischen Kampftag liegt der Fokus auf (queer-)feministischen Gruppen, die noch Mitstreiter*innen suchen.
Am 4.3.2026 um 19:00 machen wir ein Feministisches Würfelturnier für FLINTA* im Horner Eck, zum Netzwerken, Spielen und Genießen. Und am 8.3.2026 ab 11:00 sind wir zusammen mit Künstlerinnen in der Weserburg bei Drop in & Cut out, um Banner, Plakate und T-Shirts für die Demo um 14:00 am Weserstadion zu bedrucken. All das besprechen wir in der neuesten Ausgabe von Von Boom bis Zett!
Equal Pay Day war am 27.2.2026: Der Gender Pay Gap, die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen, betrug laut Statistischem Landesamt im vergangenen Jahr im Land Bremen 14 Prozent (im Vorjahr: 17 Prozent), bundesweit liegt die Lohnlücke bei 16 Prozent. Derzeit wird in Bremen die Beschäftigungsförderung, also öffentlich finanzierte Maßnahmen für Qualifizierung und Berufseinstieg, neu aufgestellt. „Frauen als Zielgruppe in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen haben es unter Mitwirkung der Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) in die Arbeitsmarktstrategie geschafft. Nun müssen sie in den Förderangeboten trotz knapper werdender Mittel ausreichend berücksichtigt werden,“ meinte die stellvertretende Landesfrauenbeauftragte, Katharina Kunze, „Wenn nicht, werden wir in den kommenden Jahren vielleicht sogar wieder einen größeren Gender Pay Gap haben.“ Frauensenatorin Claudia Bernhard forderte, „die längst überfällige Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie der Europäischen Union in deutsches Recht auf den Weg zu bringen. Grundsätzlich gilt eben nach wie vor, dass insbesondere die finanzielle Gleichstellung von Frauen mit Männern die Basis für jegliche Emanzipation ist.“
Am 3.3.2026 um ca. 15:00 Uhr wird die Staatliche Deputation für Arbeit über die Vorlage „Frauen im Handwerk stärken“ von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke und der SPD beraten. Die Vorlage enthält Maßnahmen wie Mentoring, Anwerben von berufserfahrenen Handwerkerinnen als Ausbilderinnen, Existenzgründungen und Betriebsübernahmen, und gezielte Information in Meisterkursen und Beratungsangebote für selbstständige Handwerkerinnen zu den Themen Schwangerschaft und Mutterschaft sowie existierenden Versicherungsmöglichkeiten. Der Termin ist öffentlich.
Quereinstiegsprogramm bietet engagierten Fachkräften neue berufliche Perspektiven: und stärkt gleichzeitig nachhaltig die Qualität in Bremer Kitas. Im Mai startet der nächste Durchgang für Quereinsteigende: Das erfolgreiche Senatsprogramm ermöglicht eine gute Fachkräftesicherung in der frühkindlichen Bildung. Innerhalb von neun bis zwölf Monaten erhalten Fachkräfte berufsbegleitend die Qualifizierung zur sozialpädagogischen Fachkraft mit Gesamtverantwortung (Gruppenleitung). Gleichzeitig kündigte die Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Karin Prien eine Leadinitiative zur Stärkung der beruflichen Bildung entlang der gesamten Bildungskette an.
Starke Frauen – Starker Martinsclub: Der Martinsclub positioniert sich erstmals zum Internationalen Frauentag mit einer eigenen Kampagne. „73 Prozent der 1.500 Beschäftigten im Martinsclub sind weiblich. Frauen sind unser Rückgrat. Ohne sie wären wir gar nicht handlungsfähig“, erklärt das Vorstands-Duo, Jessica Volk und Sebastian Jung. Neben den Arbeitnehmerinnen liegt Volk und Jung eine weitere Gruppe besonders am Herzen: „Wir wollen Frauen mit Behinderung in den Blickpunkt der Öffentlichkeit holen. Sie werden im gesellschaftlichen Diskurs in der Regel komplett vergessen.“ Dabei haben diese in vielen Lebensbereichen mit doppelter Diskriminierung zu kämpfen: Die gesundheitliche Versorgung, der Arbeitsmarkt oder der Gewaltschutz.
Bei Fortbildungen in der Arbeit mit Mädchen gibt es noch freie Plätze: Am 6.3.2026 || Durch Bindung Stärken stärken und auch noch am 13.3.2026 || Wertschätzende Gesprächsführung in der pädagogischen Arbeit mit Mädchen*. Ausnahmsweise können jetzt Last-Minute-Anmeldungen beim Mädchenhaus Bremen angenommen werden.
Zu guter Letzt
Es gibt Lebewesen auf dieser Erde, die ganz ohne Männer auskommen und sich per Parthenogenese fortpflanzen. Die neu entdeckte Ameisenart Temnothorax kinomurai kennt nur Königinnen.
Glenys & Irene



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