Gestern war der feministische Kampftag / Internationale Frauentag / Weltfrauentag – und was sonst noch los war letzte Woche, lest ihr heute wieder im Presse-Pott
Weltfrauentag 8. März
Gestern fand der Weltfrauentag statt. Dieser Tag steht für den Kampf gegen alle Formen von Gewalt, Diskriminierung, Ausbeutung und die noch immer andauernde Ungleichheit der Geschlechter – und das bereits seit mehr als 110 Jahren. Die Vereinten Nationen haben den Tag 1975 als Internationalen Frauentag institutionalisiert. In Bremen stand er 2026 unter dem Motto „Gemeinsam stark – Frauensolidarität als Antwort auf politische Krisen.“ Die Bremer Frauensenatorin Claudia Bernhard betonte: „Solidarisch zu sein, Solidarität zu zeigen als Antwort auf politische Krisen ist wichtig wie nie. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 und der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump kommt es zu einer Vermännlichung von Politik und Wirtschaft. Feministische Außenpolitik wird jegliche Relevanz abgesprochen, Programme für mehr Gleichstellung und Diversität werden von Unternehmen eingestellt, Regierungen weltweit kürzen Sozialausgaben. Zeitgleich steigt die Last der unbezahlten Care-Arbeit, die nach wie vor hauptsächlich von Frauen geleistet wird. Was da passiert, ist kein Schicksal, sondern ein gewolltes Rollback, das kein einziges gesellschaftliches Problem lösen wird. Es sind wir, die die Zukunft auf unserer Seite haben.“
Umsetzung der Istanbul-Konvention
Als erstes Bundesland legte Bremen am 3.3.2026 den Abschlussbericht zur Umsetzung des Landesaktionsplans „Umsetzung der Istanbul-Konvention“ vor: 71 der darin festgelegten 75 Maßnahmen konnten umgesetzt werden. 2026 stellt der Senat voraussichtlich dafür rund 1,1 Millionen Euro zur Verfügung. Dies tut bitter Not, denn die erst im Februar veröffentlichte Dunkelfeldstudie LeSuBiA zeigte: Partnerschafts- und sexualisierte Gewalt ist kein Randphänomen, sondern betrifft Millionen Menschen. Angezeigt werden aber nur fünf bis zehn Prozent der Gewalterfahrungen. Um Frauen und Kinder besser vor Gewalt zu schützen, beschloss Bremen als eines der ersten Bundesländer im März 2022 mit dem Landesaktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention eine Gesamtstrategie.
Welttag für die Rechte von Sexarbeiter*innen
Just rechtzeitig zum Internationalen Tag für Sexarbeiter*innen-Rechte am 3.3.2026 hat die CDU in Brandenburg beschlossen, das „Nordische Modell“ einzuführen. Das Nordische Modell wird kontrovers diskutiert. Erfolg und Auswirkungen des Modells werden von politischen Parteien, Menschenrechtsorganisationen und Prostituierten selbst unterschiedlich beurteilt. Terre des Femmes begrüßt den Beschluss und schreibt: „Es müssen endlich diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die die Nachfrage nach Ausbeutung schaffen und vom System Prostitution profitieren.“ Dagegen teilen viele Beschäftigte in der Sex-Arbeit die Meinung von Pride Heroes: „Der Internationale Tag für die Rechte von Sexarbeiter*innen erinnert daran, dass Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind, Anspruch auf Sicherheit, rechtlichen Schutz, medizinische Versorgung und gesellschaftliche Anerkennung haben – frei von Stigmatisierung, Diskriminierung und Gewalt.“ Das European Network of Migrant Women (ENoMW) sieht Sex-Arbeit klar als „sexuelle Ausbeutung“, wie sie in der Richtlinie zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer (Richtlinie 2011/36/EU) definiert ist.
Erfolgsfaktor Familie
So heißt das diesjährige Unternehmensprogramm des BMBFSFJ: Bundesfamilienministerin Karin Prien gab am 4.3.2026 den Start für den bundesweiten Unternehmenswettbewerb „Kleine Lösungen – große Wirkung. KMU gewinnen mit Vereinbarkeit“ bekannt. Ziel des Wettbewerbs ist es, konkrete betriebliche Lösungen sichtbar zu machen, die Beschäftigten zugutekommen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken. „Gerade in der aktuellen Lage unserer Wirtschaft ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Motor für Veränderungen und bietet Chancen für die Gewinnung und Bindung von Fachkräften. Der demografische Wandel erfordert, Vereinbarkeit als wesentlichen Bestandteil einer modernen Arbeitswelt zu verankern“, so Ministerin Prien.
Gewaltschutz nach spanischem Modell!
Cesy Leonard und viele andere bitten um Unterschriften für die Petition Keine Abstriche mehr: Jetzt Gewaltschutz nach spanischem Modell! Wir erinnern: 48 Femizide gab es 2024 in Spanien; womit das Land eine der geringsten Femizid-Raten weltweit hat. (In Deutschland gab es im selben Jahr 308). In Spanien werden aktuell mehr als 4.500 gewaltbetroffene Frauen* dadurch geschützt, dass ihre Gefährder – meist der (Ex-)Partner – eine Fußfessel tragen. Seit Einführung dieser Maßnahme im Jahr 2009 wurde keine einzige der mehr als 21.000 Frauen getötet, die damit so geschützt wurden. Mehr dazu.
Gen Z Männer im Rückwärtsgang
Nach einer großangelegten IPSOS-Studie haben Gen Z Männer das rückständigste Rollendenken aller Jahrgänge. Sie stehen angeblich unter einem erhöhten, von Influencern gesteuerten Maskulinitäts- und Rollendruck. Dagegen scheinen Boomer-Männer im Schnitt gelassener und nehmen Gleichstellung seltener als Bedrohung wahr. „Die diesjährige Umfrage zeigt uns, dass wir möglicherweise eine große Neuverhandlung der Geschlechterrollen in der heutigen Gesellschaft erleben“, sagte Kelly Beaver, Ipsos-Geschäftsführerin in Großbritannien und Irland.
Bürgergeld-Reform
„Ohne Care läuft kein Haushalt: Außer offenbar der Bundeshaushalt,“ schreibt LUA – die Care-Gewerkschaft. „Denn unbezahlte Care-Arbeit taucht in keiner volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf. Die deutsche Wirtschaft versteht sich lieber als Ergebnis von Industrie, Innovation und Facharbeit. Doch Kochen, Kinder betreuen, Angehörige pflegen, Organisieren, Trösten, Planen – all das macht Fortschritt überhaupt erst möglich. Würde man diese unbezahlte Care-Arbeit in Deutschland mit Durchschnittslohn vergüten, ergäbe sich ein Wert von rund 1,2 Billionen Euro pro Jahr (Prognos 2024)“. Deshalb hat sich LUA – mit einem breiten Bündnis aus 38 Organisationen und Verbänden an die Bundesregierung und ihre Fraktionen im Bundestag gewendet mit einem Offenen Brief. Die Unterzeichnenden fordern geplante Verschärfungen bei der Reform des Bürgergelds (SGB II) zurückzunehmen, die insbesondere Familien mit Kindern treffen. LUA steht für die Liga für Unbezahlte Arbeit – Deutschlands gewerkschaftsähnliche Organisation für Care-Arbeit.
Förderung von Gleichstellung und Diversität in der Musikbranche
Zum Women’s History Month gibt Keychange nach der Analyse des Manifestos und des Pledge Reports die neueste Kohorte für sein maßgeschneidertes Talent Leadership Programme bekannt. Sie schreiben: „The main focus of the programme is on Diversity, Equity, Inclusion and Accessibility (DEIA).“ Keychange ist eine wegweisende internationale Initiative, die die Zukunft der Musikbranche gestaltet, indem sie Festivals (zum Beispiel das Reeperbahn Festival) und Musikorganisationen dazu ermutigt, mindestens 50 Prozent Frauen und geschlechtsdiverse Personen in ihre Programme, Teams und darüber hinaus einzubeziehen.
Prof. Bitch Ray
Als Lady Bitch Ray wurde die gebürtige Bremerin und Rapperin Reyhan Şahin bekannt. Sie begnügte sich nicht mit ihrem musikalischen Erfolg, sondern ging in die Wissenschaft, promovierte und war fortan Dr. Bitch Ray. Auch wenn es ihr der Wissenschaftsbetrieb nicht gerade einfach machte, hat sie sich jetzt habilitiert und übernimmt an der Berliner Universität der Künste eine Gastprofessur: Prof. Bitch Ray.
Bremen News
Internationaler Frauentag in Bremen. Am 8. März demonstrierten 6.000 Personen in Bremen und butenunbinnen sprach anlässlich des Tages mit der Landesfrauenbeauftragten Kathrin Stern aus Bremerhaven im Interview über die Vorreiterrolle Bremens beim Schutz von Frauen vor Gewalt.
Bremer Frau des Jahres ist Binta Bah: Sie ist Vorsitzende und Mitgründerin des Bremer Vereins Lundu e.V. und engagiert sich seit vielen Jahren mit großer Entschlossenheit für die Rechte und die Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen. Insbesondere setzt sie sich für die Aufklärung über weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) ein und betreut und begleitet Betroffene. Am 5. März 2026 wurde Binta Bah durch den Landesfrauenrat Bremen ausgezeichnet und mit einem Senatsempfang im Bremer Rathaus geehrt.
Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 vorgelegt. Eine gute Nachricht: Im Land Bremen gab es im Jahr 2025 einen Rückgang um 10 Prozent bei den Straftaten. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf 49 Prozent und liegt damit über dem Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre (47 Prozent). Allerdings stieg die Zahl der Messerangriffe um 36 Prozent, die der Partnerschaftsgewalt um elf Prozent und die Fallzahlen von sexuellem Missbrauch von Kindern um sieben Prozent. Täter sind fast immer Männer. „Wir müssen uns immer bewusst machen, dass hinter jeder Zahl in dieser Statistik das Leiden einer realen Person steckt. Wir haben es hier mit einem tief in der Gesellschaft verwurzelten Phänomen zu tun, dass noch viel mehr Aufmerksamkeit erfordert,“ so die Stellvertretende Landesfrauenbeauftragte Katharina Kunze.
Zu links für einen Preis? Der Bremer Buchladen Golden Shop ist von der Liste des deutschen Buchhandelspreises gestrichen worden, weil es verfassungsrechtliche Bedenken geben soll. Inhaberin Ausma Zvidrina – wir porträtierten sie übrigens schon auf unserer Webseite als unsere Frau der Woche – steht vor einem Rätsel. Bürgermeister Bovenschulte kritisiert den Ausschluss des Golden Shop: „Ich bin über den Vorgang sehr irritiert. Wir leben in einem Rechtsstaat, und es ist ein schmaler Grad zwischen Meinungsfreiheit und Zensur. Der Schutz der Kunstfreiheit ist ein verfassungsrechtliches hohes Gut, welches es entschieden zu schützen gilt. Augenscheinlich gab es nicht mal eine Information, geschweige denn eine Anhörung der Betroffenen. Das ist nicht akzeptabel.“
Schüler*innen zwischen 14 und 20 Jahren mit internationaler Familiengeschichte können sich bis zum 15. März 2026 um einen Start-Stipendium bewerben. Mehr dazu hier.
Bremer Ferienkompass = Betreuung für Schulkinder: Familien, die in den Osterferien (23. März bis 7. April 2026) zu Hause bleiben, können mit dem „Bremer Ferienkompass“ auf zahlreiche betreute Ferienangebote für Schulkinder ab sechs Jahren zurückgreifen. Die Programme reichen von kreativen Projekten über sportliche Aktivitäten bis zu Jugendbegegnungen. „Da viele Programme schnell ausgebucht sind, empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung“, empfiehlt Barbara Peper vom Familiennetz Bremen.
Glenys & Irene



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