,,Death to all abusers / Die, die die!’’
So direkt geht das FLINTA* Kollektiv in ihren Song ,,Crash Out’’ rein. Wer an Rap aus Hamburg denkt, denkt vielleicht erstmal an Fettes Brot oder BonezMC. Doch bangerfabrique beweist, dass es im Norden heute ganz anders klingt. Und zwar weiblicher, feministischer und vor allem kompromissloser.

Wer steckt hinter dem Kollektiv?
Das Hamburger Kollektiv besteht aus den drei Rapperinnen Nebou, Emmamaelo und Melle, den DJane Schwesta Şehra und Roof sowie Celia, die das Management übernommen hat. Alles begann mit ihrer Freundschaft, in der Musik schon immer eine zentrale Rolle spielte. Bei ihrem Sound kommt alles zusammen, von Hip-Hop zu Rap und von Y2k-Club-Bangern zu Hyper-Club und elektronischer Musik. Sie selbst erklären, dass sie kein klares Soundbild besitzen, da sie immer das machen wollen, auf was sie gerade Lust haben. Die Strategie sei, keine Strategie zu besitzen und einfach Spaß zu haben.
Crash Out
In einer männlich dominierten Szene, in der Machtmissbrauch und Sexismus oft hinter verschlossenen Türen bleiben oder mit Schulterzucken abgetan werden, liefert das Kollektiv hier die längst überfällige Abrechnung. Der Track ist eine kompromisslose Ansage gegen Abuser und Täter. Die Künstlerinnen nutzen ihre Plattform, um das Schweigen zu brechen und Betroffenen eine Stimme zu geben. Mit einer hörbaren, gerechtfertigten Wut fordern sie Konsequenzen und machen unmissverständlich klar, dass die Zeit der Ausreden vorbei ist. Es geht um die Rückeroberung von Räumen, in denen sich FLINTA*-Personen viel zu lange unsicher fühlen mussten und leider immer noch müssen. Der Song zeigt, dass Widerstand auch im Club stattfinden kann und dass man laut sein muss, um Strukturen aufzubrechen.
Mit ‚Crash Out‘ besinnt sich bangerfabrique auf die Ursprünge des Rap, eine Zeit, in der es primär als Sprachrohr für Aktivismus und sozialen Protest benutzt wurde. Schon in seinen Anfängen im New York der 80er Jahre diente Rap als Ventil gegen soziale Unterdrückung und gab denjenigen Gehör, die systematisch unterdrückt wurden. Und genau das nimmt das Kollektiv jetzt mit auf. Sie beweisen mit diesem Release, dass Rap-Musik ein mächtiges Werkzeug sein kann, um gesellschaftliche Missstände direkt beim Namen zu nennen und einen echten kulturellen Wandel in der Hip-Hop-Szene einzufordern. Und das der Widerstand notwendig ist, beweist die die ,,Partner-5“ Studie laut der nahezu jede FLINTA-Person von sexueller Belästigung betroffen ist.
Musikalischer Werdegang
In Interviews betonen sie häufig, dass Musik für sie lange Zeit reine Privatsache war. Ursprünglich begann es als Spaß unter Freund*innen, zum Beispiel mit gemeinsamen Freestyle-Sessions und Songs, die Nebou als ganz persönliche Geburtstagsgeschenke schrieb. Erst nach Aufforderung ihrer Freund*innen entwickelte es sich zu etwas Größerem. 2023 veröffentlichten sie dann ihre ersten zwei Songs. Mit ,,auf den’’ und ,,kumma das ding ist’’ startete ihre musikalische Karriere offiziell. Seitdem ging es nur noch steil bergauf, wobei Songs wie ,,Top oder Kleid’’, ,,Dumm’’ und Crash out’’ bereits knapp 1,5 Millionen Streams insgesamt auf Spotify sammelten. Doch ihre volle Energie entfaltet bangerfabrique erst live. Bei ihren diversen Festival- und Veranstaltungsbesuchen über die letzten zwei Jahre verteilt – auch in Bremen beim Open Space Domshof – konnten sie dies schon unter Beweis stellen.
Hoe down Throw down
Neben Musikkarriere, Studium und Arbeit haben die 6 Künstlerinnen. aus Hamburg auch noch ihre eigene Partyreihe kreiert, den HOE DOWN THROW DOWN. Sie gestalten den Raum, in dem sie auftreten wollen einfach selbst und beschränken sich dabei nicht auf das Studio oder die Bühne. Sie veranstalten in Clubs ihre eigenen Partys, wo sie BiPOC, Flinta* und Queere Artists und Clubbesucher*innen zentrieren und priorisieren. Das Kollektiv schafft hier einen Ort, an dem Empowerment nicht nur ein Wort ist, sondern auf dem Dancefloor gelebt wird. Indem sie gezielt FLINTA-DJs und -Performer*innen einladen, setzen sie ein klares Zeichen gegen die oft männlich dominierte Club- und Rap-Szene. Es geht um Gemeinschaft, Sichtbarkeit und den gemeinsamen Abriss und das ganz ohne Mackertum.
Derzeit sind leider keine weiteren Partys, Tourdaten oder Festivals bekannt. Doch sobald die Festivalsaison wieder losgeht, kann man sich sicher sein, dass auch bangerfabrique dort zu sehen sein wird. Events werdet ihr auf ihrem Instagramkanal @bangerfabrique finden.
Maite Stöver



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