In der aktuellen Folge unseres queerfeministischen Generationenpodcasts „Von Boom bis Z“ geht es um die Frage: Warum entscheiden sich viele Krankenschwestern und Pfleger*innen dazu, ihren Beruf wieder zu verlassen? Die behandelten Themen dabei sind Belastung, Personaldecke, Wertschätzung, Stress, keine Freizeit und dabei noch unendlich viel zu tun.

Zu Gast bei uns ist Carola (Generation X). Carola war in der Pflege tätig, insbesondere auf einer psychosomatischen Therapiestation und möchte sich bei uns ehrenamtlich einbringen. Auch unsere aktuelle Praktikantin Kathrin (Zillennial) ist heute als ehemalige Krankenpflegerin und jetzt Studentin Teil unseres Podcasts. Die Moderatorin der heutigen Runde ist Jana, unsere freiwillige Mitarbeiterin.
Beide sprechen über ihre Erfahrungen in der Pflege, besonders im Zusammenhang mit Corona und ihre Beweggründe, sich schlussendlich gegen die weitere Ausübung des Berufs zu entscheiden: Von der Belastung, die die Pflege mit sich bringt, die Erschöpfung, die auf Dauer nicht mehr auszuhalten war und der trotzdem andauernde Wille, Menschen zu helfen.
„[…] Ich habe auch erst mal geweint zu Hause und habe gedacht: Warum mache ich das? Das ist grauenhaft. Und mit der Zeit wurde es besser. Man hat seine eigenen Grenzen gelernt zu überwinden. Man hat gelernt, besser in den Kontakt mit Menschen zu treten und auch mit den Kolleg*innen.“
(Carola)
Neue Wege
Carola erzählt uns davon, wie sie ihr bereits bestehendes Leben neben dem Lehramtsstudium, für das sie sich dann entschieden hat, weiterhin unterstützen musste. Darauf folgte, dass sie neben dem neuen Leben als Studentin weiterhin als Krankenpflegerin gearbeitet hat, um das Haus und ihre Kinder finanzieren zu können.
Kathrin lässt uns teilhaben an ihrem Weg zu ihrem Philosophie- sowie Kommunikations- und Medienwissenschaften-Studium an der Uni Bremen und wie sie in der Arbeit im Bereich Social Media nicht nur Leidenschaft, sondern auch Berufsperspektive gefunden hat.
„Es ist immer so radikal zu sagen nichts ist schlimmer als den Tod zu erleben, aber irgendwie ist alles dann nicht mehr so groß und wichtig. Und Gefühle wie Aufregung und Angst vor Klausuren, ich genieße das dann einfach, dass ich das überhaupt fühlen kann.“
(Kathrin)
Gedankenexperiment
In einem kleinen Gedankenexperiment verraten Kathrin und Carola die Dinge, die sie dazu bringen würden, doch zurück in ihren alten Beruf zu gehen. Kathrin spricht dabei die Wichtigkeit der Wertschätzung an und wie sehr sie sich diese gewünscht hätte. Carola spricht ebenfalls über die Stabilisierung der Personaldecke und die angemessene Unterstützung, die sie sich für ihre Kolleginnen und sich gewünscht hätte. Schichten übernehmen, egal ob spät oder früh, um besonders denen die Arbeit abzunehmen, die immer die Schichten anderer übernehmen. Ein Zustand des Dauerstresses, der in den meisten Fällen mit zu wenig Dankbarkeit und Gehalt entlohnt wird.
Außerdem sprechen die beiden über die Situation am Arbeitsplatz im Krankenhaus, Stress unter Kolleginnen und wie sich manche Männer als Patienten ihnen gegenüber verhalten haben.
Modellprojekt: „Ich pflege wieder, wenn…“
Das Modellprojekt „Ich pflege wieder, wenn…“ aus dem Jahre 2021 ist eine Potenzialanalyse der Arbeitnehmerkammer Bremen. Das Projekt befasst sich mit dem möglichen Potenzial, dass aufgebracht werden muss, um ausgebildete Pflegekräfte unter besseren Arbeitsbedingungen wieder in den Beruf zurück zu führen. Die Studie hat dabei herausgefunden, dass es 1500 ausgebildete Pflegekräfte mit Berufserfahrungen gibt, die sich jedoch für einen neuen beruflichen Weg entschieden haben.
Das Projekt befasst sich mit den Maßnahmen, die eintreten müssen, damit die Tätigkeit in der Pflege auf Dauer und unter besseren Bedingungen wieder möglich gemacht wird. Ebenfalls soll das Gesundheitswesen für die Zukunft stabilisiert werden.
Wenn euch das Thema genauso sehr interessiert wie uns, dann hört gerne in unsere neue Podcastfolge rein.
Lana C. und Redaktion



Anke Bach meint
Wieso ist die Pflege so unterentwickelt?
Anke meint
Hallo, ich arbeite seid Jahren in der Pflege, bin nun ausgebrannt und zur Zeit krankgeschrieben. Die Politik in der Pflege ist leider unterentwickelt, die Pflege gibt alles bis sie nicht mehr können. Und was passiert dann? Wieso kann keine Prophylaxe betrieben werden? Wieso gehört es nicht automatisch zur Ausbildung dazu, für die Pflege zu sorgen? Regelmäßige Teampflege, Endlastung für die Pflege, Verbeamtung, Berufunfähigkeitsabsicherung und bessere Arbeitsbedingungen für langjährige Pflegekräfte?? Zusatzurlaub? Regelmäßige Achtsamkeitstainings, Fahrtkostenzuschläge? Belastungszuschläge, in der Schweiz gilt die Pflege als Schwerstarbeit- mit Recht.