Ein halbes Jahr im Ausland studieren ist für viele Studierende mehr als nur ein Stichpunkt im Lebenslauf. Es ist ein Abenteuer, ein Perspektivwechsel und oft auch ein kleiner Sprung ins kalte Wasser. Dass dieses Thema aktueller denn je ist, zeigen schon ein paar beeindruckende Zahlen: Rund 16 Millionen Menschen haben seit Bestehen am Erasmus-Programm teilgenommen. Über eine Million davon stammen aus Deutschland, und fast ebenso viele internationale Studierende haben ihren Weg mit Erasmus nach Deutschland gefunden. Hinter diesen Zahlen verstecken sich viele individuelle Geschichten, vier davon stehen im Mittelpunkt dieser Podcastfolge.

Moderatorin Jana spricht mit den drei Praktikantinnen Joline, Lilja und Huila über ihre ganz persönlichen Erfahrungen aus dem Auslandssemester. Alle drei waren erst im vergangenen Wintersemester unterwegs und sind seit Anfang Februar wieder zurück in Deutschland. Auch Jana bringt ebenfalls Auslandserfahrung mit, denn sie verbrachte ihr Erasmus in Sundsvall in Schweden. Joline zog es nach Nottingham in England, Lilja nach Prag in Tschechien und Huila nach Groningen in den Niederlanden. Vier Städte und Länder und vier ganz unterschiedliche Eindrücke davon, wie sich Studieren im Ausland anfühlen kann.
Campus-Uni oder doch lieber verstreut?
Zum Einstieg sprechen die vier über die Größe und Struktur der Gastuniversitäten. Während manche Universitäten mit größeren Campusflächen beeindrucken, wirken andere durch ihre Verteilung über die Stadt weitaus unüberschaulicher. Joline berichtet von ihren Erfahrungen mit dem Leben in Campus-nähe, welches das studentische Zusammenleben sehr geformt hat. Gerade in Nottingham beschreibt Joline eine fast schon „filmreife“ Campusatmosphäre, mit Wohnheimen, Dining Halls, Events und einem regen sozialen Leben direkt vor der Haustür. Ganz anders kann sich das anfühlen, wenn die Universität stärker in die Stadt integriert ist. Dann verschwimmen die Grenzen zwischen Studium und Alltag viel mehr, wie in Groningen oder Prag.
Die Cuisine des Erasmus
Natürlich spielt auch das Thema Essen eine Rolle und sorgt für einige amüsante Einblicke. Joline erzählt von den „mehr oder weniger köstlichen“ Speisen in den Dining Halls, während Lilja vor allem die günstigen Preise und die Qualität des Essens in Prag hervorhebt. Cafés, kleine Restaurants und eine lebendige Esskultur bleiben ihr besonders in Erinnerung. Generell zeigt sich, das Essgewohnheiten sich verändern sobald man im Ausland ist und weg von den gewohnten Lebensmitteln. Manche gehen regelmäßig zur Mensa, andere entdecken lieber günstige Restaurants oder kochen gemeinsam mit neuen Freunden.
Organisation und Vorfreude des Aufenthalts
Ein großer Punkt, der viele Studierende im Vorfeld beschäftigt, ist die Organisation des Auslandssemesters. Hier gehen die Erfahrungen deutlich auseinander. Huila hatte es mit Groningen vergleichsweise einfach. Die Nähe zu Deutschland machte vieles unkomplizierter, von der Anreise bis zur Wohnungssuche. Lilja hingegen berichtet von deutlich größeren Herausforderungen in Prag. Der Wohnungsmarkt ist teuer, denn Vermittlungsgebühren im Vorhinein können schnell ins Geld gehen. Joline hatte es in Nottingham in so fern entspannt, das sie direkt einen Platz im Wohnheim der Universität bekam. Jana erinnert sich an ihre WG in Sundsvall, die überraschend günstig war, dafür aber leider auch teilweise unbestückt.
Was vermisst du aus deinem Gast-Land?
Und am Ende fragt man sich welche Eindrücke hängen bleiben? Die Antworten fallen ganz unterschiedlich aus, zeigen aber vor allem, dass jede etwas gefunden hat, das sie vermisst. Jana schwärmt von der Natur in Schweden, von Wäldern direkt vor der Haustür und einer Ruhe, die im Alltag schnell fehlt. Lilja denkt vor allem an das Essen und das lebendige Stadtleben in Prag zurück. Joline vermisst die Gemeinschaft auf dem Campus, die spontanen Treffen, die Events und die Möglichkeit, jedes Wochenende etwas Neues zu erleben. Auch die Nähe zu anderen europäischen Ländern wird von ihr und Lilja hervorgehoben. Auch wenn sie zugeben, dass man diese Chance oft weniger nutzt, als man es sich vorher vornimmt. Huila hingegen denkt an die vielen Second-Hand-Läden in Groningen und die kurzen Wege innerhalb der Stadt.
Zuerst Horror – Jetzt eine lustige Memoire
Und dann sind da noch die weniger glamourösen Seiten des Auslandslebens: Mäuse in der Wohnung, Pilze in den Wänden oder schlecht ausgestattete WGs. Was im Moment selbst sehr unangenehm und lästig ist, wird im Rückblick oft zu einer lustigen Geschichte.
Am Ende stellt sich die entscheidende Frage: Würden sie es wieder tun? Alle sind mit einem klaren “Ja” sofort einer Meinung, mit unterschiedlichen Begründungen. Betont, wird die Selbständigkeit und die positiven aber auch herausfordernden Erfahrungen. Und auch das daraus entstehende Selbstvertrauen zu sich selbst und deinen Fähigkeiten.
Fazit
So unterschiedlich die Erfahrungen auch sind. Doch eines verbindet sie alle, ein Auslandssemester ist weit mehr als nur Studium. Es ist eine Zeit voller neuer Eindrücke, Herausforderungen und Begegnungen, die oft noch lange nachwirken.
Huila de Ceitas



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