Heute vor acht Jahren veröffentlichte Alyssa Milano den weltweit bekannten „#MeToo“ Post auf Twitter. Was hat sich in dieser Zeit alles geändert? Hat sich überhaupt etwas geändert?

Am 15. Oktober 2017, genau vor acht Jahren, ging der Post von der Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter online. Durch ihren Post und den Hashtag #MeToo wurde eine weltweite Bewegung gestartet, die das Thema sexuelle Belästigung und Gewalt verstärkt in den öffentlichen Diskurs brachte. Insbesondere Frauen und andere marginalisierte Gruppen nutzten die aufkommenden sozialen Medien, um ihre Erfahrungen zu teilen und sich gegen die Unterdrückung, das Schweigen und Ignorieren zu wehren.
Die Journalistinnen Megan Twohey und Jodi Kantor veröffentlichten am 5. Oktober 2017 einen Artikel in der New York Times. In dem Artikel wurden erstmals die jahrzehntelangen sexuellen Übergriffe von Harvey Weinstein gegenüber Frauen in der Filmbranche öffentlich gemacht. Der frühere Hollywood-Produzent Harvey Weinstein nutzte seine männliche Identität in einer patriarchalen Branche, um Frauen zu kontrollieren und sexuell auszunutzen. Laut dem Artikel in der New York Times geschah dies oft unter dem Vorwand beruflicher Meetings.

Am 10. Oktober 2017 veröffentlichte Ronan Farrow einen Artikel in The New Yorker, in dem weitere Vorwürfe ans Licht kamen. Aufgrund dieser Artikel verfasste Alyssa Milano ihren Twitter-Post. Er rief dazu auf, dass alle, die schon einmal sexuell belästigt oder angegriffen wurden, auf ihren Post mit „me too“ antworten sollen. MeToo gibt es jedoch nicht erst seit dem Post von Alyssa Milano. Tarana Burke ist der Ursprung von MeToo, der im Jahr 2006 entstand.

Die #MeToo-Bewegung hat das öffentliche Bewusstsein verändert und gleichzeitig Fragen aufgeworfen, wie gesellschaftliche Strukturen, zum Beispiel Machtverhältnisse oder feste Normen, die Wahrnehmung und Anerkennung von sexualisierten Gewalterfahrungen beeinflussen. Wir haben Unternehmen, Institutionen und Organisationen in Bremen angefragt, inwiefern sie in den letzten acht Jahren einen Wandel wahrgenommen haben. Sie berichten über Veränderungen, Erfahrungen, eigene Meinungen und Entwicklungen. Auch wenn wir weitere aktuell in der Bremischen Bürgerschaft vertretenden Parteien und andere Einrichtungen angefragt haben, haben wir nicht von allen eine Rückmeldung erhalten. Die Statements sind in beliebiger Reihenfolge angeordnet und implizieren keine Gewichtung oder Priorität.

Statements
Anne-Kathrin Laufmann, Geschäftsführerin Sport und Nachhaltigkeit beim SV Werder Bremen:
„Der Schutz unserer Spieler*innen, Mitglieder, Fans und Mitarbeitenden vor sexualisierter Gewalt ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil unserer Arbeit bei Werder Bremen. Die #MeToo-Bewegung hat uns noch einmal verdeutlicht, wie dringend wir Strukturen, Haltungen und Abläufe regelmäßig hinterfragen und weiterentwickeln müssen. Wir haben unsere Schutzkonzepte und Präventionsmaßnahmen intensiv reflektiert, geschärft und noch gezielter in unseren Alltag integriert. Zudem haben wir eine Arbeitsdefinition sexualisierter Grenzüberschreitungen verabschiedet, die klare Orientierung bietet und für alle im Verein und im Weserstadion gilt. Parallel wurden Mitarbeitende und Ordnungspersonal umfassend geschult, um Schutz und Awareness aktiv zu leben. Gerade im Fußball, wo starke Hierarchien und Abhängigkeitsverhältnisse bestehen, braucht es klare Regeln, geschulte Ansprechpersonen und Vereine, die Verantwortung übernehmen. Uns ist wichtig, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich alle sicher, respektiert und gehört fühlen. Haltung zeigt sich aber nicht in einmaligen Maßnahmen, sondern in konsequenter Weiterentwicklung. #MeToo war ein Anfang – der Anspruch, daraus dauerhafte Veränderung abzuleiten, bleibt.“
Angela Dittmer, Pressesprecherin swb:
„Bei swb ist ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander seit jeher ein fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur. Lange vor der #MeToo-Bewegung war es uns wichtig, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich alle Mitarbeitenden sicher und geschützt fühlen können. Wir verfügen über klare Strukturen und Ansprechpersonen, die bei Fragen oder Hinweisen zu Belästigung oder Diskriminierung zur Verfügung stehen. Hinweise auf unangemessenes Verhalten wurden und werden ernst genommen, vertraulich behandelt, sorgfältig geprüft und mit den erforderlichen Maßnahmen beantwortet. Die #MeToo-Bewegung hat gesellschaftlich viel in Bewegung gesetzt und auch das Bewusstsein für Grenzüberschreitungen sicher geschärft. Für uns bei swb hat sie jedoch keine Änderungen an bestehenden Regelungen erforderlich gemacht, da wir bereits über verbindliche Strukturen und klare Meldewege verfügt haben. Wir stellen jedoch fest, dass die bestehenden Wege und Angebote selbstverständlicher genutzt werden. Insofern bestärkt uns die #MeToo-Bewegung, Respekt, Gleichberechtigung und gegenseitige Achtung als selbstverständlichen Bestandteil weiterhin im Arbeitsalltag zu leben.“
Verkehrsverbund Bremen & Niedersachsen (VBN):
„Der VBN legt großen Wert auf ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander. Mit unserem gemeinsam entwickelten Wertehaus haben wir ein verbindendes Fundament geschaffen, das unsere Zusammenarbeit und Unternehmenskultur prägt.
Toleranz, Respekt, Vertrauen und Offenheit stehen dabei im Mittelpunkt. Die #MeToo-Bewegung hat das Bewusstsein für den achtsamen Umgang miteinander weiter geschärft – auch bei uns. Unser Ziel ist es, eine Arbeitsumgebung zu fördern, in der sich alle sicher, gehört und respektiert fühlen.“
Sermin Riedel, Bremer Polizei- und Feuerwehrbeauftragte:
„Das Bewusstsein für Machtmissbrauch, sexuelle Belästigung und strukturelle Ungleichgewichte in der Gesellschaft ist gewachsen. #MeToo hat den Dialog geöffnet und damit einen wichtigen und unerlässlichen Beitrag geleistet. Als unabhängige Polizei- und Feuerwehrbeauftragte erkenne ich, dass dieses Bewusstsein auch in den Behörden angekommen ist.
Betroffene wenden sich heute häufiger an unabhängige Stellen; ein Zeichen dafür, dass Vertrauen in Beschwerde- und Schutzmechanismen entsteht. #MeToo hat uns gelehrt, dass Veränderung möglich ist – aber es braucht kontinuierliches Engagement, mutige Stimmen, die nicht verstummen, und klare Strukturen, um Missstände konsequent aufzuarbeiten und Prävention zu stärken. Meine Aufgabe ist es, diese Ziele im Blick zu behalten und für nachhaltige Veränderungen innerhalb der Strukturen von Polizei und Feuerwehr einzustehen.“
Kristin Viezens, Pressesprecherin, Freie Hansestadt Bremen, Die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz:
„Es ist bittere Realität: Fast jede Frau erlebt sexuelle Belästigung. Sich dagegen und gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr zu setzen – ob in den eigenen vier Wänden oder auf dem Nachhauseweg – muss deshalb selbstverständlich sein. Ein Meilenstein war #MeToo. Die Bewegung zeigte, dass sexuelle Belästigung ein strukturelles Problem ist, und kein individuelles.
Das gilt insbesondere am Arbeitsplatz. Der Bund reagierte 2008 und verabschiedete das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz verbietet und Arbeitgeber:innen verpflichtet, Beschäftigte zu schützen. Eine entsprechende Dienstanweisung für den Öffentlichen Dienst Bremen – und damit auch für das Gesundheitsressort – galt seit 2012. Mit der Neufassung 2018, also ein Jahr nach #MeToo, wurde eine zentrale Beschwerdestelle im Finanzressort eingerichtet, die Betroffene unabhängiger und qualitativer beraten kann. Neu waren auch beispielhafte Definitionen von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und Angaben zu Fristen zur Bearbeitung von Beschwerden.
Diese Dienstanweisung wurde vom Deutschen Städtetag als Best Practice für den Öffentlichen Dienst empfohlen.“
Karen Matiszick, Leiterin Unternehmenskommunikation Gesundheit Nord gGmbH
„In einem Unternehmen wie der Gesundheit Nord mit einer weiblichen Beschäftigtenquote von fast 75 Prozent spielen Werte wie Gleichberechtigung, Achtsamkeit und Respekt eine große Rolle. Wir haben die MeToo-Debatte sehr begrüßt, weil es die allgemeine Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt hat, das uns schon sehr lange bewegt. Unser Ziel ist eine für alle angenehme und sichere Arbeitsumgebung, ein Klima der Offenheit und ein respektvoller Umgang miteinander. Wir haben eigene Kampagnen gegen sexuelle Belästigung entwickelt, haben seit langem Anlaufstellen für Betroffene, unterschiedliche soziale, rechtliche und psychologische Hilfsangebote, schulen unsere Mitarbeitenden und schärfen so das Bewusstsein aller. Unsere Maßnahmen basieren auf dem Prinzip der Nulltoleranz gegenüber Gewalt, Diskriminierung und Missbrauch. Diese Prinzip ist Teil der Unternehmenskultur der kommunalen Krankenhäuser. Gleichzeitig wissen wir, dass Krankenhäuser sensible Bereiche sind, die immer Wachsamkeit gegenüber jeder Art von Grenzüberschreitung fordern. Die steigende Gewaltbereitschaft in den Notaufnahmen ist nur ein Beispiel dafür, dass dieser Diskurs unbedingt weitergeführt werden muss und wir noch nicht am Ziel sind.“
Kerstin Eckardt, Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft, CDU:
„#meetoo ist mutig
#meetoo ist gelungen
#meetoo ist wichtig für die Zukunft
Was einmal in den einfachsten sozialschwachen Städten in den USA entstand, ist inzwischen weltweit der laut gewordene gesellschaftliche Druck gegen Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung. Es wird politisch unter dieser Überschrift debattiert und gegen Machtstrukturen und Geschlechtergerechtigkeit vorgegangen. #meetoo hat vieles sichtbar gemacht, weitere Frauen zu mehr Mut aufgerufen und Betroffenen Sicherheit geben. Wäre Gisele Pelicot so mutig und Ihr Leid bekannt geworden ohne #meetoo? Wer weiss es? Sicher ist, ihr Mut hat #meetoo noch stärker gemacht!“
Fraktion Die Linke in der Bremischen Bürgerschaft:
„Die #MeToo Bewegung hat in unserer Fraktion sowie in der Partei Die Linke ein größeres Bewusstsein für sexualisierte Gewalt und männlichen Machtmissbrauch geschaffen. Durch #MeToo und den Vorfällen in der Hessischen Linksfraktion hat die Linkspartei überall neue Awareness-Strukturen geschaffen.
Das hat auch zu Veränderungen in der Bremer Linksfraktion geführt, seit 2022 gibt es zwei Awareness-Beauftragte, offiziell abgesichert in der Geschäftsordnung der Fraktion. Im Krisenfall stehen uns geschulte Ansprechpersonen zur Seite, auf deren Unterstützung wir uns verlassen können. Mit der Erstellung eines Awareness-Konzepts haben wir uns im Team intensiv damit auseinandergesetzt, wie wir miteinander umgehen wollen. Solange wir jedoch in einer patriarchalen Gesellschaft leben und arbeiten, besteht Handlungsbedarf – es braucht weiterhin eine pro-feministische Auseinandersetzung mit männlichen Machtdynamiken und diskriminierenden Strukturen und dafür sind soziale Bewegungen wie #MeToo unverzichtbar.“
Ute Bescht:
„Erziehung der nächsten Generation: Als Trainerin und Mentorin für Frauen im IT-Bereich bringe ich #MeToo-Themen bewusst in meine Workshops ein. Ich spreche mit den Frauen über Selbstbehauptung, Grenzen und ihre Rechte in der Welt und im Job. Die Bewegung hat mir gezeigt, wie wichtig präventive Aufklärung ist. Ich möchte, dass die nächste Generation von Frauen bereits mit diesem Bewusstsein ins Berufsleben startet und nicht erst durch schmerzhafte Erfahrungen lernen muss, sich zu schützen.
Kritische Medienbetrachtung: Mein Blick auf Medien und Popkultur hat sich geschärft. Ich erkenne sexistische Darstellungen und problematische Narrative schneller und hinterfrage sie kritisch. #MeToo hat mir gezeigt, wie tief verwurzelt bestimmte Machtstrukturen in unserer Kultur sind. Diese Medienkompetenz beeinflusst (auch beruflich) meine Konsumentscheidungen und meine Diskussionen mit anderen. Ich wähle bewusster aus, welche Inhalte und Unternehmen ich unterstütze und welche ich ablehne.
Hoffnung und Veränderungswille: #MeToo hat mir Hoffnung auf gesellschaftlichen Wandel gegeben. Ich sehe, dass Veränderung möglich ist, wenn genug Menschen sich zusammenschließen. In nahe totalitär frauenfeindicher Jugend aufgewachesn, weiß ich heute, dass selbst mächtige Strukturen durchbrochen werden können. Diese Hoffnung motiviert mich, weiterhin für Gleichberechtigung zu stehen und dazu zu ermutigen. Ich glaube daran, dass wir gemeinsam eine gerechtere Welt für zukünftige Generationen schaffen können.“
Antje Jess, Erste Vorsitzende Landesfrauenrat Bremen e.V.:
„Der Fortschritt ist eine Schnecke, die nicht immer nur vorwärts zieht: In Fragen der Gleichberechtigung der Geschlechter gilt dies besonders. Der Landesfrauenrat Bremen sieht zum Beispiel in der Gastronomie, dass sexuelle Belästigung in allen Erscheinungsformen von „Komplimenten“ bis zu handfesten Übergriffen immer häufiger wird. Begünstigt wird dies durch eine dünne Personaldecke und den zunehmenden Einsatz von Aushilfen und Auszubildenden. Aber auch eine negative Anspruchshaltung von Kunden („Wenn ich hier schon so viel zahle, dann will ich auch eine schöne Zeit haben“) und der allgemeine Anstieg von verbaler Gewalt spielen eine Rolle. Wir bereiten deshalb, voraussichtlich in Kooperation mit der Gewerkschaft NGG, die Sensibilisierungskampagne „Not my job“ vor – Anmache und sexuelle Belästigung sind nicht Teil der Jobbeschreibung von Frauen* in der Gastronomie. Dabei richten wir uns nicht nur an die betroffenen Frauen*, sondern auch an Wirte, Kollegen und Kunden. Der Start ist geplant für den 25. November 2025.“
Brigitta Nickelsen, Direktorin für Unternehmensentwicklung und Menschen, Radio Bremen:
„8 Jahre nach #MeToo gibt es bei Radio Bremen ein anderes, achtsames Bewusstsein für das Thema, sind unausgesprochene Störgefühle besprechbar geworden, hat sich das Direktorium (immer wieder) klar und eindeutig positioniert, was in unserer Zusammenarbeitskultur kompromisslos nicht geduldet wird, gehen wir achtsam(er) miteinander um und die Zusammenarbeitskultur auf Augenhöhe über Hierarchiegrenzen hinweg hat sich positiv weiter entwickelt.“
Iris Hinze, Co-Geschäftsleitung des Clubverstärker e.V.:
„Vor rund acht Jahren, und damit quasi parallel zur #MeToo-Bewegung, haben wir mit Gemeinsam.Sicherer.Feiern unsere Awareness-Initiative gestartet. Daraus entstanden Projekte wie die Awareness-Teams im öffentlichen Raum im Viertel sowie regelmäßige Workshops für Clubmitarbeitende in Bremen, die sicherere Räume und Sensibilisierung fördern.
Trotz dieser Fortschritte ist die Livebranche an vielen Stellen noch männerdominiert: Im LiveKomm-Vorstand, in dem ich ehrenamtlich aktiv bin, sind zum Beispiel 83 Prozent der Mitglieder männlich. Beim Clubverstärker selbst haben wir wiederum eine paritätisch besetzte Co-Geschäftsleitung, und auch der Vorstand ist nahezu paritätisch aufgestellt. Besonders stolz sind wir auch auf unser Nachwuchsprojekt, das derzeit ausschließlich von FLINTA*-Personen geleitet wird.
In unserer täglichen Verbandsarbeit setzen wir auf kontinuierlichen Austausch und haben feste Teamformate für offene Kommunikation und Konfliktmanagement etabliert. So schaffen wir interne Präventionsstrukturen und gestalten übergeordnet eine Branche mit, die durch die Förderung von Geschlechtergerechtigkeit und Sichtbarkeit marginalisierter Gruppen für uns alle sicherer wird.“
Friederike Wolf, Gewerkschaftssekretärin Bereich Frauen- und Gleichstellungspolitik, Niedersachsen-Bremen, ver.di:
„Die MeToo-Debatte hat auch in der Arbeitswelt zu einer verstärkten Diskussion über das Ausmaß sexueller Belästigung am Arbeitsplatz geführt. Das bestärkte Betroffene darin, erlebte Übergriffe zu thematisieren. Auch auf struktureller Ebene hat #meetoo zu einer verstärkten Auseinandersetzung geführt. Sowohl durch die vermehrte Klarstellung, dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz dort beginnt, wo sie von den Betroffenen als solche wahrgenommen wird, als auch bei der Beleuchtung der Schutzpflichten von Arbeitgebenden, die für die Einhaltung des AGG, die Einrichtung von Beschwerdestellen sorgen und Beschäftigte vor sexueller Belästigung und Übergriffen schützen müssen. Ver.di konnte mit einer Musterbetriebsvereinbarung zum Schutz vor sexueller Belästigung ein wirksames Werkzeug für betriebliche Interessenvertretungen erarbeiten. Dennoch gibt es, gerade in den menschenbezogenen Berufen der Dienstleistungsbranchen weiterhin erheblichen Bedarf im Konkreten, Beschäftigte endlich wirksam von sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt im Arbeitsumfeld zu schützen. Das zeigt sich vielerorts, insbesondere in kleineren und mittleren Unternehmen, sowie in bestimmten Bereichen beispielsweise der Pflege.“
Frederike Krüger, Leitungsteam Theater Bremen:
„Im Kulturbetrieb, nicht nur in der Filmbranche, sondern auch im Theater, hat #MeToo eine wichtige Debatte losgetreten. Wie wollen wir miteinander umgehen? Wo gibt es Asymmetrien? Wie gehen wir mit Übergriffen und (struktureller) Gewalt um? Ich bin froh, dass es diesen Hashtag gibt und dass damit verbundene Themen nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand und untereinander besprochen werden. Ob seitdem alles gut, alles gerecht, für jeden und jede gewalt- und angstfrei ist? Das glaube ich nicht. Aber ich glaube, dass es nun Wegweiser gibt, die uns eine geschlechterunabhängige Gerechtigkeit bringen. Am Theater Bremen hat sich dadurch ein anderes Bewusstsein für strukturelle Ungleichbehandlung entwickelt, ein Verhaltens-Kodex wurde erarbeitet, den alle Menschen, die hier arbeiten, unterschreiben müssen. Auch Schulungen und Fortbildungen tragen dazu bei, dass wir unsere Verantwortung ernst nehmen. Wir sind sensibilisierter, was bestimmte Begrifflichkeiten und Verhaltensweisen angeht. Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen und sollten – aber wir sind auf dem Weg. Auch dank #MeToo.“
belladonna Kultur, Bildung und Wirtschaft für Frauen e.V.:
„#MeToo bleibt Mahnung und Auftrag zugleich.
#MeToo ist nicht aus dem Nichts entstanden. Die Bewegung steht auf den Schultern jahrzehntelanger feministischer und queerer Kämpfe, die Sprache und Bewusstsein für das geschaffen haben, was zuvor kaum benennbar war: sexualisierte Gewalt, Machtmissbrauch und patriarchale Strukturen. Sie hat das Schweigen gebrochen – aber nicht die Macht, die es hervorgebracht hat.
Acht Jahre später sind die Themen sichtbarer, doch die Strukturen bleiben stabil. Corona, Krisen und ein europaweiter Rechtsruck haben Räume der Solidarität enger gemacht. Antifeministische und queerfeindliche Diskurse normalisieren sich, während Desinformationskampagnen und Hassrede die neu gewonnene Sprache zunehmend übertönen. Was heute sagbar ist, bleibt allzu oft folgenlos – weil patriarchale Macht längst gelernt hat, sich modern zu geben, ohne sich zu verändern.
Seit über 35 Jahren steht belladonna in Bremen für feministische Bildung, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung. Wir wissen: Sichtbarkeit ersetzt keine strukturelle Veränderung, und Gleichstellung verlangt den Mut zur Konfrontation. #MeToo bleibt Mahnung und Auftrag zugleich.“
Verena Grewe, Vizepräses der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven:
„Mit unserem Handelskammer-Unternehmerinnen-Netzwerk stärken wir gezielt Frauen in Führungspositionen und Unternehmerinnen in Bremen und Bremerhaven. Das Netzwerk bietet eine aktive Plattform für Austausch, Unterstützung und Inspiration, um weibliche Führungspersönlichkeiten sichtbarer zu machen und ihre Position in der Wirtschaft zu festigen. Starke Frauen sind wichtige Vorbilder – für andere Frauen, die kommenden Generationen und den nachhaltigen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft. Ein wesentliches Ziel bleibt es, den Anteil von Frauen in den Branchen-Ausschüssen und im Plenum der Handelskammer Bremen zu erhöhen, um weibliche Perspektiven noch stärker in unsere Arbeit einzubringen. In unsere Arbeit binden wir die Wirtschaftsjuniorinnen aus Bremen und Bremerhaven, unseren engagierten Nachwuchs in der Wirtschaft, aktiv mit ein. Das Netzwerk leistet bereits viel, um Dialog, Vernetzung und Chancengleichheit voranzubringen – und wir arbeiten weiterhin daran, Frauen in der Wirtschaft nachhaltig zu stärken und die Zukunft unserer Region aktiv mitzugestalten.“
Dirk Fasse, Bremer Polizeipräsident:
„Acht Jahre nach #MeToo ist klar: Die Bewegung hat vieles sichtbar gemacht – auch in der Polizei. Unsere internen Befragungen zeigen, dass Sexismus und sexuelle Belästigung weiterhin existieren. Veränderung braucht Zeit, doch wir haben uns bewusst auf den Weg gemacht. Der erste Schritt war, das Thema nicht länger zu tabuisieren, sondern als gesamtbehördliche Herausforderung anzuerkennen.
Mit Ausstellungen wie „Was ich anhatte…“ und „Was Mann so sagt…“, mit reflexiven Einsatztrainings und offenen Dialogen fördern wir eine Kultur des Hinsehens und Zuhörens. In Aus- und Fortbildung greifen wir das Thema systematisch auf, um langfristig Haltung und Bewusstsein zu verändern.
Unser Ziel ist klar: eine Polizei, in der Respekt, Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein selbstverständlich sind – und in der niemand Angst haben muss, Grenzen zu benennen oder Hilfe zu suchen.“
Andrea Buchelt, Akademikerinnenbund Bremen e.V.:
„Was also bedeutet #MeToo für unseren Verband, der in diesem Jahr 77 Jahre besteht? Dass in endlos vielen, auch weiblichen Köpfen noch immer eine Hierarchie besteht zwischen männlich und weiblich gelesenen Menschen: Männer oben, Frauen unten. Und dass sich dies gerade und vor allem im Zusammenhang mit Sexualität manifestiert. Und dass sich auf Grund dieser gesellschaftlichen Geisteshaltung noch heute junge (und natürlich auch ältere) Frauen mit sexualisierter Werbung, Anmache und sexualisierter Anspruchshaltung konfrontiert sehen. Und dass wir nach wie vor zusammenhalten müssen und uns mit allen Mitteln gegen eine wieder massiv um sich greifende patriarchale Geisteshaltung wehren müssen. Der Status von Frauen hat sich in den vergangenen 150 Jahren massiv verbessert. Solange wir jedoch von vielen männlichen Menschen auf bestimmte Körperteile reduziert werden, werden wir niemals gleichgestellt sein. Es ist also nicht nur ein Ärgernis bzw. eine individuelle Zumutung, es ist eine uns alle betreffende Grundsatzfrage: Gleichgestellt ist nur, wer als absolut gleichwertig betrachtet wird. Das schließt sexualisierte Gewalt grundsätzlich aus. Dafür setzt sich der Deutsche Akademikerinnenbund Bremen e.V. ein.“
Josephine Assmus, Landesvorstandssprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bremen:
„Seit #MeToo sind wir lauter – auch in der aktiven Politik wie im Europäischen Parlament wurde deutlich und öffentlich über Machtmissbrauch und Belästigung diskutiert. Die Bewegung hat eine kollektive Erfahrung sichtbar gemacht, die – besonders für nicht Betroffene – zu oft verborgen bleibt oder ignoriert wird. #MeToo hat die Solidarität mit und unter Betroffenen geschärft und besonders Frauen bestärkt gemeinsam Raum einzunehmen und die eigene Lebenswirklichkeit selbstbewusst zu benennen.
Auch bei uns Bremer Grünen hat das zu Veränderungen geführt: Wir haben feste Vertrauensstrukturen und klare Verfahren geschaffen, um Betroffene zu unterstützen und Verantwortung zu übernehmen. Zugleich arbeiten wir kontinuierlich daran, eine offene, respektvolle und vielfältige Zusammenarbeit zu stärken.
Gleichzeitig erleben wir aktuell einen Backlash – Veränderungen in der Gesellschaft brauchen Zeit und Beharrlichkeit. Deshalb ist #MeToo auch acht Jahre später kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein Auftrag: hinzuschauen, zuzuhören und konsequent gegen Übergriffe und Machtmissbrauch vorzugehen – in der Politik, der Arbeitswelt und der Gesellschaft.“
Anonym:
„Als fast 60-Jährige erlebe ich, dass Frauen um die 35 neben ihrer Mutterschaft in früher nicht von Frauen besetzten Führungspositionen arbeiten, sich von älteren Männern jedoch nicht genug respektiert sehen. Anstatt sofort ihre Betroffenheit auszudrücken und klare Grenzen zu setzen, wie ich es von mir kenne, suchen sie sich Leidensgenossinnen zum Austausch. Mit Humor, Leichtigkeit und Spontanität kämen sie meiner Erfahrung nach weiter. Ein furchtloses aufeinander Zugehen ist jetzt notwendig.“
Kathrin M. & Redaktion



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