Im Podcast Trashologinnen werden Trash-TV Formate von zwei Psychologinnen, Dr. Dinah und Dr. Franzi, genauer unter die Lupe genommen. In der Spezialfolge: Collien Fernandes – Alte Muster, neue Technologie vom 4. April 2026 beschäftigen sich die beiden, aus aktuellem Anlass, mit dem Fall Fernandes und der daraus entstehenden Debatte über digitale Gewalt. Dabei beziehen sie sich immer wieder auf ihre psychologische Expertise und zeigen bekannte Muster von geschlechtsspezifischer Gewalt auf.

Der Fall Fernandes – Was ist passiert?
Collien Fernandes ist Schauspielerin und Moderatorin. Im Jahr 2024 wirkt sie in einer ZDF-Dokumentation über Deepfake Pornos mit. Dort berichtet sie davon, wie, über Jahrzehnte hinweg, Nacktbilder und pornografische Videos von ihr erstellt und über Fake-Profile in ihrem Namen im Internet verbreitet und an Menschen aus ihrem Umfeld geschickt wurden. Die Täter können im Rahmen der Doku nicht aufgedeckt werden. Im November 2024 erstattet Fernandes Anzeige gegen Unbekannt.
Zwei Jahre später, am 19. März 2026, veröffentlicht der Spiegel Ergebnisse einer ausführlicheren Recherche zu dem Fall. Dort wird berichtet, dass Fernandes‘ Ehemann, Christian Ulmen, der Schauspielerin im Dezember 2024 gebeichtet haben soll, dass er hinter den Fake-Profilen stecke. Ende 2025 wird die Trennung der beiden bekannt gegeben und Fernandes erstattet Anzeige gegen ihren Ex-Mann. Seit Veröffentlichung der Spiegel-Recherche, gibt es deutschlandweit Demonstrationen gegen sexualisierte Gewalt. Die Ermittlungen gegen Ulmen laufen, sein Anwalt leugnet die Vorwürfe jedoch.
Dimensionen sexualisierter Gewalt
Die Podcastfolge beantwortet eine der zentralsten Fragen der Debatten, die durch den Fall ausgelöst wurden: Wo beginnt sexualisierte Gewalt? Eine sehr verbreitete Vorstellung ist, dass ein sexueller Übergriff immer ein körperlich gewaltvoller Akt ist. In der Realität ist jedoch jede sexuelle Handlung, die nicht einvernehmlich ist, ein Akt sexualisierter Gewalt. Die beiden Psychologinnen erklären außerdem, dass es sich beim Fall Fernandes um eine „neue Dimension der sexualisierten Gewalt“ handelt, bei der das Opfer physisch nicht anwesend war, da der Übergriff im digitalen Raum stattfand. Eine häufige Annahme hierbei sei, dass es sich demnach um einen „weniger schlimmen“ Übergriff handeln muss. Die Podcasterinnen erklären, warum es für das emotionale Erleben keinen Unterschied macht, ob das traumatische Erlebnis online oder offline stattgefunden hat.
Reaktionen auf den Fall
Zum Ende der Folge stellen die Psychologinnen außerdem die Frage, warum so viele Männer in Bezug auf die Vorwürfe eher schweigen. Damit schützen Männer eher den potenziellen Täter, während sich Frauen tendenziell solidarisch mit Collien Fernandes zeigen. Sie fordern Männer gezielt dazu auf, Sexismus und geschlechtsspezifische Gewalt zu einem Männerproblem zu machen, bringen aber auch das Problem von Performative Males in Verbindung, und erklären warum diese die Situation noch gefährlicher für Frauen machen könnten. Ebenso verurteilen sie die Aussagen von Bundeskanzler Merz, der die Ursache für Gewalt gegen Frauen vor allem in den „Gruppen der Zuwanderer“ vermutet und damit, laut den Psychologinnen, den Diskurs bewusst umlenkt um rassistische Narrative zu verbreiten.
Insgesamt wird der Fall Fernandes und die daraus entstehenden gesellschaftlichen Debatten von den Podcasterinnen sehr gut aufarbeitet, und, im Bezug auf die psychologischen Hintergründe, von einer anderen Seite beleuchtet. Das macht die Podcastfolge sowhol interessant für Zuhörer*innen, die mit den Einzelheiten des Falls noch gar nicht vertraut sind, aber auch solche, die darauf gespannt sind, ihn aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Seit der Spiegel seine Recherche zum Fall publik gemacht hat, wird immer öfter die Frage gestellt, ob es wirklich „not all men“ sind, wenn eine Frau nicht einmal ihrem langjährigen Ehemann trauen kann. Die beiden Trashologinnen geben den Zuhörer*innen aber auch Mut, und zeigen auf, wieviel Hoffnung diese kollektive Wut gibt, die so viele Menschen dazu gebracht hat, in den vergangenen Wochen auf die Straße zu gehen. Weiter so, fordern sie:
„Bleibt solidarisch. Bleibt laut. Vergesst nicht, dass ihr nicht alleine seid!“
Jasmin Hebner



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