Unsere Frau der Woche: Gudrun Schyman

In Schweden kennt sie jeder, ob als Autorin, Politikerin, Feministin oder aus dem Fernsehen. Gudrun Schyman ist einfach bekannt. Und sie zeigt so wunderbar, was der schwedische Feminismus unserem voraus hat.

Portrait einer Politikerin mit Brille und rot-geschminkten Lippen. Sie hat braune Haare und trägt ein beiges Jacket.

(c) Elisabeth Ohlson Wallin

Gudrun Schyman ist nicht nur eine Politikerin, die sich für die Rechte und Gleichstellung der Frau einsetzt. Nein, sie hat 2005 sogar eine eigene Partei gegründet, die sich genau damit befasst: Die Feministische Initiative. Mit ihr als Parteivorsitzende hat es die Feministische Initiative geschafft, in das EU-Parlament und in 13 schwedische Kommunen einzuziehen.Ihr politischer Aufstieg begann bei den Linken. 1993 wurde sie dort zu der neuen Parteivorsitzenden in Schweden und trug enorm dazu bei, dass diese zur drittgrößten Partei Schwedens heranwuchs. Zu ihrem größten Erfolg gehörte, dass sie dem Feminismus einen starken Standpunkt innerhalb der Partei verschaffte. 2004 verließ sie die Linken, konzentrierte sich nun zunehmend auf feministische Fragen. Ihr Mandat nahm sie dafür mit und saß solange parteilos im schwedischen Reichstag.

Männersteuer für mehr Gleichstellung

Was Gudrun Schymann in Schweden noch bekannter machte, war die Forderung nach einer „Männersteuer“. Männer sollten demnach einen bestimmten Satz an Steuern zahlen, der sich aus den Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern ergibt. Diese Gelder sollten dann für zunehmende Gleichstellungsmaßnahmen innerhalb der Gesellschaft verwendet werden. Dafür erhielt Gudrun Schyman allerdings nicht nur positive Rückmeldungen. Landesweit wurde sie für diese Forderung kritisiert. Das bedeutete jedoch kein Ende der Diskussion. Noch heute wird über die Einführung einer Männersteuer gesprochen, die heute unter dem Begriff Gleichstellungssteuer läuft. Auch andere führende Politiker*innen setzen sich dafür ein. Und das Schweden in Sachen Gleichstellungspolitik immer ganz weit vorne dabei ist, wissen wir ja.

F! Feministische Initiative

Gudrun Schyman und fünf weitere Frauen gründeten 2005 ihre eigene Partei, die „Feministische Initiative“, die sich speziell für die Gleichstellung von Frauen einsetzt. Zu ihren wichtigsten Zielen gehört, dass es endlich keinen Lohnunterschied mehr bezüglich der Arbeit von Frauen und Männern gibt. Um darauf aufmerksam zu machen, spricht Gudrun Schyman aber nicht einfach darüber. In Schweden muss man manchmal Taten sprechen lassen. Während der größten Politikwoche „Almedalsveckan“ in Schweden stellte sie sich also mit einigen anderen Frauen an den Hafen von Visby und verbrannte 100.000 Kronen (ca. 10.000 Euro). Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern beläuft sich in Schweden auf 70 Milliarden Kronen im Jahr. Umgerechnet verdienen die Frauen in Schweden pro Minute 100.000 Kronen weniger als Männer. Dass sie dafür mal wieder kritisiert wurde, macht Gudrun Schyman nichts aus. Sie glaubt, dass man anders als mit solchen provokanten Aktionen kaum die gesammelte Aufmerksamkeit der Gesellschaft bekommt.

Tack alla ni som kom till Kiviks marknad och frågade och fikade med oss! Vi ses igen nästa år! Kram Gudrun

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Auch das sie 2010 Teilnehmerin bei der Fernsehshow Let´s Dance in Schweden war, sorgte für Aufregung. Hier revolutionierte sie mal eben nebenbei den Aufbau der Show. Am Ende des Eröffnungstanzes sollten die Frauen vor ihren Tanzpartnern auf die Knie gehen. In dieser Position fühlte Gudrun Schyman sich so unwohl, dass sie öffentlich die Geschlechterrollen im Paartanz kritisierte. Der Produzent reagierte und ließ stattdessen die Profitänzer auf die Knie gehen.

Gudrun Schyman ist alles andere als leise. Sie ist laut. Denn wenn es um Gleichstellung geht, haben die Schwed*innen schon längst gemerkt, dass man mit leise nicht weit kommt. Sie nutzt ihre Stellung in der Öffentlichkeit, um auf die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen. Und das tut sie so laut, dass man gar nicht drum herum kommt, nicht über Gleichstellung nachzudenken. Jedenfalls in Schweden…

Svenja Böttjer

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