Affen, Transrechte und die erste Erzbischöfin von Canterbury. Und – soll der Familienstand ins Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz aufgenommen werden, um Alleinerziehende zu stärken? All das und mehr im heutigen Presse-Pott…
Die mit den Affen
… oder „Affenlady“ wurde sie genannt: die britische Umweltaktivistin und Schimpansenforscherin Jane Goodall. Als erste Forscher*in überhaupt suchte sie engen Kontakt zu ihrem „Untersuchungsobjekt“ und revolutionierte mit ihrer Methode der „teilnehmenden Beobachtung“ die Verhaltensforschung bei Menschenaffen, obwohl – oder vielleicht weil – sie kein Studium absolviert hatte. Als wohl berühmteste Primatenforscherin der Welt wurde sie auch zur Aktivistin und Umweltschützerin. Nun ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben. Hier ein Nachruf.
Alternativer Nobelpreis
Die Right Livelyhood Awards werden auch als Alternativer Nobelpreis gewertet. Dieses Jahr werden sie verliehen an: Emergency Response Rooms (ERR) aus dem Sudan, Pacific Islands Students Fighting Climate Change (PISFCC) aus dem Inselstaat Vanuatu und den Anwalt Julian Aguon von der westpazifischen Insel Guam im Micronesien, sowie an Audrey Tang aus Taiwan. Begründung: sie habe „den sozialen Gebrauch digitaler Technologie zu Stärkung der Bürger vorangebracht, die Demokratie erneuert und Spaltungen überwunden“. Tang war Taiwans erste Digitalministerin, Taiwans erste Beamtin mit nicht-binärem Geschlecht und die erste trans Ministerin der Welt und nennt sich „post gender“.
Transrechte
Lange Zeit mussten Transpersonen sich sterilisieren lassen, wenn sie ihren Geschlechtseintrag offiziell ändern lassen wollten. Laut Recherche des Journalist*innennetzwerks Investigate Europe betrifft das in den sechs Ländern Tschechien, Belgien, Deutschland, Finnland, den Niederlanden und Schweden mindestens 11.000 Menschen – fast die Hälfte davon in Deutschland. Das änderte sich hier erst 2011, nachdem eine Transfrau dagegen geklagt hatte und das Bundesverfassungsgericht die Regelung als verfassungswidrig einstufte, weil sie das Recht auf körperliche Unversehrtheit sowie das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verletze. Die Änderung des Transsexuellengesetzes trat erst am 1. November 2024 in Kraft. Näheres, auch über die psychischen Auswirkungen auf die Betroffenen, hier.
Reiseland Afghanistan
Letzte Woche schalteten die fundamentalistischen Taliban für fast alle Afghan*innen das Internet ab, was besonders für Frauen fatal war, weil ihnen damit auch noch die letzte Verbindung in die Öffentlichkeit verwehrt wurde, die sie allein sowieso nicht mehr betreten dürfen. Manche dürfen sich jedoch auch als Frau sogar auf dem Fahrrad recht frei bewegen, nämlich Reisende, die als Travel-Influencer*innen im Land unterwegs sind und ihre Erfahrungen auf Social Media posten: „Wir sind froh über die Hilfe der Taliban“, heißt es da zum Beispiel. Ob afghanische Frauen das ebenso sehen??? Inzwischen geht das Land langsam wieder online.
Englische Staatskirche bekommt erstmals eine Chefin
Sarah Mullally wurde jetzt zur ersten weiblichen Erzbischöfin von Canterbury ernannt und wird das Amt im kommenden Januar antreten. Weltweit gehören 80 Millionen Menschen der anglikanischen Kirche an und seit der ersten Weihe einer Frau zur Bischöfin im Jahr 2015 wird kontrovers diskutiert – besonders in afrikanischen Ländern – ob eine Frau die Weihe annehmen kann und darf. In England wird dieser Schritt zum Teil als Werbung um Vertrauen der Gläubigen gesehen, nachdem der letzte – männliche – Erzbischof wegen des Verschleierns eines gewaltigen Missbrauchsskandals zurücktreten musste.
Weibliche Solidarität allein reicht nicht
Anlässlich der Buchpremiere in Frankreich von „Mit Männern leben“ über den Pelicot-Prozess war der Kinosaal des Cinéma Paris ausverkauft: anwesend fast nur weiblich gelesene Personen. Auch das Podium war rein weiblich besetzt: die Autorin, Manon Garcia, und die Rechtsanwältin, Christina Clemm, sowie als Moderatorin die Journalistin Stephanie Rohde. Dabei wurde deutlich: Das Engagement der Männer gegen sexualisierte Gewalt fehlt, sie meinen, das Thema ginge sie nichts an. Christina Clemm betonte, ohne ein Umdenken der Männer sei Gewalt nicht zu beenden.
Jenseits des Patriarchats
Für Jungen gilt genauso wie für Mädchen: „You can’t be what you can’t see“, was so viel bedeutet wie: Man kann nicht sein, was man nicht sieht. Über den Profeministischen Kongress vorletztes Wochenende in Berlin (Siehe auch Presse-Pott vom 29.9.2025) berichtet Lotte Laloire. Sie schreibt zum Beispiel über einen Workshop, der davon handelt, unter welchen Bedingungen Jungen nicht gewalttätig werden.
Zeitgleich stellte das Gunda-Werner-Institut seinen Schwerpunkt „Alles für den Mann – Was Männlichkeit ist und sein kann“ wieder ins Netz mit vielen Themen für junge Männer wie Gym Boys oder Jungen* empowern.
Landeskriminalamt NRW: Neue Statistik zu Femiziden
Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen hat erstmals Tötungsdelikte an Frauen umfassend untersucht und dabei den Schwerpunkt auf Femizide gelegt. Zwischen 2014 und 2023 wurden in Nordrhein-Westfalen 1666 versuchte und vollendete Tötungsdelikte an Frauen registriert, davon wurden 522 als Femizide eingeordnet. 235 Frauen verloren dabei ihr Leben. In 87 Prozent der Fälle handelte es sich um Beziehungstaten, die überwiegend durch aktuelle oder ehemalige Partner begangen wurden. Die Untersuchung zeigt, dass patriarchale Kontroll- und Besitzansprüche häufig eine entscheidende Rolle spielen. Expert*innen betonen, dass Prävention bereits bei der gleichstellungsorientierten Erziehung von Kindern anfängt und dass Unterstützungsstrukturen für betroffene Frauen flächendeckend gestärkt und leichter zugänglich gemacht werden müssen. Zum Ergebnisbericht der Studie geht es hier.
Rauchverbot im Auto?
Der Bundesrat fordert, auch auf Initiative von Bremen, die Bundesregierung auf, das Rauchen in Gegenwart von Schwangeren und Minderjährigen in Fahrzeugen zu verbieten. Die Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard sagte: „Passivrauchen stellt eine enorme gesundheitliche Gefahr dar.“ Nach Schätzungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) sind rund eine Million Kinder und Jugendliche bundesweit einer Tabakrauchbelastung im Auto ausgesetzt. Sie haben ein erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden und -erkrankungen, Beeinträchtigungen der Lungenfunktion und Mittelohrentzündungen.
Schutzräume für Frauen nun in 2 (!) Bahnhöfen der Republik
Seit dem 29.09.2025 ist die Anlaufstelle „Gewalt gegen Frauen“ bei der Bundespolizei am Kölner Hauptbahnhof eröffnet. Es ist, nach der im August 2024 eröffneten Anlaufstelle im Berliner Ostbahnhof, die zweite Anlaufstelle im Rahmen eines Pilotprojekts des Bundesministeriums des Innern. Ein sensibler Umgang mit den Opfern von Gewalttaten steht im Vordergrund der Anlaufstelle. Darüber hinaus werden Anzeigen aufgenommen und Hilfsangebote vermittelt. Zunächst als Pilotprojekt geführt wird die Anlaufstelle in Berlin nun weiter finanziert.
Eigene Arbeit muss Rente sichern
Das forderte der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte auf der letzten Bundesratssitzung. Die gesetzliche Rente stellt für viele Menschen in Deutschland die einzige Alterssicherung dar. Von herausragender Bedeutung sei, das Risiko von Armut und sozialer Ausgrenzung für die Rentenbeziehenden, insbesondere für Frauen, zu minimieren.
CDU will Pflegestufe 1 abschaffen
Wegen des Milliardenlochs in den Kassen der Pflegeversicherung hat die Union die Idee, die Pflegestufe 1 einfach abzuschaffen. Das würde, neben den Pflegebedürftigen selbst, besonders die pflegenden Angehörigen treffen, also zu zwei Dritteln Frauen. Die SPD ist für die Beibehaltung – noch…
Wer sich an der Petition zum Erhalt vom Pflegegrad 1 beteiligen möchte, kann das hier tun.
Feminismus mit Vorsatz
Der Podcast von Laura Vorsatz erscheint jetzt in Kooperation mit dem Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie. In der ersten Folge der neuen Trilogie zu reproduktiver Gerechtigkeit geht es um das Recht, keine Kinder zu bekommen.
Familienstand ins AGG – inklusive des Status „alleinerziehend“
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist das Gesetz, das Menschen in Deutschland vor Diskriminierung schützt – zum Beispiel wegen Herkunft, Geschlecht, Religion, Alter, Behinderung oder sexueller Identität. Aber: Elternschaft und Familienstand – also auch das Alleinerziehen – sind darin nicht enthalten. Diskriminierung alleinerziehender Elternteile bleibt daher ohne Konsequenzen. Das Aktionsbündnis für Alleinerziehende – Fair für Kinder, Stiftung Alltagsheld:innen und SOLOMÜTTER hat eine Kampagne gestartet, um die Aufnahme des Familienstandes ins AGG zu fordern. Ihre Petition kann man hier unterzeichnen und sich auch informieren.
Bremen News
Bremen besser als im Bundesdurchschnitt: Die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, Claudia Bernhard legte am 30.9.2025 den Jahresbericht zur Versorgungssituation mit Schwangerschaftsabbrüchen im Land Bremen vor. Auf Basis des Berichts soll die aktuelle Lage beurteilt und eine drohende Unterversorgung erkannt werden, um im Bedarfsfall konkrete Maßnahmen zur Verbesserung vorzuschlagen. Der Bericht zeigt für das Jahr 2024, dass das Versorgungsangebot in Bremen im Vergleich zu anderen Bundesländern höher ist.
19. Bremer Solidaritätspreis an die äthiopische Frauenrechtlerin Meseret Hadush: Der Bremer Senat würdigt am 29.9.2025 ihr herausragendes Engagement für Frauen und Mädchen in Tigray, welche im Zuge des brutalen Konfliktes in Nordäthiopien sexualisierte Kriegsgewalt erlebten. Mit der von ihr gegründeten Hilfsorganisation Hiwyet (Heilung) setzt sich Meseret Hadush für die Überlebenden ein, unterstützt sie, dokumentiert ihr Leiden und gibt den Betroffenen eine Stimme. Mehr über ihre Arbeit und ihre Auszeichnung hier und hier.
Bremer Schülerin gewinnt 3. Preis beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen. Der Bundeswettbewerb Fremdsprachen ist ein Wettbewerb für Schüler*innen der Klassen 6 bis 13 sowie Auszubildende. Er möchte Neugier auf fremde Sprachen und Kulturen wecken und bietet Raum für interkulturellen Austausch. Léanne Lehmbecker, Schülerin am Hermann-Böse-Gymnasium, wurde für ihre herausragenden Leistungen im Einzelwettbewerb der Jahrgänge 8 bis 10 mit dem 3. Bundespreis ausgezeichnet.
Ausschreibung für Stipendienplätze. Das Frauennetzwerk BPW (Business and Professional Women) vergibt wieder vier Stipendienplätze für Studentinnen aus Bremen und umzu, die als Erste in ihrer Familie studieren. Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2025. Für die Bewerbung reichen ein Lebenslauf und ein kurzes Motivationsschreiben per Email. Am 22. Oktober findet eine Informationsveranstaltung statt. Näheres über das preisgekrönte Förderprogramm First Generation Students hier.
Bremer Ferienkompass: Buntes Herbstferienprogramm und verlässliche Betreuung für Familien in der Stadt Bremen. Vom 13. bis 25. Oktober 2025 können sich Bremer Schulkinder wieder auf vielfältige Ferienangebote freuen. Der Bremer Ferienkompass, ein Service vom „Familiennetz Bremen“, gibt Eltern und Sorgeberechtigten einen umfassenden Überblick zu verlässlich betreuten Ferienangeboten – und erleichtert damit die Ferienplanung. Auf www.bremer-ferienkompass können Angebote gezielt nach Kategorie (Kreativität, Bewegung, Wissen, Reisen) gefiltert werden, aber auch nach Stadtteil, Dauer und Kosten sowie nach inklusiven Angeboten für Kinder mit Beeinträchtigungen. Die Angebote richten sich an Schulkinder ab circa 6 Jahren.
Glenys & Irene



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