„Als Frau im Fernsehen kam man sich vor wie ein Wesen vom anderen Stern.“ (Gaby Köster)
Letzte Woche angelaufen in den Kinos ist der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ von Eva Müller und Isabel Schneider über die Geschichte des deutschen Unterhaltungsfernsehens der 90er Jahre. Und zwar erstmals aus der Perspektive von beteiligten Frauen.

Wir sehen Ausschnitte aus Fernsehsendungen der „großen“ Showmaster – und das Lachen erstirbt uns im Halse bei den gezeigten Szenen. Frauen dienten als Staffage, also dekoratives Beiwerk, sie mussten schön sein und lächeln, auch und gerade wenn sexistische Witze auf ihre Kosten gemacht wurden. Und sie machten mit, lächelten die verbalen und zum Teil auch realen Übergriffe, wie das Betatscht-Werden, weg. Ein anderes Repertoire stand ihnen nicht zur Verfügung, war nicht vorgesehen, sie hatten keine Vorbilder.
Bis im Zuge der zweiten Frauenbewegung der 70er Jahre eine neue Generation von Schauspielerinnen und Kabarettistinnen die Bühne betrat: Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins. Auch sie waren den Zumutungen der männlichen Kollegen unterworfen und hatten Schwierigkeiten, sich im Unterhaltungs-Business zu behaupten – aber sie fingen an, Kontra zu geben. Und sie sind in der Doku zu sehen und kommentieren und analysieren die gezeigten TV-Ausschnitte in der Rückschau.
Ein Film, unbedingt zu empfehlen! Für die Älteren unter uns hat das Schauen sicherlich Wiedererkennenswert, für die Jüngeren ist es wohl zum Teil ein Schockerlebnis angesichts dessen, was vor gar nicht so langer Zeit im öffentlichen Fernsehen noch als sagbar galt. Und für alle bringt der Film die Erkenntnis, dass wir inzwischen doch ein gutes Stück weitergekommen sind.
„Wir lachen erst seit Kurzem … eigentlich … besser“, kommentiert Maren Kroymann gegen Ende des Films.
Läuft zurzeit in den Bremer Filmkunsttheatern. Also nichts wie hin! Und von Vorteil bei der nächsten Hitzewelle: die Kinos sind klimatisiert…
Irene



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