Zines from Gaza sind kleine Büchlein von Autor*innen aus dem Gazastreifen, die von Ehrenamtlichen weltweit produziert und veröffentlicht werden.
In einer Zeit, in der Kriege und Konflikte eskalieren, Fronten zunehmend verhärten und ein gesellschaftlicher Diskurs menschliches Leid immer weiter normalisiert, braucht es oftmals viel Widerstandsfähigkeit, um nicht zu verzweifeln oder aus Überforderung die Augen zu verschließen. Doch was können wir in Anbetracht der Weltlage tun? Welche Möglichkeiten haben wir, um nicht zu resignieren, sondern ins Handeln zu kommen und daraus gleichzeitig Hoffnung zu schöpfen?

Eine Graswurzelbewegung, die verschiedene Möglichkeiten zur Mitarbeit ermöglicht, ist Coastal Lines Press. Coastal Lines Press – Zines from Gaza hat sich im Oktober 2025 gegründet, um die Stimmen junger palästinensischer Autor*innen aus Gaza in die Welt zu tragen. Stimmen junger Menschen, die mit ihren Familien nach dem 7. Oktober 2023 eine Realität erleben, die jeglicher Vorstellungskraft entbehrt. Sie schreiben, um ihren Alltag und das Geschehen zu verarbeiten, sie schreiben, um Hoffnung zu schöpfen und ihre Resilienz aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig unterstützen die Spenden für die Zines (jedes Zine hat einen eigenen Spendenlink), die Autor*innen und ihre Familien in der Finanzierung ihres Alltags und ihres Überlebens.
Die Gründungsgeschichte von Coastal Lines Press
Zurückzuführen ist die Initiative auf die palästinensische Autorin Shahd Alnaami, eine junge Autorin und Übersetzerin aus dem Gazastreifen, und Leila Boukarim, eine Kinderbuchautorin und freiberufliche Redakteurin, die aktuell in Berlin lebt. Sie überlegten gemeinsam, was sie im Kleinen Bedeutsames tun könnten. Gleichzeitig sollte es für Menschen weltweit leicht zugänglich sein. So kamen sie auf die Idee mit den Zines. Shahd sammelte für ihr erstes Zine „Die Schriften von Shahd Alnaami“ Essays, Texte und Gedichte und eine Freundin gestaltete für sie das Cover, das sie an ihrer Universität zeigt, die heute wie unzählige andere Gebäude im Gazastreifen nicht mehr existiert. Veröffentlicht wurde das Zine erstmals im März 2025 und im Herbst 2025 in zweiter Ausführung sowie in farbiger Version. Zur gleichen Zeit gründete Leila Boukarim Coastal Lines Press, ein Kollektiv von vielen Freiwilligen aus aller Welt, die unter anderem als Illustrator*innen, Übersetzer*innen und Redakteur*innen das unabhängige Verlagsprojekt tragen und immer mehr Zines mit Autor*innen aus Gaza erstellen und veröffentlichen. Anfang März 2026 sind es bereits über 20 Zines, von denen alle in englischer Sprache vorliegen und ein Teil auch bereits in andere Sprachen wie Deutsch, Italienisch, Spanisch und Französisch übersetzt wurde. Insgesamt belaufen sich die Übersetzungen auf über zehn Sprachen.
Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung
Die Optionen, sich aktiv an dem Verlagsprojekt zu beteiligen, sind vielfältig. Einerseits können Menschen mit Kenntnissen in der Illustration, Redaktion oder im Layout sich bei der Erstellung der Zines einbringen oder auch Texte aus dem Englischen in andere Sprachen übersetzen. Dabei werden Neueinsteiger*innen auch immer von Personen unterstützt, die bereits Erfahrung bei Coastal Lines Press gesammelt haben.
Andererseits können Menschen auch am bereits fertigen Zine ansetzen und bei der Vervielfältigung und der Organisation von Fundraising-Events mitwirken.

Wo gibt es die Zines?
Aktuell könnt ihr eine Auswahl von gebundenen Zines im Kwanzaa Bookshop im Bremer Viertel finden. Schaut dort vorbei, blättert in den Büchlein und unterstützt die Autor*innen mit einer Spende, sofern ihr könnt. Im Laden findet ihr außerdem ein sorgsam ausgewähltes Sortiment an queerfeministischer und dekolonialer Literatur.
Auf der Webseite von Coastal Lines Press findet ihr zudem eine Übersicht über alle Zines und Autor*innen. Dort könnt ihr Zines anfragen oder ihr wendet euch an die Person hinter @cycling_for_humanity (Sophia), die im Verlagsprojekt aktiv ist und aus dem Bremer Umland kommt.
Sophia Reiß



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