Alles scheint möglich, doch was ist richtig?!

Schnuller auf Tastatur, (c)Barckhausen

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In meiner siebenjährigen Tätigkeit als Beraterin für berufliche Orientierungs- und Weiterbildung, in der Frauenberatungsstelle Frauen in Arbeit und Wirtschaft e.V. konnte ich sehr viel über die unterschiedlichsten Lebensentwürfe von Frauen erfahren.

Immer wieder habe ich mir die Fragen gestellt

  • „Nach welchen Kriterien entscheiden Frauen sich bei Ihrer Lebens- und Berufswegplanung?“
  • „Inwieweit werden ihre Entscheidungen für Lebensentwürfe von aktuellen persönlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Verhältnissen und Vorgaben beeinflusst?“
  • „Wie muss Frau sein und was muss sie tun, um Anerkennung zu bekommen und ihren Lebensentwurf als zufriedenstellen für sich zu erleben, um eine positive Bestätigung  zu bekommen?“

Wie das Wort „Lebensentwürfe“ schon sagt, handelt es sich erstmal nur um einen „Entwurf“.

Dieser kann sich jeweils durch eigene Entscheidungen, als auch durch fremde Einflüsse anpassen oder grundsätzlich verändern. In meiner Beratung unterscheiden sich die Lebensentwürfe von jüngeren Frauen zu denen von älteren Frauen oft extrem. Für jüngere Frauen steht das Thema  Mutterrolle und/oder Berufstätigkeit  – also die Vereinbarkeit von Familie und Beruf –  häufig im Vordergrund. Der Spagat zwischen der „guten Mutter“ – (wann ist Frau denn überhaupt eine „gute Mutter“?) und den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden ist für viele Frauen eine extreme Herausforderung.

Lebensentwürfe von Frauen: Alles ist möglich, doch was ist richtig?

Kürzlich hat der Kabarettist Florian Schroeder in einer Talk Show sehr treffend, die aktuelle Situation von Frauen beschrieben: „Sie muss topmodel-mager-schlank sein, aber sie muss auch Kinder wollen. Sie muss im richtigen Moment Kinder wollen nicht mit 20, das ist zu früh, nicht mit 40, das ist zu spät. Sie muss die richtige Zahl der richtigen Kinder mit dem perfekten Mann im richtigen Moment kriegen…“

„Und den Stress, den sie hat, darf man niemals spüren.“

Bei älteren Frauen, deren Kinder erwachsen bzw. deren Kinder schon aus dem Haus sind, sehen die Lebensentwürfe ganz anders aus. Viele von ihnen haben sich, trotz guter Ausbildung gegen eine Berufstätigkeit und für Familienarbeit entschieden, die allerdings, wie wir alle wissen, nicht entlohnt wird. Nicht selten kommt es im Alter zwischen 45 und 55 Jahren zu einer Trennung und Scheidung und die Frauen stehen erstmal, emotional und auch finanziell vor dem „Nichts“. Häufige Fragen sind dann: „Ist jetzt noch ein Wiedereinstieg möglich, oder bin ich zu alt, wer nimmt mich denn noch? Die gelernten Inhalte meiner Ausbildung und mein Studium sind veraltet und ich traue mir auch gar nichts mehr so richtig zu. Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas einmal passieren würde…“ Hier muss der geplante Lebensentwurf vollkommen umgeschrieben werden. Die Rückbesinnung auf verschüttete Fähigkeiten und Kompetenzen, die Verabschiedung von Träumen, vom gemeinsamen Altwerden mit dem Partner, der Umgang mit Unsicherheiten, wie komme ich wieder zu mehr Selbstwertgefühl usw. Dies sind alles Themen, die auch für einen beruflichen Wiedereinstieg oder Neuanfang von Bedeutung sind.

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Viele Frauen kommen wiederum mit Themen aus der Berufstätigkeit in die Beratung. Themen wie Überforderung, Burnout  und Belastungsdepressionen, hervorgerufen durch  verdichtete Arbeitsaufgaben, Effizienzmaximierung  oder Kündigungen sind sehr verbreitet. Hier zeigt sich noch einmal, wie flexibel Frauen sein müssen, um ihre Lebensentwürfe den aktuellen Herausforderungen, sowohl im privaten, als auch im beruflichen Alltag anzupassen.

Bei Frauen mit Migrationshintergrund kommen oftmals noch sprachliche, kulturelle und religiöse Barrieren dazu. Viele Frauen suchen sich Unterstützung beispielsweise durch die kostenfreie Beratung bei Frauen in Arbeit und Wirtschaft e.V. Durch diese Möglichkeit verbessern Sie häufig  die Chancen, wieder  aktiv, kreativ und zielgerichtet neue Perspektiven für sich zu  entwickeln und neue Lebensentwürfe zu kreieren.

Geschrieben von Andrea Klinz, tätig als Beraterin bei Frauen in Arbeit und Wirtschaft e.V. für den Bereich berufliche Orientierungs- und Weiterbildungsberatung.

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