Gleicher Lohn unvereinbar?

Die Chefredakteurin des Weser-Kurier Silke Hellwig hat zum Equal-Pay Days einen Kommentar verfasst, indem sie die Hauptursache der Lohnungleichheit bei den Frauen selbst sieht.

Zerknüllte rote Tasche mit Aufschrift Equal Pay Day

Quelle: Schütte

Die wesentliche Ursache sieht sie im Privaten und behauptet, Frauen verhandelten weniger um besseren Lohn, wollten eigentlich auch gar nicht Hauptverdienerinnen sein und Männer blieben nicht zu Hause, um sich um die Kinder zu kümmern. Ihr Fazit: Frauen setzen eben die Priorität Familie und da könne man dann nicht beides haben.

Das ist ein eklatanter Trugschluss
Denn selbst Frauen, die in leitenden Positionen tätig sind, verdienen häufig nicht das gleiche wie Männer in den selben Positionen. Dass Frauen keine leitende Positionen haben wollen, ist ein zweiter Irrtum: An den Universitäten werden nach wie vor Professorenstellen trotz vieler gleich qualifizierter Bewerberinnen mehrheitlich mit männlichen Bewerbern besetzt. In vielen politischen Bereichen dominieren die Männer in Führungspositionen und noch augenfälliger im Management– nicht umsonst gibt es ja eine Forderung nach mehr Frauen in Führungspositionen.

Menschen beim Einkauf

Quelle: frauenseiten

Hauptursache der Lohnungleichheit ist die hohe Zahl der Frauen in Teilzeitbeschäftigungen und Minijobs. Frauen suchen sich diese Jobs nicht aus, sondern in den letzten Jahren wurden viele Vollzeitjobs in Teilzeit- und Minijobs umgewandelt – gerade auch in den Bereichen, in denen überproportional Frauen beschäftigt sind. Dazu gehören der Einzelhandel sowie die großen Discounter. Im Land Bremen sind über 25.000 Frauen in Minijobs beschäftigt.

Die Ungleichheit ist strukturell
Das Argument, dass Frauen in solchen Berufen arbeiten, die eben gering bezahlt werden, akzeptiert die schlechte Entlohnung weiblich dominierter Arbeitsbereiche. Warum verdient eine Erzieherin weniger als ein Müllarbeiter? Und Löhne im Gastgewerbe für ausgebildete Kräfte sind geradezu skandalös, auch Friseurinnen können von ihrem Lohn nicht leben.

Das ausgerechnet eines der produktivsten und reichsten Ländern Europas sich eine Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen von 22 Prozent leistet, ist Anlass genug, die zu nennen die davon profitieren und nicht diejenigen zu beschuldigen, die Familienarbeit und Erwerbstätigkeit unter einen Hut bringen müssen.

Der Kommentar von Silke Hellwig ist leider nicht auf Weser Kurier online, sondern nur auf Seite 2 der gedruckten Ausgabe vom 19.03.2014 zu finden

 

Edith Laudowicz

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