Soft Power ist ein vielseitiges Buch, das die Kunst- und Kulturszene aus einer erfrischenden und persönlichen Perspektive beleuchtet. Anders als erwartet geht es weniger um die sanfte, ästhetische “Kraft der Kunst”, sondern um die harte Realität von Kunst und Kultur schaffenden. Clar zeigt eindrücklich, wie Macht, Kreativität und Politik in der Branche miteinander verwoben sind.
Wer ist Clar Gallistl?
Clar Gallistl ist ein*e österreichischer Kunst-, Kultur- und Community-Expert*in und arbeitet in der Kulturarbeit. Das Buch Soft Power (2026) erschien im Wasser Publishing Verlag und beleuchtet verschiedene Aspekte der deutschen sowie internationalen Kunst- und Kulturszene und deren Probleme. Gleichzeitig bleibt das Buch persönlich: Clar verbindet allgemeine Konflikte und Phänomene der Szene mit deren eigenen Erfahrungen. Zusammenhängende Anekdoten, die sich durch das gesamte Buch ziehen, verdeutlichen und verstärken diese Perspektive.

Die Stimmung kippt
Das Buch ist nicht nur faktisch interessant zu lesen, sondern bietet auch einen einzigartigen Einblick in Clar Gallistls Erfahrungen und deren Werdegang in der Kunst- und Kulturszene. Im Zentrum steht die Geschichte, wie Clar Gallistl aus Frustration und Tatendrang nach London zog. Dey hoffte dort auf bessere Kontakte, mehr Finanzierung und stärkeres staatliches Interesse für deren Projekte sowie für die Unterstützung der Kunst- und Kulturszene.
Das Buch beginnt sehr direkt mit dem Thema Kunst und Kultur im Spannungsfeld von Rechtsruck und politischer Anspannung, sowohl national als auch global. Damit bereitet dey die Leser*innen auf eine konfliktlösungsorientierte Leseerfahrung im Laufe des Buches vor. Gleich zu Beginn macht das erste Kapitel „Die Stimmung kippt“ deutlich, dass ein akutes Problem vorliegt.
Außerdem führt Clar Gallistl das Konzept der „Soft Power“ ein: „Während harte Machtinstrumente mit Elementen wie dem Militär oder wirtschaftlichem Druck politisches Verhalten beeinflussen, wirken weiche Machtinstrumente wie Diplomatie, Kultur oder Geschichtsschreibung.“ (S. 12) Es geht also um die konkrete Anwendung von Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft, um Interessenkonflikte abzumildern und politische Spannungen zu reduzieren.
Aber wie ist das möglich – und wie realistisch ist das?
Gallistl betont immer wieder, wie stark Machtverhältnisse, Hierarchien und finanzielle Abhängigkeiten die Möglichkeiten und den Umgang in der Branche prägen. Gleichzeitig zeigt dey, wie schwierig es ist, sich nach oben zu arbeiten, ohne daran zu zerbrechen. „Spüren Sie es? Hier ist es wieder: Das Klima der Angst und des Stillschweigens.“ (S. 45).
Ein besonders relevanter Aspekt des Buches ist die finanzielle Realität des Kunst- und Kultursektors sowie das belastende Klima von Machtmissbrauch und verschiedenen Formen von Diskriminierung. In vielen Erfahrungsberichten aus der Szene, insbesondere von weiblichen oder weiblich gelesenen Personen, tauchen Geschichten von Sexismus, Rassismus und Klassismus auf. Viele Beteiligte stempeln diese Erfahrungen als „normal“ oder als „Teil der Erfahrung“ ab.
Gallistl schildert deren eigene Erlebnisse und beschreibt detailliert, welche Gedanken, Gefühle und Automatismen dey in diesen Momenten durchlebt. Beim Lesen erkennt man diese Denkmuster schnell wieder besonders, wenn man selbst Erfahrung im Kultursektor hat. So wird deutlich, unter welchem Druck Gallistl stand. Die Branche ist geprägt von klaren autoritären Hierarchien und strengen Verhaltenscodes. „Ich habe meine Zwanziger so verbracht wie viele, die im Maschinenraum der Kultur arbeiten“ (S. 56).
Der Wilde Westen
Ein Kapitel, das dieses Phänomen besonders eindrücklich behandelt, ist „Wilder Westen“. Clar beschreibt das Klima einer stark gegenderten und patriarchalen Industrie. Dabei wird schnell klar, dass es sich nicht um Einzelfälle von Machtmissbrauch oder sexistischem Verhalten handelt.
Immer wieder berichten Medien über Übergriffe in der Kunst- und Kulturbranche. Dennoch wirkt es erschütternd, zu lesen, wie tief diese Strukturen in der Branche verankert sind. Der Begriff „Wilder Westen“ beschreibt treffend ein Umfeld, in dem Regeln oft fehlen oder bewusst ignoriert werden.
Das Kapitel öffnet die Augen für die vielen verborgenen Geschichten von Menschen, die in dieser Szene erfolgreich sein wollen, aber durch psychischen und physischen Druck daran gehindert werden. Dieser Druck wird häufig normalisiert und sogar legitimiert.
Wer übernimmt die Verantwortung?
Im weiteren Verlauf des Buches schildert Clar Gallistl deren ersten Tag in London. Eine Stadt, in der dey schon lange leben wollte, um endlich etwas zu verändern und zu bewirken. Doch schnell zeigt sich, dass das Gras auf der anderen Seite nicht grüner ist. Entgegen Galligstes Erwartungen sind die finanziellen und strukturellen Bedingungen in London sogar schwieriger als in Deutschland oder Österreich.
Im Kapitel „Wer übernimmt die Verantwortung?“ stellt Gallistl deren wichtigste Strategie vor, um dennoch etwas zu bewegen: Gemeinschaft. Durch das Knüpfen von Kontakten und die Zusammenarbeit mit der CIISA (The Creative Industries Independent Standards Authority) gelingt es Clar Gallistl, wichtige Verbindungen zu internationalen Akteur*innen und Organisationen aufzubauen. Auf diese Weise entsteht eine Community, die Hoffnung auf reale Veränderungen in der Kunst- und Kulturszene gibt.
Am Ende verleiht dieser Ausblick dem Buch eine positive Note. Nach den emotional belastenden und polarisierenden Einblicken wirkt der Abschluss zuversichtlich.
Soft Power
Auch wenn der Begriff „Soft Power“ zunächst etwas vage erscheint, lässt er sich am Ende klar zusammenfassen: Er steht für eine Kombination aus Empathie, Gemeinschaft, Unterstützung, Kreativität und Inklusion. Laut Gallistl bilden diese Elemente die Grundlage für ein harmonischeres Kunst- und Kulturschaffen.
Genau das ist entscheidend, um nicht nur passiv auf Rechtsruck und patriarchale Strukturen zu reagieren, sondern aktiv Veränderungen herbeizuführen.
Fazit
Das Buch stellt vor allem gegen Ende, einen ganz wichtigen Punkt in den Mittelpunkt: Community. Ohne dem geht es einfach nicht. Warum sollte man versuchen die Welt alleine Verändern zu wollen? Je diverser desto besser. Denn nur so kann man es schaffen, so inklusiv wie möglich Ergebnisse zu erzielen. Und auch finanziell macht es nur Sinn, sich nicht nur auf sich selbst oder ein paar wenige zu stemmen, sondern gemeinsam anzupacken. Der Kunst- und Kultur-Sektor ist immer noch oft ein Klassenkampf und gegen an geht nur zusammen.Gallistl stellt in Soft Power viele verschiedene “Aha-Momente” da und auch als Leser*in merkt man, wie man gegen Ende des Buches mehr Klarheit über eine sehr große Branche hat. Manche Aspekte sind enttäuschend, vor allem als außenstehende Person. Aber viele Erkenntnisse lassen einen auch an das gute denken und stärken die Hoffnung auf einen politisches und gesellschaftliches Aufatmen.
Huila de Ceitas



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