Dorothee Biener nimmt uns in ihrem Buch „Wir Super Heldinnen“ auf eine bewegende Erkundungstour durch den weiblichen Körper mit. Sie lädt uns dazu ein, uns selber noch genauer kennenzulernen und zu verstehen. Dabei erklärt sie, wie komplex und aufeinander abgestimmt unser Körper in sich ist und erweckt Staunen über Vorgänge, von denen wir oft nichts wissen und merken. Der Schwerpunkt liegt auf den weiblichen Geschlechtsorganen. Nach der Lektüre dieses Sachbuchs, das sich wie eine Kombination aus Abenteuerroman, Ratgeber und (bio-) medizinischem Fachmagazin liest, wirst du selbstbewusst und aufgeklärt zur nächsten Vorsorge gehen, gezielte Fragen stellen können und vielleicht (hoffentlich!) ein besseres Körpergefühl in deinen Beziehungen erleben.

Die weiblichen Geschlechtsorgane: Brust, Vulva, Vagina, Gebärmutter, Eileiter, Eierstock, Eizelle
Die Leserin erfährt, was sich hinter einer „Mastodynie“ (S. 26) verbirgt und wodurch sich im Gegenzug dazu eine „Mastopathie“ (S. 33) auszeichnet. Auch stellt die Autorin zeitgemäße Erkenntnisse und Blickwinkel zum Thema Stillen, BH (ja oder nein) und Brustkrebs und Brustkrebsvorsorge gut verständlich und anschaulich dar. Du erfährst, dass die „Vulva“ in Wirklichkeit kein Organ, sondern ein Gebiet mit verschiedenen „Anteilen“ ist (S. 74). Auch wenn er nicht zur Vulva gehört, geht die Autorin auf den Beckenboden ein (S. 89), der grundsätzlich zum Anspannen, Entspannen und Gegenhalten dient. Spannend (noch spannender!) wird es bei der Beschreibung der Klitoris, dem weiblichen Orgasmus und der weiblichen Sexualität (S. 102). Dann klärt die Autorin über den Unterschied zwischen Scheide und Vulva auf. Die Gebärmutter besticht durch ihre Elastizität und Dehnbarkeit. Während einer Schwangerschaft ist sie dazu in der Lage, ihr Gewicht um das 14-Fache zu steigern (S. 166)! Weiterhin greift die Autorin deutschlandweit verbreitete gynäkologische Erkrankungen, wie Myome, Endometriose, Endometriumkarzinom und das Zervixkarzinom auf und teilt wichtige Details zur Regelblutung und zu Regelschmerzen mit. Erfahrens-wert ist auch, dass die Befruchtung der Eizelle im Eileiter geschieht. Die Eierstöcke (Ovarien) machen insbesondere in der Pubertät auf sich aufmerksam, indem sie Hormone produzieren und damit die Entwicklung zum weiblichen Körper anstoßen. Zudem widmet sich die Autorin einer weiteren frauenspezifischen Erkrankung: dem Eierstockkrebs. Die Eizelle selber ist aus Autorinnensicht ein absoluter Superstar:
„Die Eizelle, die in der Medizin auch Oozyte (sprich O-o-zyte) genannt wird, ist die unschlagbare Nummer 1, sozusagen Mozart, die Beatles und Taylor Swift in einem. Denn sie hat eine Fähigkeit, die sie mit keiner anderen Zelle teilt und die sie absolut herausragend macht: Sie ist die Einzige, aus der sich ein neues Individuum entwickeln kann!“ (S. 264)
Zudem besitzt die Eizelle möglicherweise sogar die Fähigkeit, selbst auszusuchen, welches Spermium sie befruchten darf (S. 265)! Die Autorin klärt auch über „Social Freezing“ auf, das in Deutschland (nur) bei Erkrankungen, wie Krebs, eine Kassenleistung ist.
Weibliche Hormone
Dorothee Biener beschreibt einleuchtend, wie unsere Hormone neben den Geschlechtsorganen Einfluss auf weitere Körperregionen ausüben und deshalb auch maßgeblich für unser Verhalten und unser Wohlbefinden sind. Sie erklärt, welche Ent- und Belastungen mit hormonellen Veränderungen, wie der Menopause einhergehen (können).
Warum es wichtig ist, „Wir Superheldinnen“ zu lesen
Bücher, wie “Wir Super Heldinnen” von Dorothee Biener sind wichtig, weil sie uns Frauen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen vermitteln. Sie zeigt uns Heilungs- und Behandlungsmöglichkeiten für Krankheiten und Beschwerden auf. In Fallbeschreibungen nimmt sie uns an die Hand und erklärt, wie im Einzelfall gehandelt werden kann. Nicht zuletzt können wir durch Bücher, wie das von Dorothee Biener Freude, Spaß und Wertschätzung für den eigenen Körper erfahren und lernen.
„Als Frauenärztin kann ich wirklich und voller Überzeugung sagen: Jeder Körper kann schön sein. Ich sage bewusst „kann“ und nicht „ist“, denn so einfach ist das mit der Schönheit nicht. Sicher ist nur, dass Schönheit sehr viel mehr bedeutet als Idealmaße oben- oder untenrum. Schön ist, wenn sich eine Frau in ihrem Körper wohlfühlt. Schön ist, wenn sie in ihm angekommen ist und diese Harmonie auch ausstrahlt. Denn tatsächlich müssen wir erst lernen, in unserem Körper zu Hause zu sein.“ (S. 83)
Medical Gaslighting
Das Buch reduziert das Risiko für „Medical Gaslighting“, weil eine aufgeklärte und selbstbewusste Patientin weniger anfällig für Manipulationen, Falschaussagen oder Vorurteile ist. So kannst du durch die Lektüre von „Wir Superheldinnen“ eine zufriedenstellende Kommunikation mit Ärzt*innen, Therapeut*innen und im Gesundheitssystem erreichen. Im Zweifelsfall kannst du dich besser erklären, darstellen und für dich einstehen.
Weibliche Scham
Scham-Gefühle können sozial konstruiert sein. Sie bestätigen bestehende Herrschafts- und Machtverhältnisse. Sie können uns aufhalten, hemmen, blockieren und schaden. Durch Bücher, wie „Wir Super Heldinnen“ kannst du lernen, deinen Körper als etwas Natürliches und Wunderbares anzuerkennen – und, dass du dich dafür nicht verstecken musst!
Female- und Patient-Empowerment
Empowerment von Frauen ist Teil der Internationalen Entwicklungsagenda (SDGs) und aus der gesellschaftspolitischen Diskussion nicht mehr wegzudenken. Frauen sollen Macht und Kontrolle über ihr eigenes Leben gewinnen und Entscheidungen treffen. Frauen in Deutschland sind Patientinnen eines Gesundheitssystems, von dem gefordert wird, dass Patient*innen darin mehr mitwirken sollen. Auch hier leistet das Buch von Dorothee Biener einen tollen Beitrag für die Interessen und Belange von Frauen!
Gesundheitskompetenz
… ist Teil des Female- und Patient-Empowerment und wird durch das Buch „Wir Super Heldinnen“ unterstützt.
Gender Health Gap
Der Gender Health Gap geht darauf zurück, dass geschlechtsbezogene Unterschiede in der Medizin lange unterschätzt und ignoriert wurden. In Wirklichkeit sind Erkrankungsursachen und -verläufe aber geschlechtsbezogen oft unterschiedlich. Deshalb entsteht ein Risiko, dass Frauen falsch diagnostiziert und behandelt werden. Auch andere Ungleichheitsaspekte, wie verfügbares Einkommen, können eine Rolle spielen. Ebenso kann die Wahrnehmung von Gesundheit und Gesundheitsversorgung geschlechtsbezogen unterschiedlich sein. Deshalb ist für Frauen eine geschlechtersensible Behandlung durch Ärztinnen zu empfehlen. Auch hierzu trägt das Buch von Dorothee Biener bei. Sie stellt gesundheitsbezogene und frauenspezifische Erkenntnisse und Zusammenhänge gut verständlich dar und klärt auf, so dass sich frau im Gesundheitssystem gut orientieren und behaupten kann.
Viel Spaß beim Lesen!
Anna Raith



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