Es wäre so viel einfacher – oder: gut genug ist gut genug. (die (un)vereinbarkeit & ich)

Was für ein Tag. Geplant war für heute:

  • der Mann hat Frühdienst.
  • ich bringe den Gu in die Kita, gehe arbeiten*, hole den Gu ab, hole mit ihm das Bio-Abo ab, gehe einkaufen.

Morgen war folgendes geplant:

  • der Mann hat Frühdienst.
  • ich bringe den Gu in die Kita, gehe dann zur Weiterbildung, auf dem Rückweg noch einkaufen und den Gu wieder abholen.

Für Freitag sah die Planung so aus:

  • der Mann geht morgens mit dem Gu zum Babyschwimmen, geht einkaufen und übergibt das Kind dann am frühen Nachmittag meinen Eltern, die extra deswegen früher für das Wochenende bei uns anreisen, dann geht er zum Spätdienst.
  • ich habe den zweiten Tag der Weiterbildung und verbringe den Abend mit dem Gu und meinen Eltern.

Am Wochenende wollten wir uns ausruhen, Wäsche machen, die Wohnung putzen und den Gu möglichst oft meinen Eltern überlassen.

Alles gut durchgeplant. Um nicht zu sagen: perfekt. Stressig, aber perfekt.

© die (un)vereinbarkeit & ich

Und dann wurde die Ärztin vom Spätdienst krank. Im Krankenhaus wurde umgeplant, der Mann hat die ganze Woche Spät- statt Frühdienst. Ooo-kay. Macht die Sache einerseits stressiger (weil die Abende allein mit dem Gu nach einem langen Tag zur Zeit ziemlich aufreibend sind) und andererseits entspannter (weil der Mann den Gu morgens in die Kita bringen, das Bio-Abo abholen und das Einkaufen übernehmen kann).

Und dann bekam der Gu letzte Nacht Fieber.

Am Morgen war’s besser, der Mann brachte ihn in die Kita, ich ging zur Arbeit. Um halb drei dann der Anruf. Der Gu hat hohes Fieber, bitte holt ihn ab.

Wir haben für so einen Fall – wir beide bei der Arbeit, der Gu kann nicht in der Kita bleiben – keinen Plan B. Meine Schwester könnte ihn höchstens in einem absoluten Notfall abholen, sie arbeitet ja auch. Sonst ist da niemand.

Und weil es nicht geht, dass im Krankenhaus mal eben niemand zum Spätdienst kommt, weil ein kleiner Junge in der Kita Fieber bekommen hat, musste ich die Leitung der wichtigen Sitzung, die ich seit einer Woche vorbereitet habe, jemand anderem überlassen und Hals über Kopf gehen. Der Mann konnte den Gu zwar noch holen, zu Hause gab es dann aber nur einen fliegenden Wechsel, er musste sofort los.

Und da lag ich mit einem fiebrigen Kind auf meiner Brust im Bett und fragte mich wieder einmal, wie wir das auf die Reihe kriegen, wenn ich tatsächlich einen richtigen Job finden sollte. Wie soll ich pro Kita-Tag acht Stunden und 24 Minuten arbeiten? Von 8:00 bis 12:30, von 13:00 bis 17:00 Uhr. Das heisst: um 7:00 aus dem Haus, damit ich um 8:00 am Arbeitsplatz bin. Das bedeutet zehn Stunden Kita für den Gu.

Welcher Arbeitgeber hat Verständnis dafür, dass ich von einer Minute auf die andere gehen muss, um mein krankes Kind abzuholen, und nein, der Mann kann nicht, er kann wirklichnicht?

Der Mann hat heute Vormittag die Böden gewischt, schonmal Wäsche gemacht, das Bad geputzt und eingekauft. Er hat das Bio-Abo abgeholt. Ich bin nicht alleine, wir sind ein gutes Team. Aber reicht das?

Dem Gu ging es dank fiebersenkenden Medikamenten bald etwas besser, doch er wollte nicht essen und dass das gut so war, zeigte sich wenig später, als er aus seinem TrippTrapp heraus heftig auf den frisch geputzten Küchenboden erbrach.

Meine Hose, seine Kleider, das Polster im TrippTrapp – Kollateralschäden. Jetzt ist er wieder sauber, und wir liegen im dunklen Zimmer, Einschlafstillen. Ich bin am Ende meiner Kräfte und hoffe auf eine ruhige Nacht. Denn morgen will ich ja zu der Weiterbildung, die ich im April schon einmal absagen musste, weil der Gu krank war. Wenn er morgen nicht in die Kita kann, muss ich dem Kursleiter sagen, dass ich nur bis um 15:30 Uhr bleiben kann, weil der Mann mir dann den Gu vorbeibringt. Fliegender Wechsel. Es gibt Schlimmeres. Und es wäre mit Frühdienst noch schlimmer gewesen, dann hätte ich mich gleich abmelden können für morgen.

Irgendwie wird es wohl gehen. Mit Hängen und Würgen, mit Ach und Krach, wie meistens. Was dabei alles auf der Strecke bleibt? Ich möchte gar nicht darüber nachdenken.

Warum bleibe ich nicht einfach zu Hause? Geniesse die Tage mit dem Gu, mache in Ruhe Haushalt, backe jede Woche mindestens einmal Kuchen.

Es wäre so viel einfacher.

Und gleichzeitig ist es absolut keine Option, aus so vielen Gründen nicht. Ich wünschte mir nur manchmal ein Auffangnetz für diesen Tanz auf dem Seil, eine Eskalationsstufe mehr vor der Katastrophe. Aber man kann nicht immer gewinnen. Irgendwie wird es gehen. Vielleicht nicht perfekt. Das ist sowieso eine der ganz grossen Aufgaben, die das Leben mir mit dem Gu geliefert hat: ich muss meinen Frieden damit machen, dass gut genug eben wirklich gut genug ist.

*im Moment arbeite ich zwei Tage in der Woche an einem befristeten Projekt, das ohne meinen Einsatz nicht umgesetzt werden würde. Ich bekomme weiterhin mein Arbeitslosengeld, der Arbeitgeber bekommt meine Kompetenzen, meine Erfahrung, meine Zeit, muss mich aber nicht bezahlen. Ich sammle Erfahrungen und verkleinere die Lücke im Lebenslauf (und habe weniger Zeit für mich und für Bewerbungen, aber eben. Was tut man nicht alles.)

Mehr von Nina könnt ihr hier lesen: unvereinbarkeit.wordpress.com

(Visited 59 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.