Offener Brief an einen Masseur in Bremen (Triggerwarnung!)

Liebe Leser*innen, der folgende Beitrag erreichte unsere Redaktion in diesen Tagen. Das Thema ist wichtig. Deshalb haben wir uns entschlossen, diesen Offenen Brief von betroffenen Frauen hier zu veröffentlichen.

 

Triggerwarnung: Dieser Text thematisiert sexuelle Übergriffe!

Wenn Männer sich seit der #metoo Debatte verunsichert fühlen, ist das eine begrüßenswerte Verunsicherung. Statt dessen stellt sich die Frage, ob ein Bedürfnis nach Berührung und (sexuellem) Kontakt vom Gegenüber geteilt wird. Wer verunsichert ist, kann und sollte fragen, um Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.

Sexuelle Übergriffe bei Massagen als verbreitetes Problem

Gestapelte Frotteehandtücher

(c)frauenseiten

Wie kann es sein, dass sexuelle Übergriffe oft in Situationen stattfinden, in denen es von vornherein verwunderlich erscheinen würde, zu erfragen, ob eine sexuelle Handlung erwünscht ist? Bei einer Massage wäre schon die Frage unvorstellbar. Während eine Kundin nackt daliegt und sich entspannt, sagt ihr der Masseur, dass er erregt ist. Er fragt, ob sie seinen erigierten Penis spüren möchte, ob er ihre Brüste und Genitalien massieren oder in sie eindringen darf und sagt, dass er sie gern küssen würde.

Was aber, wenn er gar nicht erst fragt? Er nutzt aus, dass sie erst alle unangenehmen Berührungen für versehentliche hält, weil sie es nicht glauben will und dann zu perplex ist, um sich zu wehren. Zum Schluss bittet er sie, mit niemandem darüber zu sprechen und belästigt sie überdies im Nachhinein per Mail, Facebook und auf dem Handy. So und so ähnlich berichten seit Jahren immer wieder Frauen über einen Masseur in Bremen. Auch wenn die allermeisten männlichen Masseure professionell handeln und ihren Kundinnen mit Respekt begegnen, stellt er keinen Einzelfall dar. Das Online Magazin „I love Spa“ hat das Thema sexuelle Übergriffe in der Massage aufgegriffen. Wie erschreckend verbreitet das Problem ist, lässt sich in mehreren Artikeln nachlesen.

Warum deine Masche so perfide ist

ausgestreckte hand als Schatten

© privat ; Robers

Deine Massagen haben laut Homepage eine Steigerung des Wohlbefindens zum Ziel. Für uns haben sie das Gegenteil bewirkt. Du lässt deine Kundinnen eine Art Blanko-Vollmacht ausstellen. So versuchst du die Verantwortung für alles, was dann passiert, der Kundin zu übertragen und nutzt dabei ein bekanntes Phänomen aus: Wer sexuelle Übergriffe erlebt ist oft unsicher, ob nicht eine Mitschuld besteht und daher kein Recht darauf, wütend zu sein. Uns trifft aber keine Schuld.

Du bist derjenige, der rücksichtslos eine Situation ausnutzt, in der wir uns mit einem Vorschuss an Vertrauen im wahrsten Sinne des Wortes „in deine Hände“ begeben. Eine Machtposition, die schon darin offensichtlich wird, dass du angezogen über uns stehst und wir nackt vor dir liegen. Mit dieser Situation professionell umzugehen, liegt in deiner Verantwortung. Stattdessen spekulierst du darauf, dass dein unerwarteter Übergriff auf keine Gegenwehr stößt, weil wir überrascht und verunsichert sind. Wir konnten uns nicht wehren, wir konnten nicht „Stopp“ oder „Nein“ sagen, weil du diesen Effekt ausnutzt, der uns handlungsunfähig macht. Zu wenige Frauen lernen, dass sie sich laut wehren dürfen oder sind darin geübt sich zu wehren. Diesen Umstand auszunutzen, ist allein dir anzulasten. Auch dass du gezielt sehr junge Frauen ansprichst und Gratismassagen nach der Schließzeit anbietest, zeigt, dass du darauf aus bist sie in eine Situation zu bringen in der es schwer fällt sich zu wehren.

Für sexuelle Handlungen braucht es explizite Zustimmung!

Gestapelte weiße Frotteehandtücher

(c)frauenseiten

Du nimmst in Kauf, dass Menschen zu Schaden kommen, dass Menschen, die Gewalt erlebt haben, retraumatisiert werden und bringst den Beruf des Masseurs (insbesondere den der männlichen Masseure) in Misskredit. Wir wollen, dass du dich im Rahmen einer Täterberatung mit dem Thema auseinandersetzt und, für potenzielle Kundinnen sichtbar auf deiner Internetseite, erklärst zu welchen Erkenntnissen du in dieser Auseinandersetzung gekommen bist, an welche Standards du dich in Zukunft halten willst und mit welchem Geldbetrag du die Arbeit des Frauennotrufs in Bremen unterstützt.

Wir wollen dass du die „Massagen“ aus dem Angebot nimmst und in deiner Arbeit in Zukunft professionelle Distanz zu Saunabesucherinnen wahrst, das heißt Kundinnen keine unangenehmen Gespräche aufdrängst und Abstand hältst, statt dich an nackten beziehungsweise halbnackten Frauen vorbeizudrängeln, obwohl genug Platz wäre. Keine Kundin ist zu deinem Vergnügen da! Jedenfalls lassen wir uns nicht mehr zum Schweigen bringen. Wir sprechen miteinander darüber und mit allen, die es hören wollen. Je mehr wir uns vernetzen, desto deutlicher wird die erschreckend große Zahl derer, die von sexuellen Übergriffen deinerseits betroffen sind.

Wenn ihr betroffen seid oder Betroffene kennt, setzt euch gern mit uns in Verbindung. Schreibt eine Mail an die frauenseiten mit dem Betreff „Massage“. Wir wollen gemeinsam dafür sorgen dass er nicht so weiter machen kann. Meldet euch auch, wenn ihr euch vorstellen könnt bei der Polizei eine Aussage zu machen.

notruf – Psychologische Beratung bei sexueller Gewalt: www.notrufbremen.de
Weißer Ring Bremen: https://bremen.weisser-ring.de/

Eine Gruppe von betroffenen Frauen

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  13 comments for “Offener Brief an einen Masseur in Bremen (Triggerwarnung!)

  1. Ulrike Hauffe
    9. März 2018 at 11:54

    Der Masseur gehört angezeigt!!!!

  2. Sabina Lange
    9. März 2018 at 15:50

    Der Täter sollte angezeigt werden und zukünftig gar nicht mehr in der Sauna bzw. im Massagebereich arbeiten dürfen. Ein solches Verhalten ist schließlich kein „Versehen aus Unkenntnis“, sondern ein sexueller Übergriff.

  3. Dilsher
    10. März 2018 at 21:14

    Ich bin der Meinung, dass die Kundin bei sexuellen Belästigungen keinesfalls schweigen muss. Denn ihr schweigen führt dazu, dass der Täter mit seinen Sexuellen übergreifen weiter macht und so trägt sie auch einen tail der Verantwortung von dem nächsten Übergriff.

  4. Susanna Janke
    11. März 2018 at 0:50

    Ich weiß genau worum es geht. Ich habe es erlebt und bin entsetzt dass ich das hingenommen habe weil ich ebenso perplex war.

  5. Ulrike Hauffe
    12. März 2018 at 14:50

    Umso mehr nochmals: ANZEIGEN! Und im Zweifelsfall sich beim Notruf e.V. beraten lassen.

  6. Masseurin
    12. März 2018 at 17:19

    Um welchen Masseur handelt es sich denn ???
    Das verbreitet das Gerücht, dass männliche Masseure generell ihren Beruf ausnutzen „als verbreitetes Problem“.
    Ich finde es falsch denen gegenüber, die ihre Arbeit professionell machen und die Grenzen wahren, so wie ich es von meinen männlichen Kollegen kenne und auch von ihnen gelernt habe.
    Wendet euch doch direkt an die besagte Person und nicht auf diese indiskrete Weise und andere zu schaden. Den Frauen helft ihr damit nicht!

    • redaktion
      12. März 2018 at 17:36

      Liebe Masseurin,
      wir müssen die Autorinnen hier in Schutz nehmen. Sie schreiben ja „Auch wenn die allermeisten männlichen Masseure professionell handeln und ihren Kundinnen mit Respekt begegnen, stellt er keinen Einzelfall dar.“ Es wird also nicht gesagt, dass Masseure generell ihren Beruf ausnutzen. Dennoch ist dies kein Einzelfall und wir sollten denen, die die Grenzen der Frauen missachten klar begegnen. Das ist aus unserer Sicht auch positiv für all die professionellen Masseure die eine gute und wichtige Arbeit machen. Aus rechtlichen Gründen darf aber kein Name genannt werden.

  7. Ulrike Hauffe
    13. März 2018 at 11:16

    Die Polizei ermittelt, die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet: siehe http://www.butenunbinnen.de auf der ersten Seite! Titel: „Bremer Masseur soll jahrelang Frauen missbraucht haben“

    • Janni
      14. März 2018 at 21:03

      Die taz hat auch darüber berichtet

  8. Unbekannt
    14. März 2018 at 22:27

    Es ist fast 10 Jahre her, ich hatte es verdrängt. Ich hatte einen Gutschein für die Massage mit Saunabesuch – der Masseur massierte unaufgefordert im Intimbereich – ich war völlig perplex. Es kam zu einem entspannten Orgasmus, ich weiß nicht, ob er es mitbekommen hat – mir war es jedenfalls sehr peinlich. Anschließend habe ich im Ruheraum tief geschlafen und bin dann nochmal in die Sauna gegangen. Ich bin danach nie wieder in diese Sauna gegangen – da ich bereits 50 Jahre alt war, war es für mich nicht traumatisierend, aber irgendwie sehr merkwürdig. Ich wusste gar nicht, wie ich es einordnen sollte – normalerweise kann ich mich gut gegen sexuelle Belästigung wehren. Irgendwie habe ich mich geschämt, obwohl ich eigentlich auch nichts zum schämen fand – es war einfach eine physiologische Reaktion meines entspannten Körpers auf die Berührungen. – Ich habe es verdrängt, durch den Zeitungsartikel fiel es mir heute wieder ein – wahrscheinlich ist es ja die gleiche Sauna. Tatsächlich ist es extrem perfide – ich bin froh, dass mir als junge Frau so etwas nicht passiert ist. Frau will sich entspannen, gönnt sich eine Massage und dann wird es mit Sex gemischt… die Grenzen verschwimmen total und frau fragt sich wirklich, wo hätte ich nein sagen müssen, was habe ich falsch gemacht… Naja, ich habe es abgehakt für mich, aber gut, wenn dem Masseur jetzt das Handwerk gelegt wird. Erstaunlich auch, dass ich damals mit niemand darüber geredet habe, denke ich im Nachhinein … ich habe es wirklich einfach in die Ecke der Erinnerungen, die ich nicht gerne habe gesteckt. – Gut dass jetzt drüber geredet wird.

  9. Horst
    15. März 2018 at 3:46

    Vor Jahren (ca.2013) erzählten mir 5 Frauen in einer Küche beim gemeinsamen Klönen und Kochen (bei einem Seminar) folgendes:

    „Ja..ist bekannt …das DER das „so“ macht.
    Ich kann ja Nein sagen…habe es aber genossen…Ich bin Single…..Ich gehe da nochmal hin..“.

    Mir bot er weitere „Massagen“ gratis an….wenn er meine Brüste kneten darf….“

    „Ich habe mich immer gewundert…wie weit der geht….fand’s unangehm“.

    „Ich finde es total fies und das geht gar nicht. Ich werde da nie hingehen.“

    „Ich war erschrocken…verblüfft, ich habe nichts dagegen getan….nichts gesagt….“

    ————————————————

    UND I C H BIN WOCHEN SPÄTER (bis heute….) MIT DIESEM ENTSETZLICHEN WISSEN HERUMGELAUFEN…UND HABE „AUCH“ (!!!) Nichts GETAN.

    Niemand hat etwas „dagegen“ getan….jahrelang!

    SCHRECKLICH!

    Bitte haltet zusammen und tut jetzt etwas!!!

    https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/missbrauch-bremen-masseur100.html

    http://www.taz.de/!5488144/

  10. Betroffene
    15. März 2018 at 22:19

    @Dilsher:Was aber wenn einem währenddessen und auch im Nachhinein gar nicht richtig bewusst ist, dass etwas falsch läuft weil es so subtil ist oder man es am liebsten auch gar nicht wahrhaben will? Und einfach ein komisches Gefühl zurückbleibt, man sich aber schlichtweg nicht davon kriegen lassen möchte? Es klingt so als wäre es das Leichteste der Welt über darüber zu sprechen. Vielleicht WILL man einfach nicht das Opfer sein, vielleicht will man es einfach nur vergessen!So einfach ist es nicht immer. Und da von einer Verantwortung zu schreiben finde ich sehr gewagt und es ärgert mich so etwas lesen zu müssen. Ich kann nachvollziehen was gemeint ist und ich gebe dir Recht, dass es natürlich das Beste wäre.. Aber trotzdem wühlt es mich gerade auf verantwortlich gemacht zu werden. Und NEIN, nachdem ich auch noch andere Artikel über diesen Fall gelesen habe. Den betroffenen Frauen Vorwürfe zu machen, dass sie anders reagieren müssen ist FALSCH! Es ist ein widerliches Gefühl und es hilft nicht das Verhalten der Frauen anzuprangern. Das wäre die Kirsche auf der Sahne, wenn man während und nach eines sexuellen Übergriffes so mutig ist. ja und dafür wird viel Prävention betrieben. Die Realtität sieht aber oft leider NOCH anders aus. Ich hoffe inständig auf mehr Mut seitens der Betroffenen, aber in erster Linie ist es so erschütternd zu lesen, dass der eigene Fall kein Einzelfall war und ich kann da das Wort Mitverantwortung nicht gebrauchen.. im Nachhinein! Im NACHHINEIN sind wir immer alle ganz schlau, jaja.. Sorry, aber NEIN! Der Täter ist der Täter. Punkt. Und in Zukunft werde ich es hoffentlich anders machen.. (Du merkst, das schlechte Gewissen gegenüber den Frauen die danach in der Sauna massiert wurden ist eh schon da. Aber verantwortlich, das fühlt sich gerade so an, als wäre man auf einer Stufe mit dem Übergriffigen. )

  11. Extremmasseur
    13. Mai 2018 at 23:37

    Das ist die Power des Internets. Zum Glück können sich betroffenen nun leichter vernetzen und austauschen.

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