An einem Baby und seiner Ankunft in Deutschland entzündete sich am Wochenende ein politisches Drama. Dies und weitere genderpolitische Nachrichten lest ihr im Presse-Pott, bevor der sich in die Sommerpause verabschiedet.
Baby bekommen – Job weg
Das war bisher das alleinige Schicksal von Frauen. Nun hat es einen Mann getroffen. Jens Spahn, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag, postete letzte Woche zusammen mit seinem Ehemann ein Foto mit Kinderwagen und freute sich über Familienzuwachs: ein Sohn, geboren von einer Leihmutter in den USA. Allerdings ist Leihmutterschaft in Deutschland illegal, und seine Partei sowie auch er selbst hatten sich bisher immer vehement dagegen ausgesprochen, das Gesetz zu ändern. Es hagelte Kritik von vielen Seiten. Diese hier von Mandy Mangler, Chefärztin der Gynäkologie, finden wir besonders zutreffend. Es gab Rücktrittsforderungen, schließlich auch aus seiner eigenen Partei, und als der Druck zu groß wurde, erklärte er seinen Rücktritt vom Posten des Fraktionsvorsitzenden.
Ein Wagen mit dem Bürgermeister
Zum Berliner CSD am 25.7.2026 plant der Regierende Bürgermeister von Berlin Kai Wegener (CDU), erstmals mit einem eigenen Wagen der Senatskanzlei an der Pride Parade teilzunehmen. Man könnte das jetzt für einen großen Fortschritt halten. Allerdings gibt es auch Kritik, die das für ein Wahlkampfmanöver kurz vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September hält. Denn während für den Truck, einschließlich Werbemaßnahmen, insgesamt circa 380.000 Euro eingeplant sind, wurden gleichzeitig enorme Einsparungen im Kultur-Haushalt der Stadt beschlossen, insbesondere auch im queeren Bereich. Näheres hier.
Plattformen zensieren Feminismus
Auf Einladung der Abgeordneten Alexandra Geese (Grüne) fand eine Pressekonferenz im Europaparlament statt, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wie die Internet-Plattform Meta feministische, queere und pro-demokratische Stimmen zensiert, während seine Algorithmen Frauenfeindlichkeit und Hass in Millionen von Feeds verbreiten. Die Forderung: Die Europäische Kommission müsse den Digital Services Act (DSA) konsequent durchsetzen, gegen Meta ermitteln und klarstellen, dass unsere Grundrechte in Europa für Big Tech keine Option sind.
Latte höher legen
„Raising the Bar“ heißt ein neuer Bericht der European Broadcasting Union mit Empfehlungen, um besonders die Bildberichterstattung bei den kommenden Europameisterschaften auf ein zivilisiertes Niveau zu heben. Bilder und Film-Aufnahmen, die Athletinnen besonders enthüllend, von hinten, von unten oder unnötig in Zeitlupe zeigen, sind nicht mehr willkommen bei der Berichterstattung – denn wirklich gute Kameraarbeit ist auch respektvoll, heißt es da. Tja, eine entsexualisierte Kleiderordnung für die Sportler*innen wäre auch respektvoller.
Jugendschutz im Netz auf Europaebene?
Am 16. Juli 2026 ist Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien nach Brüssel gereist, um mit Vertreter*innen der Europäischen Kommission sowie Abgeordneten des Europäischen Parlaments über den besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt zu beraten. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen die am 13. Juli 2026 vorgestellten Empfehlungen des von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eingesetzten Expertenpanels sowie die Ergebnisse der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ der Bundesregierung, die am 24. Juni 2026 veröffentlicht wurden. Beide Expertengremien kommen zu einem vergleichbaren Ergebnis: Kinder unter 13 Jahren sollten soziale Netzwerke grundsätzlich nur unter Aufsicht der Eltern oder in einem pädagogischen Kontext nutzen. Außerdem stellen die Minister*innen beider Länder den Schutz von Frauen und Mädchen in das Zentrum der deutsch-französischen Zusammenarbeit.
Politischer Gender-Gap auch in Schweden
Schweden ist stolz auf die Gendergerechtigkeit im Lande, doch auch dort gehen die Geschlechter politisch in verschiedene Richtungen: die Männer eher rechts, die Frauen eher nach links
Sexueller Missbrauch an Müttern
Dr. Amanda Holt, die seit 20 Jahren zum Thema Missbrauch von Eltern durch ihre Kinder forscht sagt: „Wir reden über körperlichen, psychologischen und finanziellen Missbrauch – aber nie über sexuellen Missbrauch gegenüber den Eltern.“ Mit ihrem neuesten Forschungspapier versucht sie, diese Lücke zu schließen. Bei vielen Formen der Gewalt gegen Elternteile spielen das frühe Erleben von häuslicher Gewalt oder Traumata eine Rolle sowie verschiedene Verhaltensstörungen, zum Beispiel die oppositionelle Trotzstörung. Doch bei sexuellem Missbrauch gegenüber den Eltern – in 96 Prozent der Fälle ist es die Mutter – scheint neuerdings auch der Zugang zu schädlichen sexuellen Inhalten im Internet eine große Rolle zu spielen. Mütter scheuen sich, auf den Missbrauch aufmerksam zu machen aus Angst, dass ihnen selbst die Schuld gegeben wird.
Achtjährige Ehefrauen
Seit ihrer Machtübernahme 2021 haben die Taliban sowohl Mädchen die Schulbildung verbnoten als auch eine starke humanitäre und wirtschaftliche Krise in Afghanistan ausgelöst. Aufgrund von Schulden und finanzieller Not verkaufen Familien ihre kleinen Töchter, die mit 18 Jahren unter Umständen schon vier Kinder geboren haben. Die perinatale Sterblichkeit der minderjährigen Mütter ist stark angestiegen.
Femicide Observatory
Dr. Summaiya Syed-Tariq, Oberste Polizei- und Gerichtschirurgin in Karachi (Pakistan) will dort eine „Femicide Observatory“ einrichten, um die stark gestiegene Brutalität der dortigen Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu analysieren und Abhilfe zu schaffen. In einer Gesellschaft, die ohnehin Frauen missachtet sind die Auswirkungen von Online-Pornografie und Frauenhass im Netz spürbar schlimmer als woanders.
Podcasts Podcasts …
„Warum ich für eine Reformierung des Sexualstrafrechts kämpfe„, erklärt Claudia Wuttke bei innn.it talks. Sie redet über eine Gesetzeslücke, die in dieser Form erst seit 2016 existiert – und dafür sorgt, dass 65 der 67 dokumentierten Vergewaltigungen an ihr bereits verjährt sein sollen. Ihre Empfehlung an alle: „Ich kann Frauen nur wünschen, dass sie sich solidarisieren“. Finden wir auch.
Warum Frauenhass im Netz junge Männer erreicht: Nano spricht ( in den ersten 10 Minuten der Sendung) mit Paula Matlach vom Projekt „Mapping the Germanosphere„, mit Lea Lorenz, Olaf Stuve und anderen. Auch über die Tate-Brüder (die nun endlich wegen Vergewaltigung und Menschenhandel nach Großbritannien ausgeliefert werden sollen) und über Maximilian Krah (AfD) erfährt man mehr.
Von Boom bis Z: Bei der Teamfolge mit Jasmin erfahren wir, warum eine aus Gen Z von Spotify auf circa 60 Jahre geschätzt wird, und wieso Brokkoli zur Persönlichkeit gehört.
Bremen News
Hitzeschutz für Wohnungslose Frauen. Der Bremer Verein LieLa e.V. startet zusammen mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) das Projekt „HiWo – Gendersensibler Hitzeschutz für wohnungslose Frauen“. So sollen erstmals die Bedarfe wohnungsloser Frauen im Zusammenhang mit der Klimakrise systematisch erfasst werden, um daraus wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen abzuleiten. „Gesundheitliche Chancengerechtigkeit im urbanen Raum muss gerade dort greifen, wo es keine schützende Haustür gibt. Besonders Frauen auf der Straße sind von Hitze sowie fehlendem Zugang zu Wasser und Schutzräumen betroffen. In bisherigen Hitzeschutzkonzepten sind sie jedoch schlicht unsichtbar“, so Charlotte Schmitz, die 1. Vorsitzende des Vereins.

Ungewollt schwanger in Bremerhaven? Eure Meinung ist gefragt! Larissa Walter und Nha My Hoang schreiben an der Uni Bremen ihre Masterarbeit zum Thema „Qualität und Bedarfsgerechtigkeit der Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen in Bremerhaven“. Mit eurer Teilnahme helft ihr dabei, Versorgungslücken sichtbar zu machen und die Unterstützungsangebote für Betroffene zu verbessern. Die Online-Befragung ist anonym und dauert nur circa fünf Minuten. Teilnahme ist ab 18 Jahren. Einfach QR-Code scannen! Oder nachfragen unter: ungewollt.schwanger.in.bhv@gmx.de . Link zu Umfrage.
Opfer von Gewalt- und Sexualstraftaten brauchen psychosoziale Prozessbegleitung: Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften, die Betroffene professionell durch Strafverfahren begleiten und ihnen Orientierung sowie Sicherheit vermitteln können wächst kontinuierlich. Deshalb macht das Institut für Polizei- und Sicherheitsforschung (IPoS) auf die zertifizierte Weiterbildung „Psychosoziale Prozessbegleitung“ aufmerksam, die am 2. November 2026 in Bremen beginnt und circa 20 Termine umfasst. Bewerbungen bis zum 15.9.2026.
Bremen pflastert ab. Der Klimawandel und die Hitze belasten Frauen*, alte Menschen und Kinder besonders stark. Was helfen kann ist die Entsiegelung von Flächen wie zum Beispiel (Vor-) Gärten oder Hinterhöfen, also die Entfernung von Steinen oder Beton, um den Erdboden freizulegen und zu bepflanzen. Um das zu erreichen, hat die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft, Henrike Müller, den Wettbewerb „Bremen pflastert ab!“ ausgerufen. Noch bis Ende Oktober können Bürger*innen, Unternehmen und Vereine um die Wette entsiegeln und versuchen, einen der begehrten Preise zu gewinnen und gleichzeitig Bremen im bundesweiten Wettbewerb (abpflastern.de) zu einem Platz auf dem Treppchen zu verhelfen. Seit Ende Juni lag Bremen im Wettbewerb der Großstädte auf Platz 1 mit bisher 471,25 Quadratmetern entsiegelter Fläche. Besonders bemerkenswert: Fast alle der knapp 30 Flächen stammen von Privatpersonen und die meisten sind klein, wie Vorgärten oder Terrassen. Der Wettbewerb läuft noch bis zum 31. Oktober 2026. Wer noch mitmachen will: Alle Informationen und Termine hier:
https://www.bremen-pflastert-ab.de/
Gesundheitsressort geht gegen „Konversionsbehandlungen“ vor. Sogenannte Konversionsbehandlungen zielen auf die Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität ab. Sie richten sich vor allem an Jugendliche und werden außer in heilkundlichen auch in religiösen und weltanschaulichen Kontexten angeboten. Schätzungen zufolge gibt es pro Jahr deutschlandweit 1.000 bis 2.000 Betroffene. Sie können zu erheblichen gesundheitlichen Problemen bis hin zum Suizid führen. Sie sind bei unter 18-Jährigen und Personen, deren Einwilligung auf einem Willensmangel beruhte, strafbar. Bereits für das Werben, Anbieten oder Vermitteln droht eine Geldbuße von bis zu 30.000 Euro. Die Zuständigkeit für diese Bußgeldbußverfahren wurde nun per Verordnung der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz zugeordnet. Betroffene können sich bei der senatorischen Behörde melden, und zwar per Mail an ann-kathrin.kunzmann@gesundheit.bremen.de. Ein sensibler Umgang der zuständigen Personen wird zugesichert.
Bürgermeister Bovenschulte für Unterhaltsvorschuss bis 18: „Bremen hat sich ebenso wie Mecklenburg-Vorpommern entschieden gegen Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss ausgesprochen“. Wörtlich heißt es in der Protokollerklärung: „Die Absenkung der Altersgrenze beim Unterhaltsvorschuss wird vom Land Bremen abgelehnt.“
Glenys & Irene



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