
Die neu erschienene Netflix-Dokumentation „Inside the Manosphere“ des britischen Dokumentarfilmers Louis Theroux erhält derzeit große Aufmerksamkeit im Internet. Das Thema „Manosphäre“ ist schon seit einiger Zeit in vielen sozialen Netzwerken präsent. Die Debatte um die „male loneliness epidemic“, „Incels“ und andere „Männerrechtsgruppen“ hat durch die Dokumentation nun eine neue Facette gewonnen. Der Filmemacher Louis Theroux, der bereits vor langer Zeit mit seinen Dokumentationen über verschiedene Extremismusgruppen Berühmtheit erlangte, richtet somit ein wichtiges Thema in den Fokus der Mainstream-Popkultur. In der Doku gewährt er Einblicke in das Leben einiger der einflussreichsten Personen der Manosphäre. Dabei wird ihr Geschäftsmodell und die Widersprüchlichkeit vieler ihrer Verhaltensweisen und Werte deutlich. Das übergeordnete Ziel ihres Handelns ist die Anerkennung durch andere Männer und Geld.
Was ist die Manosphäre?
Die Manosphäre ist ein loses Netzwerk aus Online-Communities, die sich an ein männliches Publikum richten. Viele Inhalte scheinen zunächst auf Selbstverbesserung ausgerichtet zu sein, vermitteln aber gleichzeitig ein sehr enges und aggressives Männerbild. Theroux beschreibt die Manosphäre als Gruppe fast ausschließlich männlicher Influencer, die Inhalte zu den Themen Fitness, Wirtschaft und Selbstverbesserung verbreiten. Es gibt auch andere Subgruppen der Manosphäre, die sich Pick-up-Artists (Verführungskünstler) oder Incels (unfreiwillig zölibatär Lebende) nennen.
Warum betrifft uns dieses Thema?
Das Thema betrifft uns alle, da diese Ideen und Denkweisen ein enormes Publikum und eine große Reichweite im Internet haben. Viele Influencer, die der Manosphäre zugeordnet werden, sind relativ Mainstream, doch am Rande gibt es eine Gemeinschaft von Persönlichkeiten, deren Ansichten weitaus extremer sind. Auf diesen extremen Teil konzentriert sich die Dokumentation.
Auch die radikalen Personen dieser Szene haben Millionen Follower und werden häufig auf offener Straße erkannt und angesprochen– primär von jungen Männern und männlichen Jugendlichen. Eine Internalisierung der teilweise extrem sexistischen, rassistischen, antisemitischen und verschwörungstheoretischen Ideologien ist hochproblematisch. Diese Ideen bleiben nicht im Internet, sondern übertragen sich auch auf das Weltbild und das Verhalten von Menschen (und besonders von jungen Männern) in der Realität und in der Politik. Eine solche Radikalisierung der Geschlechterrollen kann zu mehr Gewalt, Hass und Hetze führen und sollte daher nicht unterschätzt werden.
Lilja Ziemann



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