In der neuen Podcast-Folge unseres Generationenpodcasts „Von Boom bis Z“ sprechen Renate, Glenys und Lisann – drei Frauen aus drei unterschiedlichen Generationen – über ihre Eindrücke von der Theateradaption der Kopenhagen-Trilogie nach den Romanen Kindheit, Jugend und Abhängigkeit von Tove Ditlevsen.

Die ersten Eindrücke
Alle drei Podcasterinnen beschreiben das Stück als intensiv und gedankenvoll.
„Ich hab mich danach sehr voll gefühlt – von Bildern, Worten und Eindrücken.“ – Lisann
„Ich finde, man hat danach so ein Gefühl, als wenn man gerade ein tiefgründiges Gespräch mit jemanden geführt hat und sich da gefühlsmäßig so richtig reingegeben hat, also man sehr viel Kraft darein gesteckt hat. Aber das nicht unbedingt im schlechten Sinn.“ – Renate
Glenys beschreibt die Anschauung des Stücks ebenfalls als sehr kopflastig und konzentriert. Sie habe sich auch mehr Humor und Leichtigkeit gewünscht.
Zur Autorin
Die dänische Autorin, Tove Ditlevsen, die 1917 geboren wurde, gilt als Vorreiterin der autofiktionalen Literatur. In Dänemark gehören ihre Werke sogar zu den Pflichtlektüren in der Schule. Tove Ditlevsen wächst in einem Arbeiterviertel der 1920er Jahre auf. Bereits in jungen Jahren hat sie den Wunsch, zu schreiben. Auf diesen Traum, Schriftstellerin zu werden, begegnet sie allerdings als Mädchen zunehmend Widerstand, der sie doch nicht davon abhielt, ihren Traum nachzugehen und ihre Werke zu veröffentlichen. Ihr Leben zeichnet sich durch viele Schlaglöcher und Krisen aus. So ging sie durch vier Scheidungen, Drogenabhängigkeit und psychische Leiden. 1976 nahm sie sich ihr Leben.
Die Inszenierung am Theater Bremen erzählt ihr Leben nach ihren Romanen als „Die Kopenhagen-Trilogie“.
Drei Schauspielerinnen – eine Lebensgeschichte
Auf der Bühne verkörpern Irene Kleinschmidt, Lisa Guth und Emma Floßmann Ditlevsens Kindheit, Jugend und Erwachsensein. Das Zusammenspiel der drei Darstellerinnen beeindruckte alle Podcasterinnen. Sie bezeichnen es als sehr vertraut und dynamisch.
„An den Blickwechseln hat man gemerkt, wie ehrlich vertraut die Schauspielerinnen miteinander sind.“ – Renate
Besonders spannend war an der schauspielerischen Umsetzung aber, „wie die drei zusammen eine Person charakterisieren“, sagt Lisann.
Statt einer Person, die viele Rollen übernimmt, verschmelzen hier drei Perspektiven zu einer Figur – eine Erzählweise, die das innere Ringen der Autorin besonders greifbar macht und zeigt, wie eine Situation Einfluss auf unterschiedliche Lebensphasen haben kann.
Themen, die unter die Haut gehen
Die Inszenierung beleuchtet zentrale Motive aus Ditlevsens Leben, wie das Schreiben – ein unerreichbarer Traum, dem sie dennoch unbeirrt folgt. „Als Mädchen ohne Ausbildung das Unmögliche zu tun, das, was ihr verwehrt bleibt.“ So beschreibt Glenys ihren Traum vom Schreiben. „Es wirkte, als sei das Schreiben für sie ein Flucht“, so Lisann, ihr einziger Weg raus aus der Realität, eine Art Verarbeitung mit allem. Das wird in dem Stück zutiefst deutlich.
Da das Erreichen ihres Ziels, Autorin zu werden, für die Protagonistin fast unmöglich erscheint, nutzt sie Beziehungen, um sich Möglichkeiten zu schaffen, die ihr sonst verschlossen blieben.
„Sie wusste, sie will was haben […], als sie diesen Verleger so bezirzt als junges Mädchen. Das fand ich sehr zielstrebig.“ – Glenys
Renate empfand dieses Gefühl, dass die Protagonistin sozusagen immer schon die nächste Person in Petto haben müsse, als sehr erfrischend im Angesicht einer Zeit, in der es eigentlich als beschämend angesehen worden war, mehrere Eheschließungen zu durchlaufen.
Besonders eindrücklich wurde in dem Theaterstück auch die spätere Drogensucht, ausgelöst durch einen Arzt, den sie schließlich heiratet, dargestellt.
„Wie die eine ihren Arm einfach vor sich gehalten hat, wie in Trance und diesen Arm so vor sich führen ließ. Wie sie von ihrer Traumwelt fortgeführt wurde – das war unglaublich gut umgesetzt.“ – Glenys
Eine der emotionalsten Szenen war für Lisann der Moment, in dem die drei Darstellerinnen gemeinsam den Satz „Ich möchte dieses Kind nicht“ auf eine Leinwand schrieben – ein starker, schmerzhafter Ausdruck eines Tabus, der alle drei Ichs geprägt habe.
Unsere Empfehlung
Trotz der Schwere des Stoffes sind sich alle drei einig: Das Stück ist ein Erlebnis. „Es ist bewundernswert, wie Tabuthemen mit so wenig Mitteln so ergreifend dargestellt werden können“, sagt Renate, die das Stück bereits zweimal gesehen hat und festhält: „Ich würde es sogar ein drittes Mal sehen.“ „Man entdeckt immer wieder Neues.“
Wer sich vorab ein wenig mit Tove Ditlevsens Leben beschäftigt, so Glenys‘ Tipp, nehme noch mehr aus dem Theaterabend mit. Außerdem empfiehlt Renate die Einführung zum Theaterstück. Sie habe damit noch mehr Details wahrgenommen.
Linea Strugies



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