Unsere Frau der Woche: Marianne Kay

„Was würdest du tun, wenn dir nur noch wenige Tage zu Leben bleiben?“ Was für viele eine rein hypothetische Frage ist, ist für andere traurige Realität. Die letzten Wünsche sind meist nur Kleinigkeiten. Noch einmal ans Meer, die Liebsten sehen, ein Pferd streicheln oder eine Rosinenschnecke essen. Doch wenn man schwer krank ist, sind selbst Kleinigkeiten schwer umzusetzen. Dabei wünschen wir uns doch alle, zufrieden sterben zu können. Daher hat Marianne Kay, gemeinsam mit ihrem Mann, die “Infinitas-Kay-Stiftung: Ein letzter Wunsch.“ ins Leben gerufen.

Die Gründer Marianne & Hans-Michael Kay

Posted by Ein letzter Wunsch on Montag, 1. Juli 2013

Eine letzte Rosinenschnecke

Die Idee für ihre Stiftung kam Marianne Kay nachdem ihr Vater an Krebs starb. Sie war im Urlaub, als die Ärzte anriefen. Sofort eilte sie zu ihm ins Krankenhaus. Dort lag er in einem Sterbezimmer. Gemeinsam mit zwei weiteren Menschen, denen nicht mehr viel Zeit blieb. Doch er wurde zu früh ins Zimmer gebracht, also liegt er da und wartet auf den Tod. Seine Tochter an seiner Seite, Hand in Hand. Er schwärmt von den Rosinenschnecken, die er so gerne aß. Die mit dem süßen Zuckerguss. So gerne würde er noch eine letzte davon essen. Marianne Kay verspricht ihm eine zu kaufen, sobald die Bäcker wieder geöffnet haben. Doch dazu kam es nicht mehr, er stirbt noch in derselben Nacht. Sein letzter Wunsch bleibt unerfüllt.

Wenn sie sich heute an die letzten Stunden ihres Vaters zurückerinnert, fühlt sie sich alleingelassen. Sie hatten damals schreckliche Angst, doch die Pfleger*innen hatten keine Zeit. Für sie steht fest: „So darf ein Mensch nicht sterben

Daraufhin gründen sie und ihr Mann die Stiftung „Ein letzter Wunsch“. Denn sie möchten etwas für die Sterbenden tun, man sollte bei seinen letzten Schritten genauso umsorgt und behütet sein, wie bei seinen ersten.

Leben erleben

Krankenhäuser sind nun mal ein ökonomisches System und es wird oft an den falschen Ecken gespart. Pfleger*innen fehlt oft die Zeit und das Geld, sich um die Herzenswünsche der Sterbenden zu kümmern. Krankenkassen fühlen sich nicht mehr verantwortlich. Diese Lücke versuchen Marianne Kay und Hans-Michael Kay mit ihrer Stiftung zu füllen. Sie haben Projekt ins Leben gerufen, welches die letzte Lebensphase so schön wie möglich machen soll und den Abschied weniger schwer.

Seit 2008 hilft das in Deutschland einmalige Projekt dabei, Menschen mehr Glück und Zufriedenheit am Ende ihres Lebens zu geben. Es soll ihnen erleichtert werden, die letzten Schritte zu machen und ihnen das beruhigende Gefühl geben, in Frieden abzuschließen zu können. “Ein letzter Wunsch“ setzt sich aus verschiedenen Einrichtungen des Palliativ- und Hospizwesens zusammen. Die Menschen, welche zu ihnen kommen, werden nicht mehr als Patient*innen gesehen, sondern als Gäste. Diesen bieten sie kein Haus zum Sterben, sondern zum Leben. Zum Lachen und zum Reden, aber auch zum Weinen und Trauern. Marianne Kay selbst hilft dabei tatkräftig mit. Sie steht mit den Hospizen und ihren Gästen in Verbindung, ist stets erreichbar, um ja keinen Wunsch zu verpassen. Durch ihre gute Idee zu dem Projekt und ihr Engagement, ist sie daher zurecht unsere Frau der Woche. Die bewegenden Momente der Erfüllungen einiger Wünsche und Sehnsüchte könnt ihr euch hier ansehen.

Hannah Rößer

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