Das ewige Leid: Blasenentzündung

Wer sie einmal hatte, wird den Titel verstehen: Eine Blasenentzündung macht keinen Spaß. Schmerzen, das unangenehme Gefühl und der dauerhafte Harndrang sind kein Vergnügen. Frauen sind deutlich öfter betroffen als Männer und fast 50 Prozent aller Frauen erlebt in ihrem Leben mindestens eine. Ein Artikel zu dieser Volkskrankheit – von einer Betroffenen zur Anderen, in der Hoffnung, dass jemand hier noch etwas zusätzliche Hilfe findet!

Was genau ist eine Blasenentzündung?

Bei einer Blasenentzündung setzen sich Bakterien in der Blase fest und reizen die Blasenwand. Die dehnbare Blasenwand ist so empfindlicher und reagiert schneller auf den sich darin befindlichen Urin, man muss öfter auf die Toilette gehen. Die Reizung führt gleichzeitig zu Schmerzen der Blase beim Toilettengang, es kann auch zu Blut im Urin kommen. Dies ist die häufigste Form und wird im Allgemeinen mit Antibiotika behandelt. Problematisch ist es jedoch, wenn diese Entzündung mehrere Male in kurzer Zeit aufkommt. Dann wird von einer chronischen Blasenentzündung gesprochen, die oftmals nicht mehr mit Antibiotika kuriert werden kann. Bakterien können resistent werden und die Medikamente so nicht mehr helfen. Und in dieser Situation stecken viele junge Frauen, aber auch Frauen in den Wechseljahren.

Zeichnung: Medikamentendose und Tablettenkapseln

(c) Hannah Lena Puschnig

Was sind die Ursachen?

Die eigene Mutter hatte Recht mit dem klassischen Rat, sich nicht auf kalten Untergrund zu setzen. Unterkühlung der Blase ist ein häufiger Auslöser der Blasenentzündung. Im Winter ist das Risiko also höher! Häufig wird im Bekanntenkreis gekichert, wenn man als Frau eine Blasenentzündung hat, gerade zu Beginn einer neuen Beziehung, denn: Sex kann eine Ursache sein. Durch die Penetration beim Geschlechtsverkehr können Bakterien weiter in Richtung Harnröhre geschoben werden und sich dort besser festsetzen. Daher ist eine Blasenentzündung häufig auch als „Flitterwochenkrankheit“ bekannt. Und wer jetzt denkt: „Safer Sex sollte vor diesen Bakterien doch schützen!“, der*die muss leider enttäuscht werden. Die in vielen Verhütungsmitteln enthaltenen Spermizide können ebenfalls die Vaginalflora beeinträchtigen und eine Entzündung begünstigen. Warum bekommen es dann nicht die Männer? Da Frauen eine kürzere Harnröhre als Männer haben, gelangen die Bakterien schneller in die weibliche Blase. 

Was kann ich tun?

Bei den meisten Fällen ist ein Antibiotikum eine sichere Hilfe. Bei einer chronischen, d.h. einer in kurzen Abständen wiederkehrenden Blasenentzündung muss nach einer Alternative gesucht werden. Der*die Urolog*in kann Kulturen angelegen, um die Bakterien zu identifizieren und gezielt zu bekämpfen. Bekannte und bewährte Hausmittel sind Cranberries in jeglicher Form, sowie Blasen- und Nierentees, auch wenn diese Tees selten sonderlich schmackhaft sind. Aber auch Goldrutenkraut und Bärentraubenblätter sind gute Helfer – und, so meine Erfahrung, deutlich leckerer. Viel trinken ist immer wichtig, gerade bei einer Blasenentzündung, mindestens zwei Liter verteilt über den Tag. Somit wird die Blase gut ausgespült. Eine Wärmflasche hält die gereizte Blase warm und lindert Schmerzen und Krämpfe. Foren wie das Feministische Frauengesundheitszentrum oder das Netzwerk Frauengesundheit sind gute Anlaufstellen für den Austausch von Patient*in zu Patient*in. Ein Allheilmittel gibt es nicht und für jede*n hilft etwas Anderes.

Eine kleine, aber wichtige Anmerkung zum Schluss: Dieser Artikel ersetzt keinen medizinischen Rat. Er dient viel mehr als kleiner Ratgeber und Notfallplan für die, die ebenfalls regelmäßig betroffen sind oder einfach hilfreiche Tipps suchen. Endgültige Hilfe und Sicherheit kann nur der*die Arzt*Ärztin geben!

Kim Hofschröer

  2 comments for “Das ewige Leid: Blasenentzündung

  1. Tina
    8. Februar 2017 at 0:24

    Liebe Kim,
    danke dass du dieses Thema so ausführlich und klar dargestellt hast! Für viele Frauen ist es nach wie vor ein Tabu, darüber zu sprechen.
    Ich bin eine Leidensgenossin (du scheinst jedenfalls auch eine Betroffene zu sein?) und habe mich jahrelang mit Blasenentzündungen – vor allem nach Sex herumgeplagt und viel Antibiotikum geschluckt. Dann kam ich zu einem Urologen, der mir eine Impfung gab mit einem Mittel namens SolcoUrovac. Dazu gibt es auch einiges im Internet. Außerdem gab er mir den Tipp: Nicht pinkeln gehen vor dem Sex, auch wenn es lästig ist! Danach aufs Klo, dann spült der Urin mögliche Bakterien raus.
    Nach vielen jahren habe ich danach praktisch keine Blasenentzündung mehr gehabt – ohne auf den Sex zu verzichten :-)))
    (auch dies ersetzt keinen ärztlichen Rat – aber ggf. bei der nächsten Blasenentzündung mal beim Urologe*in nachfragen!)

  2. Tina
    8. Februar 2017 at 0:34

    Habe gerade im Netz gesehen, dass das Präparat ersetzt wurde durch ein neues mit Namen Strovac. Ich will keinerlei Reklame machen, aber da das Mittel rezeptpflichtig ist, sollten betroffene Frauen beim Arzt oder Ärtzin nachfragen, was sie davon halten. Nähere Infos gibt es schon mal hier:
    http://www.shop-apotheke.com/arzneimittel/4116202/strovac.htm

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