Jörg Kachelmann und Alice Schwarzer

Lange war es still um den ehemaligen Meteorologen Jörg Kachelmann. Nach seiner Anklage wegen Vergewaltigung hat sich der Moderator zurückgezogen. Auf einem Vortrag von Alice Schwarzer zum Thema Sexualrecht in Köln tauchte er aber nun im Publikum auf. Dabei kritisierte er die Frauenrechtlerin für ihre Einstellung. Was ist die Geschichte von Alice Schwarzer und Jörg Kachelmann?

Schwarzer und Kachelmann

Alice Schwarzer im Seitenprofil

Alice Schwarzer bei der Gala zur Verleihung des Fernsehpreises Romy in der Hofburg in Wien (c)Manfred Werner (Tsui) (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Jörg Kachelmann war vielen ursprünglich bekannt als Wetterexperte. Der gebürtige Schweizer arbeitete unter anderem für die ARD und Das Erste. Er gründete eine eigene Firma, Meteomedia, und schuf sich damit ein weiteres Standbein. Nach dem Prozess gegen ihn trat Kachelmann allerdings für einige Zeit nicht mehr öffentlich auf. Langsam kehrt er jedoch in das öffentliche Leben zurück, erst über Radiosender, dann über lokale TV-Auftritte.

Alice Schwarzer ist eine der bekanntesten deutschen Feminist*innen. Sie machte eine journalistische Ausbildung, unter anderem als Auslandskorrespondentin in Paris, wo sie auch im Rahmen der französischen Frauenbewegung der 1970er mitwirkte. Sie gründete außerdem 1977 die Emma, Deutschlands bekanntestes feministisches Magazin, und hat seitdem die Chefredaktion inne. Neben ihrer Arbeit als Autorin arbeitete sie auch als Gastdozentin an verschiedenen Universitäten.

Der Prozess gegen Jörg Kachelmann

Im März 2010 wurde Jörg Kachelmann von einer langjährigen Partnerin der Vergewaltigung angeklagt. Der genaue Tatverlauf war allerdings im Laufe des Prozesses nicht eindeutig zu klären: Kachelmann behauptete, es sei zum einvernehmlichen Verkehr gekommen. Danach erst habe die Klägerin ihn auf eine Untreue seinerseits angesprochen. Er habe diese daraufhin zugegeben und sie hätten das Verhältnis beendet, woraufhin er gegangen sei. Sie wiederum behauptete, dass er ihre Trennung nicht akzeptiert habe und sich unter vorgehaltenem Messer daraufhin an ihr vergangen habe. Die Aussagen beider widersprachen sich. Auch Gerichtsgutachter*innen konnten zu keinem einheitlichen Ergebnis kommen. Nach einem Verteidigerwechsel seitens Kachelmann und einem langwierigen Prozess wurde Kachelmann aufgrund der mangelnden Beweislage im Mai 2011 freigesprochen.

Der Prozessbericht durch Alice Schwarzer

Auf Initiative des BILD-Chefredakteurs Kai Diekmann berichtete Alice Schwarzer in der BILD über den Prozess von Jörg Kachelmann. Es sei ihr wichtig, auch der breiten Masse Zugang zu der Sicht des Opfers hätte. Denn das Thema Gewalt in einer Beziehung sei unterrepräsentiert im deutschen Strafrecht. Den anderen großen Tageszeitungen warf sie Voreingenommenheit gegenüber Kachelmann vor: Sie sähen ihn schon vor dem Prozess als Opfer, nicht als potenziellen Täter.

Kachelmann selbst sah in Schwarzers Berichterstattung aber ebenfalls eine voreingenommene Sicht. Schwarzer wäre parteiisch für das Opfer gewesen, ohne juristische Beweise oder Offenheit ihm gegenüber. Im Rahmen eines Interviews sprach Kachelmann von einem „Opfer-Abo„, das Frauen inne hätten. Dieses stelle Frauen immer als Opfer, nicht als Täterinnen dar. Dies warf er auch Alice Schwarzer vor. Dieses Wort wurde als Unwort des Jahres ausgezeichnet.

Zu Gast beim Vortrag in Köln

Anfang Februar war Alice Schwarzer Gast in der Universität Köln, wo sie einen Vortrag zu „Sexualgewalt gegen Frauen und Recht“ hielt. Mit unter das Publikum gemischt hatte sich auch Jörg Kachelmann. Auf Twitter dokumentierte Kachelmann seinen Besuch im Hörsal mit Bildern. Unter einem Bild, das er von Alice Schwarzer aus dem Publikum heraus machte, fragt er: „In welchen Hörsaal bin ich denn hier geraten?„. In einer offenen Fragerunde meldete er sich schließlich und kam zu Wort. Alice Schwarzer hatte ihn nicht direkt erkannte. Sein Name sei hier schon so häufig gefallen, da würde er gerne selbst auch ein paar Worte sagen. Er bezeichnete seine ehemalige Partnerin als Lügnerin, die Hetzjagd gegen ihn als Verleumdung. Die einzige wirklich verurteilte Straftäterin sei Schwarzer selbst, die 2014 wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde. Schwarzer war damals sehr kritisiert worden. Durch ihre Selbstanzeige habe sie den Eindruck erweckt, sie wolle einem Strafverfahren entgehen.

Schwarzer selbst nahm die Unterbrechung gelassen. Dass Kachelmann den weiten Weg auf sich genommen hätten, das wäre ihr eine Ehre:

„Ich muss sagen, und ich hoffe, Sie verstehen das richtig – ich meine es sogar ernst – irgendwo bin ich gerührt.“

Weiter eingegangen sei sie, so Zeugenberichte, auf die Vorwürfe allerdings nicht.

Kim Hofschröer

 

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