Kunstausstellung „Multimedialeweltderfrau“

Verloren in einer Welt aus Multimedia; ein Problem, das ganz viele Frauen betrifft, zum größten Teil unbewusst. Das Nacheifern der makellosen Selbstdarstellung im Internet nimmt zunehmend mehr Macht an über ihr Gedankengut. Damit wird selbstverständlich auch ihr Auftreten im Alltag verändert. Was man auf den hundertfach gelikten Bildern vieler User*innen nicht sieht, sind die problematischen Einflüsse, Hintergründe und Auswirkungen, die sich in ihren Köpfen auftun.

Die Ausstellung „Multimedialeweltderfrau“

Gemälde von Heike Tammen: Mädchenkopf in der Mitte einer Sanduhr, nach unten hin löst sich der Körper in die Zeichen sozialer Netzwerke auf, nach oben sind Zeichen wie ein Likebutton, eine Katze und ein Einhorn zu sehen

© Foto: Ulrike Hauffe; Gemälde: Heike Tammen

Die Ausstellung „Multimedialeweltderfrau“ zeigt die Ergebnisse eines Malworkshops, geleitet von Bärbel Kock, in dem sich Frauen im Alter von 16 bis 77 Jahren künstlerisch mit dieser Problematik auseinandergesetzt haben. Im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus Vegesack kann man die beeindruckenden Werke der Künstlerinnen besichtigen.

So zeigt Teilnehmerin Heike Tammen auf ihrer Leinwand, wie zerstreuend die Aktivität in Social Media für Frauen sein kann. Im Kopf schwirren etliche Gedanken um das Gefallen der Mitschreiterinnen und möglichst zahlreiche Likes für den eignen Auftritt im Internet. Dabei verspeist das World Wide Web die eigene Persönlichkeit.

Gemälde von Leonie Iwohn: Umriss einer großen Person, in dem Umriss sitzt ein Mensch in der hocke, hält die Hände auf den Kopf der nur aus einem Auge besteht

© Foto: Ulrike Hauffe, Gemälde: Leonie Iwohn

Leonie Iwohns Darstellung zeigt Ähnliches: Viele Frauen verlieren sich selbst in dem großen Geschäft und geraten dadurch in soziale Isolation.

Mein Eindruck

Neben diesen beiden regen einige weitere Künstlerinnen mit ihren Gemälden zum Überdenken des eigenen Verhaltens an. Selbst wenn die Problematik dieses Themas scheinbar bewusst ist, erreicht sie den*die Betrachter*in auf eine ganz andere Weise, sobald man sie in einem anderen Format wahrnimmt. Viele Bilder dieser Ausstellung haben mich auch nach meinem Besuch weiter nachdenklich gestimmt. Zwar bin ich mir der Macht dieser Netzwerke über das eigene Tun und Machen bewusst, aber wenn man zu den Worten im Kopf Bilder im Auge hat, verstärkt sich durchaus die Wirkung.

Meines Erachtens fehlt in der Ausstellung ein Stück weit der positive Einfluss, die die soziale Netzwerke tragen: Eine Plattform kann genauso als Treffpunkt für eine Interessengruppe agieren. Gerade zurzeit nimmt der Zusammenschluss einiger Frauen zu, um als Community eine Gegenbewegung zu all den idealistischen Abbildern in Multimedia aufzubauen.

Ein kostenloser Besuch der Ausstellung rentiert sich dennoch in jeglicher Weise, denn wo lässt sich besser Zeit investieren, als in den eigenen Geist? Bis zum 30. April befinden sich die Werke noch in den Hallen des Gustav-Heinemann-Bürgerhaus in Vegesack, bis sie im Herbst nach Erfurt und Weimar wandern.

Vivien Koschig

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