Die Pille und ihr Risiko

Am 28.September 2016 ist eine dänische Studie erschienen, die ein erhöhtes Depressionsrisiko bei hormoneller Verhütung aufzeigt. Die Ergebnisse sind nicht nur wegen ihres Themas außergewöhnlich, sondern auch weil die Studie die erste in dieser Größenordnung ist. Bisher gibt es kaum Langzeitstudien zur Pille. Jetzt untersuchten Charlotte Wessel Skovlund, Lina Steinrud Mørch und Lars Vedel Kessing in Dänemark lebende Frauen zwischen 15 und 34 Jahren. Sie werteten die Daten von mehr als einer Million Frauen über 13 Jahre hinweg aus. Das Ergebnis ist, dass bei 23 Prozent mehr Frauen mit Kombinationspille (Gestagen und Östrogen) später Depressionen festgestellt wurden als bei Frauen ohne hormonelle Verhütung. Die Minipille, die nur Östrogen enthält, soll sogar ein um 34 Prozent erhöhtes Depressionsrisiko hervorrufen. Besonders alarmierend sind die Zahlen der jungen Frauen in der Pubertät. Das Depressionsrisiko stieg hier auf 80 Prozent bei den 15 bis 19-Jährigen.

Ungeklärte Risiken der Pille

Schon vorher gab es kritische Stimmen zur Pille und erschreckende Berichte über schwerwiegende Folgen. Ein Blick auf die Packungsbeilage zeigt schon die vielen Gesundheitsrisiken auf. Jede Frau macht andere Erfahrungen mit der Pille, deswegen kann man nicht grundsätzlich von ihr abraten. Aber die ein oder andere ist sich der Risiken gar nicht bewusst. Es ist Aufgabe der Gynäkolog*innen jungen Frauen vor der Ersteinnahme vor den verschiedenen Gesundheitsrisiken zu warnen. Durch die dänische Studie sollten die Alarmglocken bei Erziehungsberechtigten und Ärzt*nnen klingeln. Denn hormonelle Verhütungsmittel werden gerade bei Teenagern gerne wegen schlechter Haut, Regelschmerzen oder unregelmäßigen Perioden verschrieben. Die negativen Auswirkungen, die die Hormone auf den Körper haben, treten aber bei dieser Altersgruppe verstärkt auf. Es ist meistens in den ersten zwei Jahren nach der ersten hormonellen Verhütung erkennbar, wenn die Frau die Pille nicht verträgt. Trotzdem ist auch nach mehreren Jahren problemloser Einnahme nicht voraussehbar, ob nicht später nach dem Absetzen Gesundheitsprobleme auftreten werden.

Den meisten passiert das nicht, oder?

Treten körperliche oder psychische Beschwerden auf, ist der erste Gedanke oft nicht, dass die Verhütung der Grund dafür sein könnte. Viele Frauen wissen, dass die Pille Thrombose, Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen verursachen kann. Auch von Lungenembolie, Herzinfarkten und Schlaganfällen gibt es Berichte. Aber den meisten passiert das nicht, oder? Das Risiko wird verdrängt. Dass Frauen aufgrund der Pille depressiv werden und sich das nach Absetzen der Pille manchmal bessert, ist wenig diskutiert. Allerdings gab es schon vorher eine schwedische Studie, die ein verstärktes Depressionsrisiko, vor allem bei der Minipille, belegt hat. Zudem gibt es Einzelberichte von Frauen, die sagen, dass die Pille bei ihnen Depressionen hervorgerufen oder verstärkt hat. Womöglich könnten Depressionen verhindert werden oder geschwächt auftreten, wenn sich Frauen nicht schon im Pubertätsalter für hormonelle Verhütung entscheiden, sie nicht zu lange fortführen oder nicht-hormonelle Verhütungsmittel verwenden.

Pille: grüne Pillenpackung mit Wochentagen beschriftet halb verdeckt von weiß-grüner Pillentasche

(c) Georgi

Alternative Verhütungsmittel

Es gibt alternativ nicht-hormonelle Verhütungsmittel wie die Kupferspirale, Kupferkette oder Kondome. Zudem werden Messmethoden, um die fruchtbaren Tage zu berechnen, immer beliebter. Trotzdem ist die Pille das beliebteste Verhütungsmittel, weil sie wenig Aufwand und hohe Sicherheit vereint. Es gibt seit Langem auch Forschungen zu männlichen Verhütungsmittel, die aber bisher bei Testphasen geblieben sind. Oft fehlen die finanziellen Mittel und das Interesse der Pharmaindustrie um eine Idee weiter voranzubringen. Außerdem gibt es heute strengere Zulassungsbedingungen. Deshalb können gesundheitliche Nebenwirkungen für „männliche Verhütungsmittel“ das Aus bedeuten, während sie bei der Antibabypille wie selbstverständlich als Risiko aufgelistet sind. Das Vasalgel für Männer ist eine der neusten Hoffnungen und könnte eventuell 2018 auf den Markt kommen. Die Art der Verhütung ist in erster Linie noch Aufgabe der Frau. Dass viele Frauen sich bewusst für die Pille entscheiden und ihren Hormonhaushalt auf unnatürliche Art und Weise beeinflussen, zeigt, wie akzeptiert und allgegenwärtig die Pille in unserer Gesellschaft geworden ist. Sie wird leider häufig nicht mehr hinterfragt.

Weckruf der Wissenschaft

Die Studie aus Dänemark ist eine Warnung zu Risiken hormoneller Verhütung. Für die Zukunft muss es weitere Langzeitstudien zu hormonellen Verhütungsmitteln und ihren Nebenwirkungen geben. Die Ergebnisse müssen dann verbreitet und ernstgenommen werden. Außerdem ist es wichtig, dass sich junge Frauen der Risiken und möglichen Alternativen bewusst sind. Jede Frau sollte selbst entscheiden, ob sie verhüten möchte und wie. Solange eine Frau für sich keinen Grund sieht die Pille abzusetzen, muss sie das natürlich auch nicht tun. Die neuesten Erkenntnisse rufen aber zu Vorsicht bei psychischen Problemen auf. Sie zeigen, dass die Wissenschaft immer noch die Effekte von Verhütungsmitteln erforscht. Die Studie ist meiner Meinung nach also ein wichtiger Weckruf: Wir dürfen die Risiken der Pille nicht unterschätzen und müssen unsere Beschwerden im Hinblick auf die Pille ernst nehmen!

Tabea Georgi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.