Prostitutionsverbot: Ja oder Nein?

stop-sexkauf, Bündnis zum ProstitutionsverbotDas Bündnis zum Prostitutionsverbot „Stop Sexkauf“ hat sich für 2017 viel vorgenommen: Sie wollen „zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ein Land“ – nämlich Deutschland – „wegen der Legalisierung von Prostitution“ verklagen.

„Prostitution ist Gewalt gegen Frauen“ schrieb das Bündnis am 03. Januar in einem Update zu ihrer Petition #Sexkauf bestrafen, Prostitution abbauen! auf change.org. „Deshalb werden wir…noch in diesem Jahr wegen des am 1. Juli 2017 in Deutschland in Kraft tretenden neuen Prostituiertenschutzgesetzes und der damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen Klage bei der Europäischen Kommission einreichen.“

Was hat es nun auf sich? Die Prostitutionsfrage spaltet die Gesellschaft – und auch unsere Redaktion – zutiefst.

Die Frage zum Prostitutionsverbot spaltet die Gesellschaft

Die Argumente für das Legalbleiben der Prostitution basieren auf folgende Logik: Prostitution wird es immer geben; da sollten die Sexworker*innen möglichst gute, selbst bestimmte und entkriminalisierte Arbeits- und Lebensbedingungen haben. Sie sollen selber den Ton angeben und gegen Übergriffe Rechtsmittel zur Verfügung haben. Sie sollten in die Mitte der Gesellschaft ankommen. So beschrieben im Feministischen Manifest zur Unterstützung der Rechte von Sexarbeiter*innen

Das Gegenargument der Abolitionist*innen zieht diese Logik nicht in Frage, behauptet aber, das die Legalisierung der Prostitution in Deutschland versagt hat – und so viel Leid verursacht hat, dass nur ein Komplettverbot Abhilfe schaffen könnte: In den Jahren seit der Legalisierung habe sich für den Großteil der Sexworker*innen die Lage drastisch verschlechtert.

Der Grund: Die Prostitution wurde industrialisiert. Die Branche ist weiterhin in den meisten Fällen in kriminell-mafiöser Männerhand. In Flatrate-Bordellen können Freier weiterhin für 70,- Euro soviele Frauen bestellen, wie sie wollen. Ein Leben als Batteriehuhn: So war das nicht gedacht.

„The German model is producing hell on earth!“

Jetzt hat Dr. Ingeborg Kraus, Urheberin der o.g. Petition Unterstützung in aller Welt geholt. The German model is producing hell on earth!“ hieß ihre Rede September 2016 in Vancouver. Lorraine Questiaux hat für sie in Paris eine Gruppe von Expert*innen in Europäischem Recht dafür gewonnen.

„Seit 2016 befindet sich Deutschland im Hinblick auf Prostitution zwischen 2 abolitionistischen Ländern, eine schizophrene Situation mitten in Europa!“ schreibt Dr. Kraus. Kurz gesagt: Deutschland sei das neue Thailand.

Das Vorgehen des Bündnisses „Stop Sexkauf“ wird in ein Artikel im „Monde Diplomatique“ angekündigt – ab 17. Januar soll der Artikel auch auf Deutsch zu lesen sein.

Mehr Infos zum Thema Prostitutionsverbot findet ihr zum Beispiel hier:

Ricarda

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