Unsere Frau der Woche: Kym Worthy

1957 wurde unsere aktuelle Frau der Woche Kymberli L. Worthy (im Internet hauptsächlich zu finden als Kym Worthy) geboren. Nachdem sie ihre High School in Virgina abgeschlossen hat, studierte Worthy zunächst an der University of Michigan. Ihren juristischen Abschluss erhielt sie an der Notre Dame Law School.

Seit 2004 ist Kym Worthy die erste dunkelhäutige Oberstaatsanwältin von Wayne County. Ihre eigene Geschichte hat sie zu einer überaus bedeutenden Person in der Frank Murphy Hall of Justice gemacht. Die Entdeckung 11.341 unbearbeiteter „Rape Kits“ durch Worthys Assistent Rob Spada im August 2009, deponiert im verkommenen Lagerhaus der Polizei Detroit, ließen ihre eigenen Wunden aufklaffen und gaben ihr größte Motivation für ihr Lebenswerk.

Bei einer zu Anzeige gebrachten Vergewaltigung müssen sich Opfer einer langen und ausgiebigen Untersuchung unterziehen, bei der ein sogenanntes „Rape Kit“ erstellt wird. Eine automatische Analyse dieser festgehaltenen Daten findet nicht statt. Da den Opfern demzufolge keine Rückmeldungen über Ermittlungsergebnisse zugeteilt wurden, hielten sie ihren Fall für nicht lösbar und tätigten keine Hinterfragungen. Der amerikanischen Polizei öffneten sich damit die Türen zu einem Verbrechen, bei dem wichtige Recherchen unterlassen wurden und einige Vergewaltigungsfälle in Folge nicht ermittelter Serientäter hätten verhindert werden können.

Das Problem…

Die Berge an unbearbeiteten „Rape Kits“ verschlossen das Schicksal vieler Menschen: die Opfer waren zum größten Teil weiblich, gehörten der sozialen Unterschicht an, vier von fünf waren dunkelhäutig und eine Untersuchung im Kinderkrankenhaus aufgrund von Minderjährigkeit sind keine Seltenheit gewesen. Auch Kym Worthy hätte unter ihnen sein können. Anfang 20 wurde sie bei einer abendlichen Joggingrunde vergewaltigt; zu einer Anzeige kam es damals nicht, aus Angst vor Spott und Gefährdung ihres Studienplatzes. Nach Beendigung ihres Studiums begann ihre Karriere als Staatsanwältin, 10 Jahre später wird sie Richterin. Ihre Tätigkeit offenbart Kym Worthy das fragwürdige Handwerk amerikanischer Polizisten: viele Städte scheinen überfordert mit der hohen Anzahl „Rape Kits“, Geld und Ressourcen fehlen, deshalb habe man anhand des Auftretens der Vergewaltigungsopfer über den Wahrheitsgehalt ihrer Schilderungen entschieden; ohne eingehende Untersuchungen der festgehaltenen Daten. Eine strafrechtliche Verfolgung fand nicht statt.

…und seine Lösung.

Ihre eigene Vergangenheit ließ Worthy zu einer engagierten Kämpferin für die Aufdeckung von Vergewaltigungsdelikten in Amerika werden.

„Am Ende des Tages gehen Richter, Staatsanwälte und die Polizei nach Hause. Aber das Opfer einer Vergewaltigung oder von Kindesmissbrauch trägt die Tat den Rest seines Lebens mit sich.“

Medienberichte und eine darauffolgende Einladung in das Repräsentantenhaus Washingtons in 2010 erbrachten Spenden aus 50 US-Staaten und 15 Ländern von Justizministerien, Frauenrechtsorganisationen und Privatpersonen. Die dadurch realisierte Organisation „Wayne County Sexual Assault Rape Kit Task Force“, bestehend aus neun Staatsanwält*innen und 18 Ermittler*innen hat bis Mitte Februar diesen Jahres den Großteil der 11.341 Kits getestet. Bisher wurden dabei 784 Serienvergewaltiger identifiziert, 78 Täter verurteilt. Bis zu fünf Jahre können die weiteren Ermittlungen noch andauern. Am Ende soll dabei eine Gesamtsumme von 30 Millionen Dollar investiert werden.

Politische Folgen

Seit 3 Jahren gilt in Amerika ein Gesetz, das den Ermittler*innen eine maximale Ermittlungsdauer von 90 Tagen erlaubt. Zudem soll in der Zukunft darüber entschieden werden, ob ein Kit ähnlich wie ein Packet verfolgt werden soll, um ein erneutes Verschwinden wie in Detroit zu verhindern. Kym Worthy selbst fürchtet um die Zukunft ihrer Bewegung; die neue politische Aufstellung Amerikas könnte eine Gefährdung für die strafrechtliche Verfolgung amerikanischer Opfer darstellen – vor allem weil hauptsächlich Frauen betroffen sind.

Auch privat zeigt Kym Worthy ein großes Herz. Nachdem ihre leibliche Tochter als Frühchen nach 19 Tagen verstirbt, adoptiert sie ein Mädchen, die unter der Sichelzellenkrankheit leidet, 2010 folgen Zwillingsgeschwister. Als alleinerziehende Mutter möchte sie den perspektivlosen Kindern einen Ausstieg aus der Unterschicht ermöglichen.

Kym Worthy ist eine Frau, die durch ihr Engagement vielen Vergewaltigungsopfern einen inneren Frieden möglich macht und wir hoffen sehr, dass sie ihre erfolgreiche Tätigkeit auch in Zukunft fortsetzen kann.

Vivien Koschig

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